Verkleidete Kinder ziehen derzeit von Haus zu Haus. In mancher Gemeinde wird deshalb über Rassismus diskutiert.

Kinder beim Auftakt der bundesweiten Sternsinger-Aktion in Bayern. Foto: Nicolas Armer/dpa
Kinder beim Auftakt der bundesweiten Sternsinger-Aktion in Bayern. Foto: Nicolas Armer/dpa

Kinder beim Auftakt der bundesweiten Sternsinger-Aktion in Bayern. Foto: Nicolas Armer/dpa

Nicolas Armer

Kinder beim Auftakt der bundesweiten Sternsinger-Aktion in Bayern. Foto: Nicolas Armer/dpa

Krefeld/Düsseldorf. In königlichen Gewändern, den Stern am Stab und die Spendendose in der Hand, ziehen sie jetzt wieder durch die Straßen – Kinder, verkleidet als die Heiligen Drei Könige. Und jedes Jahr stellen sich Organisatoren und Kritiker die Frage: Ist es in Ordnung, dem Kind, das König Caspar verkörpert, ein schwarzes Gesicht zu schminken – wenn es nicht mit dunkler Hautfarbe geboren wurde?

 „Wir machen den einzelnen Pfarrgemeinden da keine Vorschriften“, sagt Thomas Römer, Sprecher des Kindermissionswerks, das die Spendenaktionen der rund 330 000 Sternsinger koordiniert. Er sieht aber nicht, warum die Schminke ein Problem sein sollte. „Caspar wird ja nicht als dunkelhäutiger König dargestellt, um ihn herabzuwürdigen. Ihm wird ja die selbe große Geste zugeschrieben, wie den anderen beiden. Noch dazu soll er den afrikanischen Kontinent repräsentieren. Da hat die schwarze Farbe im Gesicht keinerlei rassistischen Hintergrund.“ Auch ob der Stern am Stab acht Zacken – so wird der Stern von Bethlehem in der katholischen Kirche traditionell dargestellt – hat, oder fünf „ist doch unwichtig“, sagt Römer.

Organisiert werden die Sternsinger-Aktionen bereits seit 1959 bundesweit in den einzelnen Pfarrgemeinden. Mehr als 11 000 haben sich 2014 dafür angemeldet.

Während die Sternsinger früher an jeder Haustür klingelten, muss sich der Hausbesitzer heute oft im Pfarrbüro für den Segen anmelden. Das hänge damit zusammen, dass es laut Kindermissionswerk immer weniger Kinder gibt, die als Könige verkleidet durch die Kälte laufen möchten.

In der Krefelder St.-Clemens-Gemeinde beispielsweise gehört es zum Kommunionsunterricht dazu, sich einmal als Sternsinger zu engagieren. Doch auch ehemalige Kommunionskinder und Messdiener machen jedes Jahr wieder mit, sagt Carola Winter, Koordinatorin der Sternsinger in der Pfarrgemeinde St. Clemens. „So kommen allein in unserem Pfarrbezirk jedes Jahr etwa 100 Kinder zusammen“, sagt sie.

Nach Angaben des Kindermissionswerks finden sich immer weniger Kinder, die als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen möchten. 2014 meldeten sich nur noch 11 075 Einrichtungen zur Sternsinger-Aktion an – knapp 11,5 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren. Dies liege einerseits am demografischen Wandel, andererseits jedoch an der abnehmenden Anzahl von Pfarrgemeinden in Deutschland insgesamt.

Der Segen, den die Sternsinger in diesem Jahr an Hauswände und Türen schreiben lautet: „20*C+M+B*15“. Die drei Buchstaben stehen nicht etwa für die Namen der Heiligen Drei Könige, wie oft angenommen wird, sondern für die lateinischen Wörter „Christus Mansionem Benedicat“, was bedeutet „Christus möge dieses Haus segnen“.

Wer sich für weitere Hintergründe zur Geschichte und Bedeutung der Heiligen Drei Könige interessiert, findet eine Liste mit Fragen und Antworten auf der Internetseite: sternsinger.org

Die schwarze Schminke wird hier nur am Rande thematisiert. „Wir erklären den Kindern vorher, wer die Drei Heiligen Könige waren, woher sie kamen und was die Kostüme bedeuten“, sagt Winter. Caspar bekommt einen Turban auf den Kopf, die anderen beiden eine selbstgebastelte Krone. „Wer schwarze Schminke möchte, der bekommt sie auch.“ Manchmal seien auch dunkelhäutige Kinder dabei, die aber natürlich auch Balthasar oder Melchior spielen dürften. „Da machen wir gar keine Diskussion draus“, sagt die Organisatorin. Im Vordergrund soll ja eben vor allem der Einsatz für bedürftige Kinder stehen.

So sieht das auch Barbara Eiker, die die Sternsinger-Aktion für die Gemeinde Herz-Jesu in Krefeld-Königsfeld organisiert. „Na klar werden die Kinder schwarz geschminkt, wenn sie es wollen“, sagt Eiker. „Bei uns ist immer Melchior der dunkelhäutige König. Da sind wir ganz flexibel.“

Und laut Bibel war ja sowieso keiner der drei Königeausdrücklich dunkelhäutig. Sie werden noch nicht einmal als Könige biblisch erwähnt, sondern sind Sterndeuter, die vom Stern von Bethlehem zum Jesuskind geführt werden. „Die Darstellung der Heiligen Drei Könige gibt es erst seit dem Mittelalter“, sagt Thomas Römer. „Seitdem sind die drei die Vertreter der damals bekannten Erdteile.“

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