1960 in der Weser entdeckte Hansekogge im Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven. Foto: Ingo Wagner
1960 in der Weser entdeckte Hansekogge im Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven. Foto: Ingo Wagner

1960 in der Weser entdeckte Hansekogge im Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven. Foto: Ingo Wagner

dpa

1960 in der Weser entdeckte Hansekogge im Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven. Foto: Ingo Wagner

Bremerhaven (dpa) - Welche Schätze sich im Museum befinden, lässt sich draußen schon erahnen. Von der Wasserseite aus betrachtet wirkt es wie ein Schiff, das die Weser entlang fährt. Im Inneren des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven fühlt sich der Besucher dann auch wie an Bord eines großen Kreuzers.

Über mehrere Decks mit relingartigen Geländern wandelt er durch die Ausstellung. Der Bau des preisgekrönten Architekten Hans Scharoun, der auch die Berliner Philharmonie schuf, sorgte bei der Eröffnung 1975 für viel Aufsehen. «Damals war es das modernste Museum überhaupt und für alle maritimen Museen in Europa ein Vorbild», sagt Direktorin Ursula Warnke. Doch diese Zeiten sind vorbei, das Museum ist in die Jahre gekommen.

Deshalb soll der denkmalgeschützte Altbau samt Dauerausstellung jetzt für 42 Millionen Euro modernisiert werden. Die Hälfte kommt vom Bund, denn das Haus ist eins von acht Forschungsmuseen in der Leibniz-Gemeinschaft - hat also überregionale Bedeutung, wie das Bundesforschungsministerium erläutert. 2016 sollen die Bauarbeiten im «Scharoun-Bau» abgeschlossen sein. Bis dahin ist noch viel zu tun.

Eimer flankieren den Raddampfer «Meissen», auf dem die Fahrgäste im 19. Jahrhundert gemächlich übers Wasser schipperten. Heute warnt ein Schild die Besucher, auf den feuchten Fliesen vor dem Exponat nicht auszurutschen. «Das Dach ist undicht», sagt Warnke und zeigt an die Decke, wo sich an einigen Stellen Wasserflecken gebildet haben.

Doch bevor das Dach abgedichtet und neu gedämmt werden kann, müssen die kostbaren Ausstellungsstücke an einen sicheren Ort gebracht werden. Dafür soll neben dem im Jahr 2000 errichteten Neubau auf 2500 Quadratmetern ein Schaumagazin entstehen. Im Museum selbst ist zurzeit nur ein Viertel der Sammlung zu sehen, darunter Höhepunkte wie die Hansekogge von 1380, ein Ein-Mann-U-Boot und Tafelsilber von Passagierschiffen. Der Großteil lagert aber verborgen im Keller. Im Schaumagazin sollen auch die wenig gezeigten Exponate endlich wieder glänzen können.

Von der «Meissen» geht es über mehrere Treppen zum Hauptdeck. Dort reiht sich auf einem verschlissenen Teppich ein Schaukasten an den nächsten. Sie beherbergen Uniformen der Marine, unzählige Schiffsmodelle, Säbel, Sextanten, Globen und historische Kompasse. Kleine Pappzettel mit verblichener Schreibmaschinenschrift liegen zur Erläuterung daneben. «Den Vitrinenwald wollen wir lichten», sagt Warnke. «Die Ausstellung ist über die Jahre sehr gewachsen.» Auf der Höhe der Zeit ist sie schon lange nicht mehr.

Am Ende des Raumes stehen mehrere Stühle vor einer Fensterfront. Besucher können hier den Blick über die Weser und den Rest der Hafenwelten schweifen lassen. Auf dem alten Hafengelände ist in den vergangenen Jahren eine Touristenattraktion entstanden, zu der neben einem 140 Meter hohen Hotel und einem Einkaufszentrum auch das mit dem europäischen Museumspreis ausgezeichnete Deutsche Auswandererhaus und das 2009 eröffnete Klimahaus gehören.

In beiden Museen soll der Besuch vor allem zum Erlebnis werden, sollen alle Sinne mit zahlreichen Mitmachstationen, Videos, Hörbeispielen und Computeranimationen angesprochen werden. Mehr als 200 000 Besucher zieht das Auswandererhaus jedes Jahr an. Ins Klimahaus kamen im vergangenen Jahr 700 000. Die Konkurrenz direkt vor der Haustür hat auch das Schifffahrtsmuseum zu spüren bekommen, wie Warnke zugibt. Nach einem Einbruch haben sich die Besucherzahlen jetzt bei 125 000 im Jahr eingependelt.

Damit das so bleibt, muss etwas getan werden Das weiß auch Warnke. «Das Besucherverhalten und die Sehgewohnheiten haben sich sehr verändert.» So sollen die Exponate nicht mehr für sich sprechen - Geschichten sollen sie den Besuchern näherbringen. Moderne Schautafeln sollen einen kurzen Überblick über die einzelnen Fundstücke verschaffen, Interessierten aber auch Details vermitteln können. Außerdem wollen die Wissenschaftler ihre Labore für einen Blick hinter die Kulissen öffnen.

Dadurch will das Museum künftig stärker alle Zielgruppen ansprechen: Schiffsliebhaber, Schulklassen, Rentnergruppen, Technikfans - und vor allem auch Frauen. Denn bei diesen gebe es wie in allen Technikmuseen noch ein Defizit, sagt Warnke. Eins aber wird das Deutsche Schifffahrtsmuseum nicht werden: Ein reines Erlebnismuseum. Das will Warnke der Konkurrenz überlassen.

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