Darf eine Methangasanlage mitten in einem Wohngebiet gebaut werden? Die Menschen in Duisburg-Baerl gehen auf die Barrikaden.

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Baerl ist ein linksrheinischer Stadtteil von Duisburg mit rund 5000 Einwohnern. Viele haben sich inzwischen zusammengetan, um gegen den geplanten Bau eines Methangas-Kraftwerks vor ihrer Haustür zu protestieren.

Baerl ist ein linksrheinischer Stadtteil von Duisburg mit rund 5000 Einwohnern. Viele haben sich inzwischen zusammengetan, um gegen den geplanten Bau eines Methangas-Kraftwerks vor ihrer Haustür zu protestieren.

Baerl ist ein linksrheinischer Stadtteil von Duisburg mit rund 5000 Einwohnern. Viele haben sich inzwischen zusammengetan, um gegen den geplanten Bau eines Methangas-Kraftwerks vor ihrer Haustür zu protestieren.

Duisburg. Mit dem ungestörten Blick über saftig-grüne Wiesen könnte es in Baerl schon bald vorbei sein. Stattdessen werden hässliche Schornsteine über den Duisbuger Stadtteil ragen, hohe Zäune und ein Kraftwerk die Idylle stören - zumindest dann, wenn die Pläne der Firma Mingas-Power in die Tat umgesetzt werden. Das Unternehmen möchte in der ländlichen Gegend eine Grubengasanlage bauen, um Methan in Strom umzuwandeln. Der Haken daran: Normalerweise werden solche Anlagen nur auf alte Zechengelände oder in Industriegebiete gestellt. In Baerl würde zum ersten Mal mitten in einem Wohngebiet und direkt neben einem Naturschutzgebiet gebaut.

"Mingas soll Methangas fördern, aber nicht hier. Wir fordern einen anderen Standort", sagt Alexandra Erwig, Sprecherin der Initiative "Kein Grubengas in Baerl". Die 44-Jährige wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern (zehn und zwölf Jahre) im eigenen Haus nur etwa 180 Meter von der Stelle entfernt, an der das Kraftwerk gebaut werden soll. Sie fürchtet, dass es vor allem zu einer enormen Lärmbelästigung kommt.

Die Lärmschutzwand soll 7,5 Meter hoch werden

Insgesamt sollen in der Anlage vier Dieselmotoren angetrieben werden, die eine Leistung und damit auch eine Lautstärke von etwa 200 Mittelklassewagen haben. 7,50 Meter hohe Lärmschutzwände sollen die Anwohner davor schützen. "Der Dekra-Gutachter hat uns versichert, dass die Grenzwerte eingehalten werden”, sagte Mingas-Projektleiter Andreas Brandt während einer Sondersitzung der Bezirksvertretung im vergangenen Monat.

Nach Angaben der Initiative habe der Tüv Rheinland ihnen allerdings bestätigt, dass die Lärmschutzziele nicht eingehalten werden können. "Außerdem steigt 448 Grad heißer Dampf aus den Schornsteinen", sagt Alexandra Erwig. Das sei gerade im Sommer sehr unangenehm. Auch gesundheitliche Folgen wie Schlafstörungen, psychische Probleme und eine verminderte Lebensqualität schließt sie nicht aus. Eine weitere Befürchtung: "Unsere Häuser werden extrem an Wert verlieren."

Von den Plänen für das Kraftwerk hat die 44-Jährige im November 2007 zufällig im Fernsehen erfahren. Daraufhin hat sie mit Recherchen begonnen, sich mit Vertretern von Mingas getroffen, die Bezirksregierung eingeschaltet und die Bürgerinitiative gegründet. "Am Anfang war ich allein", blickt Alexandra Erwig zurück. Mittlerweile engagieren sich viele Baerler. Zu einer Protestkundgebung Anfang Juni sind knapp 350 Anwohner gekommen, 850 Unterschriften wurden gesammelt.

Die Mingas-Power GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Konzerne Evonik und RWE. Die Firma betreibt an verschiedenen Standorten rund 40 Module, die Grubengas aus Bergwerken in Strom umwandeln.

Baerl ist mit etwa 5000 Einwohnern und einer Fläche von 21,31 Quadratkilometern der größte und vor allem ländlichste Duisburger Stadtteil.

Mingas will mitten in einem Wohngebiet - auf einer Baulücke zwischen zwei Häusern - einen Bohrturm errichten. Dort soll 650Meter in die Tiefe gebohrt und aus einem stillgelegten Bergwerkstollen Methangas nach oben geleitet werden. Dieses Grubengas wird durch eine unterirdische Leitung fließen und in einem Kleinkraftwerk zu Strom umgewandelt.

Im Spätherbst will Mingas mit dem Bau beginnen, ein Jahr später soll die Anlage in Betrieb gehen. Das Gas soll fünf bis zehn Jahre gefördert werden, danach wird das Gelände komplett renaturiert.

Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus Methan, Stickstoff und CO2, das beim Abbau von Steinkohle freigesetzt wird. Jahrzehntelang wurde es von den Bergleuten gefürchtet, weil es als unvermeidliche Begleiterscheinung des Kohlebergbaus die Ursache für zahlreiche Explosionen war. Wird Grubengas nicht abgesaugt, kann es sich unkontrolliert seinen Weg an die Erdoberfläche bahnen.

Jetzt hat die Initiative sogar Klage gegen den genehmigten Hauptbetriebsplan eingereicht. "Wir werden mit den weiteren Arbeiten, zum Beispiel der Baustelleneinrichtung, dann beginnen, wenn alle Genehmigungen komplett vorliegen", sagt Mingas-Pressesprecherin Sandra Kühberger zum aktuellen Stand.

Inzwischen gibt es auch prominente Unterstützung für die Initiative: Neben Nicole Uphoff, mehrfache Olympiasiegerin im Dressurreiten, ist seit kurzem auch Oliver Wittke, wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und ehemaliger Verkehrsminister, mit im Boot. Uphoff, eine gebürtige Baerlerin ist auch persönlich betroffen, da sie selbst in dem Örtchen lebt: "Ich bin darüber schockiert, dass man in Baerl mitten ins Wohngebiet ein Gaskraftwerk bauen möchte. Dazu kommt noch, dass die eigentliche Anlage im Landschafts-, Vogel- und Wasserschutzgebiet gebaut werden soll. Wir sind alle hierher gezogen, weil es hier noch so viel unverbaute Natur gibt - das wäre dann ,gestorben’."

Alexandra Erwig hofft unterdessen, dass mit dieser Unterstützung möglichst bald eine Lösung gefunden werden kann. Denn für den Kampf gegen das Kraftwerk verbraucht sie jede Menge Zeit und Energie, die sie als zweifache Mutter und Personalleiterin im Geschäft ihres Mannes lieber in ihre Familie und ihre Arbeit investieren würde.

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