Tierrechtsaktivisten haben Zoos getestet. Das Wuppertaler Affenhaus fiel dabei besonders negativ auf.

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Im Einsatz für die Grundrechte der Menschenaffen - Ausschnitt aus der Homepage des Great Ape Projects.

Stefan Preuß, Bild 1 von 2

Wuppertal/Köln. Ein Drittel aller deutschen Zoos dürfte keine Affen halten. Das ist das Ergebnis eines Tests, den Tierrechtsaktivisten in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift „National Geographic“ veröffentlicht haben. Besonders harsche Kritik erntet der sogenannte Schwabenpark in Baden-Württemberg, in dem 43 Primaten leben. Die Vorwürfe: zu enge Gehege, nicht artgerechte Haltung, entwürdigende Publikumsshows.

„Kein Affe läuft in freier Wildbahn mit Seppelhut rum“, kommentiert Colin Goldner die Shows. Goldner steht dem „Great Ape Project“ vor – einer Tierrechtsinitiative, die sowohl Tierversuche mit großen Menschenaffen als auch deren Haltung in Zoos verbieten möchte.

Rund 450 Menschenaffen leben derzeit bundesweit in Zoos oder zooähnlichen Einrichtungen. Bei deren Überprüfung haben die Tierschützer die Größe der Gehege, deren Ausstattung und die Betreuung der Affen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: „Keines der eingesperrten Tiere ist wirklich gesund“, so Goldner.

Auffällig ist jedoch, dass es große Unterschiede gibt, selbst innerhalb eines Bundeslandes. Ein halbwegs gutes Leben führen die Affen in den Augen der Tierschützer in München, Leipzig und Frankfurt.

In Nordrhein-Westfalen schneidet der Kölner Zoo gut ab, während der nicht mal 50 Kilometer entfernte Wuppertaler Zoo glatt durchfällt: „Der 42-jährige Schimpansenmann Epulu hat noch nie einen Grashalm gespürt“, rügt Goldner das fehlende Außengehege. Das 1978 erbaute Affenhaus beherbergt mehrere Arten. Schimpansen und Bonobos können jedoch bis heute das Innengehege nicht verlassen.

Zu den großen Menschenaffen zählen unter anderem Orang-Utans, Gorillas, Bonobos und Schimpansen. Sie zeichnen sich durch eine hohe Intelligenz und große Ähnlichkeit zum Menschen aus. Forscher wie der Anthropologe Volker Sommer gehen davon aus, dass ihr Genom zu 98,5 Prozent mit dem des Menschen übereinstimmt.

Trotz der harschen Kritik gibt es aber durchaus positive Entwicklungen. So hat der Wuppertaler Zoo damit begonnen, eine Freianlage für die eingesperrten Affen zu bauen. In Baden-Württemberg will die von der grün-roten Landesregierung eingesetzte Tierrechtsbeauftragte Cornelie Jäger den beanstandeten Schwabenpark unter die Lupe nehmen.

„Dieses Thema steht bei uns ganz oben auf der Tagesordnung“, sagt Jäger. Natürlich sei es heute nicht mehr zeitgemäß, wenn Tiere in Shows zu sehr vermenschlicht werden. „Trotzdem kann ich mir erst ein Urteil über den Schwabenpark erlauben, wenn ich ihn persönlich besichtigt habe.“

Die Betreiber der betreffenden Zoos reagieren mit Unverständnis auf die Schelte. „Unsere Affen schaffen gerne“, verteidigt Schwabenpark-Seniorchef Sieghard Hudelmaier die Darbietungen vor Zuschauern. Die Dressur erfolge ohne Peitsche und die Gehege seien groß genug. „Schließlich wurde bei der Eröffnung alles von den Behörden genehmigt.“

Auch in Wuppertal wiegelt man ab: „Unsere Haltung ist anständig“, betont Zoo-Sprecher Andreas Haeser-Kalthoff. Das Außengehege sei schon lange in Planung gewesen, habe aber wegen finanzieller Probleme der Kommune nicht umgesetzt werden können. Ab 2013 hätten die Schimpansen dann Auslauf; die Bonobos könnten die Anlage ebenfalls mitbenutzen.

Langfristig fordert das Great Ape Project die Abschaffung aller Zoos. „Statt es in neue Anlagen zu investieren, sollte die Affenhaltung nach und nach auslaufen. Mir wäre es am liebsten, wenn schlechte Zoos boykottiert würden.“ Zoo-Sprecher Haeser-Kalthoff kündigt derweil an, nach Epulu keine Schimpansen mehr halten zu wollen. „Der bekommt bei uns sein Gnadenbrot.“ Für andere Arten gelte diese Aussage aber nicht.

Zoos im Urteil der Tierschützer

München: anständige Außenanlagen mit Grünflächen und ausreichenden Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere; Kletteranlagen im Innengehege, genügend Rückzugsmöglichkeiten dank Felsen, Büschen und verspiegelten Besucherfenstern.

Köln: ausreichend Kletteranlagen für die Affen; genügend Rückzugsmöglichkeiten dank gewundener Gänge und kleiner Fenster (Zuschauer kommen nicht so nah ans Gehege, dass sie die Tiere stören könnten).

Kaiserbach: Den „Schwabenpark“ würden die Tierrechtsaktivisten am liebsten sofort schließen. Die Vorwürfe: nicht artgerechte Haltung, viel zu enge Gehege, entwürdigende Affen-Shows.

Wuppertal: Veraltetes Affenhaus aus den 80er-Jahren; Haltung auf engem Raum, Schimpansen und Bonobos verfügen bisher über kein Freigehege (wird derzeit gebaut).

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