Sechs oder sieben Journalisten saßen an einem Tisch, tranken, rauchten und tauschten sich über die Weltlage aus.

Jubiläum
Zum 20. Geburtstag des Frühschoppens lud Moderator Höfer (Mitte) angehende Journalisten ein – auch drei Frauen waren dieses Mal dabei.

Zum 20. Geburtstag des Frühschoppens lud Moderator Höfer (Mitte) angehende Journalisten ein – auch drei Frauen waren dieses Mal dabei.

dpa

Zum 20. Geburtstag des Frühschoppens lud Moderator Höfer (Mitte) angehende Journalisten ein – auch drei Frauen waren dieses Mal dabei.

Köln. Vor 60 Jahren, am 6. Januar 1952, ging die Mutter aller deutschen Talkshows auf Sendung, der Internationale Frühschoppen. Hinweis für Spätgeborene: Das hatte nichts mit Früh-Shoppen zu tun, sondern bezog sich auf den Brauch, zwischen Kirchgang und Sonntagsbraten schnell einen trinken zu gehen. Der Frühschoppen war Männersache.

Geleitet wurde die gleichermaßen alkoholisierte wie verräucherte Runde von einem Herrn mit Vorderglatze und dickglasiger Hornbrille: Werner Höfer (1913-1997). Er moderierte die Sendung 35 Jahre – die ersten eineinhalb davon nur im Radio.

Als Moderator Höfer einmal Urlaub machte, hagelte es Proteste

Nachdem der Frühschoppen 1953 ins Fernsehen gekommen war, lief er stets nach dem gleichen Muster ab. Zu Beginn um Punkt Zwölf ertönte die sonore Stimme von Egon Hoegen – auch bekannt aus „Der 7. Sinn“ – und kündigte „sechs Journalisten aus fünf Ländern“ an.

Dann sah man diese Gäste in der minimalistischen Studiokulisse hinter Moselweingläsern sitzen, und Werner Höfer leitete die Sendung etwa mit dem Satz ein: „Die Wiedersehensfreude ist unter allen Weihnachtsfreuden der reinsten und der rarsten eine.“ Es folgte die Vorstellung der Gäste.

Als Höfer 1954 einmal Urlaub machte, gingen beim WDR Unmengen Protestbriefe ein. Danach ließ er die Sendung nie mehr ausfallen. Er machte nur noch Urlaub auf Sylt und fuhr jeden Sonntag nach Köln.

Die Themen kamen fast immer aus der hohen Politik, und nicht nur aus der deutschen. Es war nicht ungewöhnlich, wenn sich die Herren eine Stunde lang über französische Innenpolitik austauschten. Und dabei wurde vorausgesetzt, dass der Zuschauer mit den Fakten vertraut war.

Ein Hetzartikel aus der Nazizeit brachte Höfer das Ende

Das Ende kam plötzlich. Im Dezember 1987 grub der „Spiegel“ einen Hetzartikel Höfers aus der Nazizeit aus. Höfer wand sich, wiegelte ab und erging sich in Ausflüchten. Ehe er sich’s versah, war er abserviert.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer