Nach einem Schicksalsschlag hat eine Deutsche in Liberia den Kampf gegen Ebola aufgenommen. Inzwischen leitet sie eine Isolierstation. Aufgebaut wurde diese mit Hilfe aus Tönisvorst.

Aktion Deutschland Hilft: Kampf gegen Ebola
Margret Gieraths-Nimene in der Ebola-Isolierstation, die sie maßgeblich mitbegründet hat und inzwischen leitet. Foto: obs/Aktion Deutschland Hilft e.V/action medeor

Margret Gieraths-Nimene in der Ebola-Isolierstation, die sie maßgeblich mitbegründet hat und inzwischen leitet. Foto: obs/Aktion Deutschland Hilft e.V/action medeor

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Margret Gieraths-Nimene in der Ebola-Isolierstation, die sie maßgeblich mitbegründet hat und inzwischen leitet. Foto: obs/Aktion Deutschland Hilft e.V/action medeor

Tönisvorst. Sie weiß noch genau, an welchem Tag sich ihr Leben auf den Kopf gestellt hat. „Es war am 23. Juli als einer unserer Mitarbeiter erkrankte.“ Margret Gieraths-Nimene sagt es mit ruhiger Stimme. Sie hat diese Geschichte schon oft erzählt in den letzten Wochen. Weil sie ihr zuerst den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Aber auch, weil sie am Ende doch etwas Gutes bewirkt hat.

Die gebürtige Meckenheimerin lebt seit 30 Jahren in Liberias Hauptstadt Monrovia. Sie hat dort 14 Jahre Bürgerkrieg miterlebt. Sie hat mit ihrem Mann, einem Arzt, in mühsamer Kleinarbeit eine Armenklinik aufgebaut, um ihn kurz darauf an den Krieg zu verlieren. Im März 2014 hörte sie zum ersten Mal von Ebola-Fällen. „Damals kaufte ich möglichst viele Einmalhandschuhe und dachte, dass wir es schon überstehen würden.“

Diese Überzeugung hielt bis zum 23. Juli. Roosevelt, einer ihrer Mitarbeiter in der Klinik, bekam Fieber und wurde positiv auf Ebola getestet. „Wir haben drei Tage auf einen Krankenwagen gewartet. In der einzigen Ebola-Isolierstation in der Nähe sagte man uns, dass erst die Leichen weggeschafft werden müssten, bevor man neue Patienten aufnehmen kann. Wir waren verzweifelt“, erinnert sich die resolute Frau. Schließlich seien Klinikmitarbeiter zu Radiostationen gefahren, um live auf Sendung um Hilfe zu bitten. Danach kam tatsächlich ein Krankenwagen, der Roosevelt abholte. Zu spät: Er starb wenig später auf der Isolierstation. Für Margret Gieraths-Nimene ein Wendepunkt.

Nach dem traumatischen Erlebnis wollte die Deutsche helfen

„Wir waren danach 21 Tage in Quarantäne. Nachts bildete ich mir ein, das Virus auf meinem Kopfkissen zu sehen. Es war ein Zustand wie im Krieg. Es war ruhig, es war unheimlich und wir hatten alle Angst“, beschreibt die gebürtige Meckenheimerin die quälend lange Zeit. Die 63-Jährige nutzte sie. Sie nahm Kontakt zum Medikamentenhilfswerk action medeor in Tönisvorst auf, das kurz zuvor bereits Schutzkleidung geschickt hatte. Ihr Ziel: „Ich wollte eine Isolierstation, die funktioniert.“

An der vor einem Jahr in Westafrika ausgebrochenen Ebola-Epidemie sind in den drei am stärksten betroffenen Ländern inzwischen mindestens 8220 Menschen gestorben. Die Zahl der Menschen, die sich insgesamt in Guinea, Liberia und Sierra Leone mit dem Ebola-Virus infiziert haben, gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstagabend in Genf mit 20712 an.

„Margret Gieraths-Nimene war in dieser Zeit unser Anker in Liberia“, sagt Bernd Pastors, Vorstandssprecher von action medeor . Gemeinsam mit der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung wurde unweit der Gerlib-Klinik eine Isolierstation mit 44 Betten sowie 124 Helfern errichtet und Ende Oktober unter dem Namen „Germany“ eröffnet. Laut action medeor ist sie die einzige in Liberia, in der sich bislang kein einziger medizinischer Helfer angesteckt hat.

Wer an Ebola erkrankt, verliert oft seine Existenz

Auch nach ihrer Behandlung werden die Patienten finanziell unterstützt. „Ehemalige Kranke werden im Dorf gemieden. Zudem musste ihr gesamtes Hab und Gut verbrannt werden – von der Matratze bis zum einzigen Handtuch“, erklärt die Deutsche. Sie sagt heute: „Ebola ist noch nicht gebannt. Die Leute sind dankbar für jede Hilfe aus dem Ausland. Und sie brauchen sie.“

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