Angeklagter behauptet, er habe Lutz Eigendorf ermorden sollen.

Mittelfeldspieler Lutz Eigendorf vom 1. FC Kaiserslautern, aufgenommen bei einem Fototermin des Klubs im August 1979.
Mittelfeldspieler Lutz Eigendorf vom 1. FC Kaiserslautern, aufgenommen bei einem Fototermin des Klubs im August 1979.

Mittelfeldspieler Lutz Eigendorf vom 1. FC Kaiserslautern, aufgenommen bei einem Fototermin des Klubs im August 1979.

dpa

Mittelfeldspieler Lutz Eigendorf vom 1. FC Kaiserslautern, aufgenommen bei einem Fototermin des Klubs im August 1979.

Düsseldorf. Ein ehemaliger inoffizieller Stasi-Mitarbeiter ist am Dienstag in Düsseldorf wegen schweren Raubes zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der 65-Jährige hatte den Überfall auf eine Drogerie-Filiale bestritten. Dagegen gab der mehrfach vorbestrafte Räuber mit bewegter Vergangenheit vor Gericht selbst zu, vor rund 30 Jahren einen Mordauftrag der Stasi angenommen zu haben: Er sollte den "Beckenbauer der DDR" liquidieren, den Fußballer Lutz Eigendorf.

Unter bis heute ungeklärten Umständen war der frühere DDR-Fußball-Nationalspieler am 5. März 1983 in der Nähe von Braunschweig in einen Auto-Unfall verwickelt. Zwei Tage später starb der in die Bundesrepublik geflüchtete Kicker im Krankenhaus. Vermutet wird, dass der ostdeutsche Staatssicherheitsdienst seine Finger dabei im Spiel gehabt hatte.

Der heute 65-jährige Angeklagte Karl-Heinz F. ist eine schillernde Figur: Seine Karriere begann in Warnemünde als Kampfschwimmer. Danach boxte er zehn Jahre lang als DDR-Staatsamateur, wurde zweimal Meister im Fliegen- und Leichtgewicht: "Von 210 Kämpfen habe ich 180 gewonnen."

1976 habe er seinen ersten Ausreiseantrag gestellt. Vier Jahre später durfte der Mann, der neun Kinder mit sechs verschiedenen Frauen hat, in die Bundesrepublik einreisen - doch seine damalige Freundin durfte nicht mitkommen.

"Damit sie ausreisen durfte, habe ich den Mordauftrag angenommen", erklärte Karl-Heinz F. am Dienstag. Den habe er aber nicht ausgeführt.

Als Lutz Eigendorf starb, arbeitete Karl-Heinz F. im Kempinski

"Drei Jahre später wurde festgestellt, dass ich ein Alibi habe. An dem Tag habe ich im Berliner Kempinski gearbeitet", berichtete der eher schmächtige Mann. Dass Eigendorf den Unfall hatte, sei ihm "praktisch vor die Füße gefallen". Denn damit hatte sich sein Auftrag erledigt. Immerhin durfte seine Herzdame in den Westen reisen. Doch die Liebe hielt nicht: "Sie ist heute Amtsleiterin in einem Berliner Frauen-Gefängnis."

Im Westen schlug er sich zunächst als Kellner durch, danach versuchte sich F. in Berlin als Box-Trainer: "Ich habe Sven Ottke damals das Boxen beigebracht." Später arbeitete er für eine Schweizer Firma als Anlageberater.

Vor fünf Jahren kam der Absturz, nachdem F. eine Haftstrafe wegen eines Verkehrsdeliktes absitzen musste. Er verlor seine Wohnung, wohnt seitdem in einer Düsseldorfer Obdachlosen-Unterkunft. Im vergangenen August soll er einen Schlecker-Markt in Düsseldorf überfallen und dabei die Verkäuferin mit einem Messer bedroht haben.

Vor Gericht erklärte der neunfache Vater, dass er nur Kondome und einen Schoko-Riegel habe kaufen wollen. Er beschuldigte die 25-jährige Verkäuferin, die 400 Euro aus der Kasse in die eigene Tasche gesteckt zu haben: Er habe noch nie ein Messer gebraucht, denn er sei ein Boxer.

Obwohl nicht geklärt werden konnte, warum die Polizei erst relativ spät alarmiert wurde, hielt das Gericht die Aussage der 25-Jährigen für glaubwürdig. Sie hatte Karl-Heinz F. im Fotoalbum des Polizeipräsidiums erkannt. Am Ende erhielt der 65-Jährige eine Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. Sein letztes Wort: "Ich will nur noch raus aus diesem arroganten Düsseldorf."

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