Max Uthoff und Claus von Wagner übernehmen die Satiresendung „Die Anstalt“ im ZDF. Dort wollen sie die heißen Eisen anfassen.

Interview
Das neue Satire-Duo am Dienstagabend im ZDF: Claus von Wagner (l.) und Max Uthoff.

Das neue Satire-Duo am Dienstagabend im ZDF: Claus von Wagner (l.) und Max Uthoff.

Jürgen Nobel/ZDF

Das neue Satire-Duo am Dienstagabend im ZDF: Claus von Wagner (l.) und Max Uthoff.

München. Die Irren sind weg, der Aufzug bleibt: Am kommenden Dienstag (22.15 Uhr) kehrt die ZDF-Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ mit neuen Gastgebern ins Fernsehen zurück. Max Uthoff und Claus von Wagner werden die Nachfolge von Urban Priol und Frank-Markus Barwasser antreten. Besonders freut sich das neue Duo auf die Suche nach Gästen für ihre Show. „Wir Kabarettisten sind sonst schließlich notorische Einzelgänger und laufen uns sehr selten über den Weg“, sagte von Wagner im Interview.

Welche Rolle spielt eine politische Satiresendung wie „Die Anstalt“ im deutschen TV?

Claus von Wagner: Ich glaube, wir müssen uns zunächst Gedanken machen über den Text, nicht so sehr über seine Wirkung. Aber die Rolle vom Fernsehen ist klar: Verbreitung. Wir haben die Gelegenheit, die Themen, die uns auf den Nägeln brennen, direkt und vor vielen Menschen umzusetzen. Sonst müssen wir, um die gleiche Anzahl von Menschen zu erreichen, drei Jahre tingeln.

Max Uthoff: Was die Funktionsweise von Satire angeht, sollten wir uns nicht allzu großen Hoffnungen hingeben. Würde Kabarett die Gesellschaft wirklich radikal verändern, gäbe es vielleicht seit 40 Jahren kein Kabarett mehr. Aber es ist ein kleiner Teil einer Gegenöffentlichkeit, in der Meinungen geäußert werden, die vielleicht von vielen Leuten auch so empfunden werden, die sich in ihrer Meinung dann wahrgenommen fühlen.

Denken Sie beim Schreiben der Texte an TV-Zuschauer?

studierte Jura, wechselte dann zum politischen Kabarett. 2007 brachte er sein erstes Soloprogramm heraus, seit 2010 ist er mit „Oben bleiben“ auf Tour. Der Münchner wurde mit dem Förderpreis des Deutschen Kabarettpreises und dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet.

wuchs in Miesbach in Oberbayern auf. Er studierte Kommunikationswissenschaften und Geschichte, versuchte sich als Journalist, kam dann zum Kabarett. Bekannt ist der Münchner unter anderem aus der „heute show“.

Uthoff: Tatsächlich ist das eine Schwierigkeit in der Rezeption, weil es nicht mehr nur Bühne ist. Also man muss bei manchen Sachen überlegen, ist dieser Satz, diese Stelle so, dass sie sich auch zu Hause über das Kamerabild noch transportiert. Ein kleines Augenzwinkern oder ein verächtlicher Blick ist für die Leute in den ersten fünf, sechs Reihen noch zu erkennen, zu Hause vielleicht nicht, weil die Kamera das gerade nicht einfängt.

„Es ist ein merkwürdiger Moment, sich selbst im Fernsehen zu sehen.“

Claus von Wagner

Von Wagner: Ich denke eher an mich, wie ich vor dem Fernseher sitze. Ich stelle mir die Dinge vor, die mich beeindruckt haben im Fernsehen, also Loriot, Monty Python. Daraus ergibt sich dann immer der Versuch, beim Schreiben da heranzukommen. Ich denke also beim Schreiben an mich selber, wie ich vor der Glotze hocke und unsere Sendung anschaue und sage, naja, die waren schon mal besser.

Schauen Sie sich Ihre eigenen TV-Auftritte gerne an?

Von Wagner: Nein, denn Fernsehen zeigt eigentlich hauptsächlich die Fehler, die man macht.

Uthoff: Ja, das ist ein sehr schmerzhafter Prozess, man kann das nicht unbefangen anschauen – und ich mach’s eher gar nicht. Bevor ich mich schon wieder darüber ärgere, was an der Betonung nicht stimmt und wie man, um Himmels Willen, diesen Absatz so sprechen kann.

Von Wagner: Es ist ein merkwürdiger Moment, sich selbst im Fernsehen zu sehen. Ich hatte mal einen Tennislehrer, der Videoanalysen eingeführt hat. Man hat endlich selbst gesehen, wie man sich bewegt und es war ein Desaster. Man war sich danach so sehr seiner Bewegungen bewusst, dass man fast nicht mehr laufen konnte, weil man nur daran dachte, wie das aussieht. Also lieber möchte ich mein inneres Gefühl behalten, als zu sehen, was wirklich außen wirkt.

Existieren für Sie Tabuthemen im politischen Kabarett?

Von Wagner: Also der Begriff Tabuthema wird ja meistens von den Leuten vor sich hergetragen, die behaupten, sie würden jetzt gerade ein Tabu brechen, um ihre darauffolgende Aussage dadurch künstlich zu erhöhen.

Uthoff: Ich glaube, dass das sehr vom Einzelnen abhängt. Was für den einen ein Tabuthema ist, ist für den anderen noch lange keins. Mich überrascht es, dass wir im 21. Jahrhundert noch über Homophobie sprechen müssen. Da hat jemand ein Tabu gebrochen, weil er mit Männlein statt mit Weiblein die Schlafstatt teilt und darüber spricht. Das erscheint mir persönlich nicht mehr als Tabu, aber wohl doch einem Großteil der Gesellschaft. Das heißt, man kann nur schwer festlegen, was ein Tabu ist. Wir machen, was uns aufregt, was uns stört und womit wir Spaß haben. Und sollte da etwas dabei sein, was die Leute als Tabu verstehen, nur her damit.

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