Freitag vor 150 Jahren wurde Dr. August Oetker geboren. Der Apotheker gilt als Erfinder des Backpulvers in Tütchen.

Dr. Oetker
Firmengründer Albert Oetker gilt als Vater des Backpulvers in kleinen Tütchen.

Firmengründer Albert Oetker gilt als Vater des Backpulvers in kleinen Tütchen.

dpa

Firmengründer Albert Oetker gilt als Vater des Backpulvers in kleinen Tütchen.

Bielefeld. In einer Hinterstube einer Bielefelder Apotheke hat alles angefangen: Der junge Apotheker Dr. August Oetker hantiert bis spät in die Nacht mit Apothekerwaage, Mörser und Pülverchen. Was er da in hartnäckiger Arbeit entwickelt, revolutioniert das Backen: das Backpulver. Freitag vor 150 Jahren wurde Dr. August Oetker als Sohn eines Bäckers nahe Minden geboren.

Der ehrgeizige Apotheker versucht es zuerst in Berlin, bevor er am 1. Januar 1891 in Bielefeld die Aschoff’sche Apotheke übernimmt. Oetker entwickelt medizinische Weine und Fußcreme. Der wirtschaftliche Erfolg bleibt aber unter den Erwartungen. Dann experimentiert der Bäckersohn in einer vier Quadratmeter kleinen Kammer („meine Geheimbutze“) mit Backpulver. Das hatte zwar schon Justus Liebig erfunden. Man konnte es aber nicht längere Zeit lagern – und einen Beigeschmack hatte es auch.

Oetker experimentiert so lange, bis er im Jahr 1893 portioniertes Backpulver in Tütchen auf den Markt bringt. Der Clou daran: Er garantiert, dass es genau die richtige Menge Triebmittel für ein Pfund Mehl ist. Für die Qualität sollte der Name Dr. Oetker bürgen. Eine der heute bekanntesten Marken Deutschlands war entstanden. 1899 werden schon zwei Millionen Tütchen „Backin“ hergestellt.

„Ein heller Kopf, der Ordnung hält, erspart viel Arbeit, Zeit und Geld.“

August Oetkers Wahlspruch in seinen Fabriken

Im Mai 1900 zieht das Unternehmen in die Bielefelder Lutterstraße, wo noch heute die Zentrale in mächtigen alten Backsteinbauten sitzt. Neue Produkte wie Vanillin-Zucker, Speisestärke und das Puddingpulver bereichern das Sortiment. Gleichzeitig lässt Oetker das Warenzeichen für seine Produkte schützen – der rot-weiße Hellkopf prangt seitdem auf allen Dr.-Oetker-Packungen. In den Fabriken lässt August Oetker Losungen anbringen wie „Ein heller Kopf, der Ordnung hält, erspart viel Arbeit, Zeit und Geld“.

1916 fällt Augusts Sohn und designierter Nachfolger Rudolf im Ersten Weltkrieg, 1918 stirbt der Firmengründer mit nur 56 Jahren. Wenn es heute um die Zukunft der Oetker-Spitze geht, wird das Unternehmen genauso einsilbig wie bei Fragen nach Gewinnen. Aus den drei Ehen von Rudolf-August Oetker (1916 bis 2007), Enkel des Firmengründers, gingen acht Kinder hervor.

Das Familienunternehmen Oetker ist ein Gemischtwarenladen. Zur Gruppe gehören rund 430 Firmen und 25 600 Beschäftigte weltweit.

Die bekannteste Sparte ist die Dr. Oetker GmbH. Dazu zählen Puddingpulver, Backmischungen und Tiefkühlkost. Zur Gruppe gehören auch die Reederei Hamburg Süd, mit 4,4 Milliarden Euro Umsatz die größte Sparte im Konzern, sowie das Bankhaus Lampe. Zudem zählen Deutschlands größter Bierbrauer, die Radeberger-Gruppe mit 40 Marken (Radeberger, Jever, Schöfferhofer und die Brau-Limonade Bionade), die Sektkellerei Henkell (u.a. Metternich, Henkell und Wodka Gorbatschow) sowie Luxushotels und eine Chemiefabrik zum Konzern.

2010 betrug der Umsatz rund 9,5 Milliarden Euro, davon setzte die Nahrungsmittelsparte 1,94 Milliarden Euro um.

Derzeit steht Richard Oetker an der Spitze. Spätestens in vier Jahren – mit Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren – muss er sein Amt allerdings abgeben. Alfred (43), der älteste Sohn von Rudolf-August und dessen dritter Frau, Marianne, könnte der nächste Chef werden.

Wie auch immer die Nachfolge geregelt wird, im Vordergrund stehe der Grundsatz: „Die Interessen des Unternehmens haben Vorrang vor denen der Familie“, heißt es bei den Oetkers. Und sonst: „Kein Kommentar.“

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