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Nach dem Amoklauf zündet ein junges Mädchen vor der Albertville-Realschule in Winnenden eine Kerze an.

Nach dem Amoklauf zündet ein junges Mädchen vor der Albertville-Realschule in Winnenden eine Kerze an.

Nach dem Amoklauf zündet ein junges Mädchen vor der Albertville-Realschule in Winnenden eine Kerze an.

Winnenden (dpa) - Das Meer aus Blumen und Kerzen vor der Albertville-Realschule in Winnenden wird immer größer. Tausende Lichter flackern am Samstag im Wind und erinnern an die neun Schüler und drei Lehrerinnen, die dort Opfer des Amokläufers Tim K. geworden sind.

Viele Winnender nutzen den ersten Tag des Wochenendes, um am Ort der Tat innezuhalten. Die Abschiedsbriefe, die Schüler für ihre toten Freunde niedergelegt haben, machen beklommen. Zugleich wirken unzählige bunte Tulpen- und Rosensträuße wie ein kleines Hoffnungszeichen bei all dem Entsetzen.

Zum ersten Mal seit jenem grauenvollen Mittwochmorgen ist auch wieder ein bisschen Leben auf den Schulhof gekommen: Die Polizei öffnet die Absperrung zu dem Fahrradunterstand, wo viele Schüler am Mittwoch vor der ersten Stunde ihre Zweiräder angeschlossen hatten. Mit festen Pedal-Tritten radelt ein Junge davon. «Vielleicht weht die Fahrtluft ja den Kummer ein bisschen Weg», sagt ein Seelsorger, der ihm hinterherblickt. An diesem Montag können sich die Schüler erstmals nach der Tat wieder mit ihren Klassenkameraden und den Lehrern treffen.

Auch die vielen persönlichen Gegenstände, die die Kinder bei ihrer Flucht vor Tim K. zurückgelassen hatten, werden aus der Schule geholt und ihren Besitzern übergeben. Einige brechen beim Anblick ihrer Mäppchen und Ranzen in Tränen aus. «Diese Gegenständen sind ganz eng mit den schrecklichen Ereignissen verbunden», erklärt der Leiter des Kriseninterventionsteams, Dieter Glatzer. Seine Notfallseelsorger kümmern sich um die Kinder und alle Trauernden, die beim Anblick des Schulgebäudes und der niedergelegten Abschiedsbriefe von ihren Gefühlen überwältigt werden.

Im wenige Schritte entfernten Rathaus von Winnenden stehen die Menschen in langen Schlangen, um sich in das Kondolenzbuch der Stadt einzutragen. «Ich weiß, der Satz ist abgedroschen. Aber dass so etwas hier bei uns in Winnenden passieren kann...», der Satz der Frau erstickt im Schluchzen. Auch auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus herrscht gedämpfte Stimmung. «Ich kann heute doch nicht herumschreien, wie knackig meine Äpfel sind», sagt eine Obstverkäuferin.

Die Psychologen wollen nun behutsam mit der Aufarbeitung der schrecklichen Erlebnisse mit jedem beginnen, der Hilfe sucht. Die Angehörigen und Freunde der Opfer stehen aber zunächst vor einem schweren Gang: Sie müssen ihre Lieben zu Grabe tragen. Das erste Opfer wurde am Samstag beerdigt.

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