In Ennepetal findet die Polizei bei einem Schüler zahlreiche Waffen. Besonders wüst droht ein Remscheider.

Ennepetal/Remscheid. Nach der Katastrophe von Winnenden sorgen mehrere Amok-Drohungen in Nordrhein-Westfalen für Aufregung. Der haarsträubendste Fall kommt aus Ennepetal.

Bereits mehrere Tage vor der Tat in Winnenden soll dort ein 17-jähriger Gymnasiast aus Schwelm gegenüber Mitschülern einen Amoklauf an seiner Schule angekündigt haben. Bei der Durchsuchung seines Zimmers in der elterlichen Wohnung fand die Polizei Hieb- und Stichwaffen sowie Anleitungen und Chemikalien zum Bau eines Sprengkörpers. Offenbar hatte er auch seinen Selbstmord angekündigt.

"Ich bin froh und glücklich, dass eine Katastrophe an uns vorbeigegangen ist", sagte der Bürgermeister von Ennepetal, Michael Eckhardt. Ein Polizeisprecher sagte, dass die Hinweise sehr ernst zu nehmen gewesen seien. Ein Trittbrettfahrer sei der Schüler nicht, da er den Amoklauf schon vor der Tat in Winnenden angekündigt haben soll.

In Remscheid folgte die Strafe auf dem Fuß

In Remscheid wurde am Freitag in einem Schnellverfahren ein 16-jähriger Hauptschüler von einem Jugendrichter wegen der Androhung eines Amoklaufs zu zehn Tagen Arrest verurteilt. Er hatte am Mittwoch seinem Klassenlehrer gedroht: "Ich komme mit einer Bazooka wieder und schieße hier alle um." Zu dem Angriff mit der Panzerfaust kam es jedoch nicht.

NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) forderte die Justiz auf, in ähnlichen Fällen ebenso konsequent und schnell durchzugreifen: "Wer mit der Angst seiner Mitmenschen Schindluder treibt, muss dafür büßen." Allein in Nordrhein-Westfalen wurden nach Angaben des Innenministerium seit Mittwoch rund 60 Amok-Drohungen registriert.

Dass sich nach einem Amoklauf etliche Trittbrettfahrer melden, ist für Experten keine Überraschung. Sie setzen auf schnelle Ermittlungserfolge der Polizei, um mögliche Täter abzuschrecken.

Juristen zufolge riskieren Trittbrettfahrer viel. Das Strafmaß geht von einer Bewährungsstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Trittbrettfahrer hielten die Polizei deutschlandweit in Atem. In Baden-Württemberg wurden ein 16- und ein 20-Jähriger verhaftet. Ein 15-Jähriger, der mit roter Kreide eine Amokdrohung auf dem Hof seiner Realschule geschrieben hatte, wurde festgenommen. In Trier nahm ein Einsatzkommando einen 20-Jährigen fest, der "aus Blödsinn" eine Drohung ins Internet gestellt hatte. Sogar in Frankreich registrierte die Polizei Nachahmer.

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