Brüssel koordiniert Notfälle europaweit. Italien, Frankreich und Zypern entsenden Flugzeuge und Wehrmänner.

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Löschflugzeuge sind – wie hier in Griechenland – oft die einzige Chance, große Brände in den Griff zu bekommen.

Löschflugzeuge sind – wie hier in Griechenland – oft die einzige Chance, große Brände in den Griff zu bekommen.

dpa

Löschflugzeuge sind – wie hier in Griechenland – oft die einzige Chance, große Brände in den Griff zu bekommen.

Brüssel. Griechenland steht in Flammen, und auch auf den Bildschirmen ist nur rot zu sehen. Die Mitarbeiter des europäischen Katastrophenzentrums in Brüssel sitzen vor ihren Computern und betrachten konzentriert die Europakarte. Am Mittelmeer ist es trocken und heiß - selbst für Deutschland gilt derzeit die höchste Warnstufe; die Waldbrandgefahr ist überall groß.

Im Beobachtungs- und Informationszentrum der Europäischen Kommission (MIC) herrscht deshalb seit Tagen Hochbetrieb. Auf nur wenigen Quadratmetern in einem Vorort Brüssels koordinieren vier Mitarbeiter in Wechselschicht den Notfall. Auf riesigen Monitoren sind Lagekarten, Wettervorschau und Satellitenbilder zu sehen.

Das MIC wurde nach den Terroranschlägen von 2001 gegründet, um im Notfall schneller grenzüberschreitende Hilfe mobilisieren zu können. Wenn zum Beispiel ein Land einen Löschwagen braucht, schauen die Mitarbeiter in Brüssel in einer zentralen Datenbank nach, wo Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

Am Wochenende ging die Anfrage der Griechen beim MIC ein. Daraufhin erklärten sich Italiener und Franzosen bereit, jeweils zwei Löschflugzeuge zu schicken, Zypern setzte 60 Feuerwehrleute und einen Hubschrauber in Marsch.

Die Zahl der Waldbrände im Mittelmeerraum hat sich seit den 1960er Jahren teilweise verzehnfacht - was laut MIC nicht nur eine Folge des Klimawandels ist, sondern auch von Brandstiftung, schlechter Bebauung und miserabler Waldwirtschaft.

Der europäische Steuerzahler kommt über den EU-Solidaritätsfonds für einen Teil der Schäden im Mittelmeer auf; die Auswirkungen auf das Klima betreffen ohnehin alle. Nach Angaben von Experten sind Waldbrände für bis zu 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Immer wieder werden daher Rufe laut, eine Art Katastrophenschutz-Eurocorps zu schaffen, mit eigenen Löschfahrzeugen, einheitlichen Uniformen und einer Einsatzzentrale. Immerhin gibt es in diesem Jahr erstmals eine zentral gelenkte Einheit. Sie wurde nach den schlimmen Bränden 2007 ins Leben gerufen.

Noch sind es nur zwei Löschflugzeuge des Typs Canadairs CL-215, die jederzeit abrufbar im Einsatz und derzeit ebenfalls auf dem Weg nach Griechenland sind. Das Europäische Parlament genehmigte 3,5 Millionen Euro für das Pilotprojekt. Sollte es sich bewähren, könnte es bald tatsächlich eine richtige EU-Feuerwehr geben.

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