Bau-Flop: Die Stadt wollte mit dem Mythos Millionen machen. Erst zwei von 69 Parzellen sind verkauft.

Die Sprengung der Haupttribüne am 7. März 2006 (Foto) scheiterte zunächst. Offensichtlich reichte die Sprengkraft zur Zerstörung der Fundamente der beiden Tragesäulen des Tribünendaches nicht aus.
Die Sprengung der Haupttribüne am 7. März 2006 (Foto) scheiterte zunächst. Offensichtlich reichte die Sprengkraft zur Zerstörung der Fundamente der beiden Tragesäulen des Tribünendaches nicht aus.

Die Sprengung der Haupttribüne am 7. März 2006 (Foto) scheiterte zunächst. Offensichtlich reichte die Sprengkraft zur Zerstörung der Fundamente der beiden Tragesäulen des Tribünendaches nicht aus.

Die Sprengung der Haupttribüne am 7. März 2006 (Foto) scheiterte zunächst. Offensichtlich reichte die Sprengkraft zur Zerstörung der Fundamente der beiden Tragesäulen des Tribünendaches nicht aus.

Erst ein Haus am neuen Bökelberg ist fertig, ein weiteres befindet sich im Bau. Die Grundstücke auf dem ehemaligen Stadiongelände kosten zwischen 350 und 410 Euro pro Quadratmeter.

Am 22. Mai 2004 fand das letzte Bundesligaspiel im Bökelbergstadion statt, die Ränge waren voll besetzt. Borussia besiegte dabei den TSV 1860 München mit 3:1. Das letzte Tor auf historischem Boden erzielte Arie van Lent.

So sieht der Bökelberg heute aus: Die breiten Treppen erinnern an die Gegengerade und die Nordkurve, dem ehemaligen Revier der Borussia-Fans.

So sieht der Bökelberg heute aus: Die breiten Treppen erinnern an die Gegengerade und die Nordkurve, dem ehemaligen Revier der Borussia-Fans.

Erst ein Haus am neuen Bökelberg ist fertig, ein weiteres befindet sich im Bau. Die Grundstücke auf dem ehemaligen Stadiongelände kosten zwischen 350 und 410 Euro pro Quadratmeter.

Bild 1 von 7

Die Sprengung der Haupttribüne am 7. März 2006 (Foto) scheiterte zunächst. Offensichtlich reichte die Sprengkraft zur Zerstörung der Fundamente der beiden Tragesäulen des Tribünendaches nicht aus.

Mönchengladbach. Hier muss es gewesen sein. Der Punkt, an dem sich der Mailänder Roberto Boninsegna beim Stand von 7:1 für die Borussia wie ein sterbender Schwan fallen ließ, als eine leere Cola-Dose seinen Körper touchierte. Und da, nur fünfzehn Meter weiter rechts, gleich neben der neu asphaltierten Straße, hat der Torpfosten gestanden, der im April 1971 barst. Der gleiche Ort an dem Jupp Heynckes und Günter Netzer zauberten.

Nur zu gerne hätte die Stadt den Mythos für sich genutzt und vergolden lassen. Denn auf dem Gelände des legendären Bökelbergs ist Bauland entstanden. Exklusiv und sehr teuer. Das Gelände ist inzwischen so angelegt, wie in den Plänen vorgesehen: terrassenförmig mit zwei breiten Treppen. Diese erinnern an Tribünen und stehen fast genau da, wo früher die Nordkurve und die Gegengerade standen.

Die ehemalige Top-Lage ist bei Bauherren nicht mehr gefragt

Hier sollen sich betuchte Häuslebauer niederlassen. Doch bislang sind erst zwei der 69 Bauland-Parzellen verkauft. Die hochgesteckten Pläne haben sich längst zerschlagen, Resignation ist eingekehrt. "Das Baugebiet war bisher ein Flop. Wir sind hier nicht auf der Linie des Marktes", sagt Anno Jansen-Winkeln (FDP), Aufsichtsratsvorsitzender der stadteigenen Entwicklungsgesellschaft (EWMG), die das Gelände vermarktet.

Dabei sollten schnell viele Millionen gemacht werden. Als auf der 61 Meter hohen Erhebung noch Fußball gespielt wurde, zahlte man hier die höchsten Grundstückspreise in ganz Mönchengladbach. Dafür wurde den Eigentümern von Fans die Einfahrt zugeparkt und der Vorgarten mit Urin getränkt. Die meisten Anwohner verschanzten sich nach und nach hinter hohen, weiß getünchten Mauern.

Wahre Fußballfans können sich ein Haus nicht leisten

Seit Dezember 2006 versucht die EWMG den Bökelberg loszuschlagen. Für ein Startgebot von über 380000 Euro für die größte Parzelle sollten die Grundstücke sogar versteigert werden. Davon ist längst keine Rede mehr. Bis zu 20 Millionen Euro, so hatte man kalkuliert, sollte der Verkauf der 315 bis 946 Quadratmeter großen Grundstücke bringen, bei Preisen von 350 bis 410 Euro je Quadratmeter. "Ein Mythos lässt sich eben nicht beliebig vermarkten", sagt ein Gladbacher Makler.

Wieso es mit dem Verkauf nicht klappt, darüber rätselt man bei der Stadt. Dabei sind sich Fachleute einig: Die wahren Fans, denen der Mythos Bökelberg etwas bedeutet, die gerne ihr Haus am Elfmeterpunkt bauen würden, können sich die Preise nicht leisten. Und die, die es sich leisten können, ziehen lieber in ein Gebiet, das bereits voll erschlossen ist. "Oder gleich nach Düsseldorf", wie ein Gladbacher Architekt süffisant bemerkt.

Inzwischen ist das erste Haus auf Borussen-Boden errichtet, das zweite ist im Rohbau. Ein Gladbacher hat sich den Traum auf dem für Borussen-Fans heiligen Boden an der Straße "Am Spielberg" erfüllt. Es ist ein Fertighaus, der Frankfurter Bauträger nennt es Stadtvilla. Seit einigen Wochen versuchen sich auch Profis an der Vermarktung. Der Erfolg ist ähnlich wie der, der inzwischen im Nordpark kickenden Borussia: hoffnungsvoll, aber eben doch noch zweitklassig.
 
 

Der Bökelberg

Anfänge Mit einem Lokalderby Borussia gegen FC Eintracht wurde der Sportplatz am 21.September 1919 auf dem Bökelberg eingeweiht, der ein Jahr später auf den Namen "Westdeutsches Stadion" getauft wurde. Der Volksmund bezeichnete die Spielstätte dennoch jahrelang als "de Kull", weil das Gelände vorher eine Kiesgrube gewesen war.

Mythos Nach dem Pokalsieg 1960 wurde das Stadion erweitert, der Begriff "Bökelbergstadion" entstand und wurde mit der Fohlen-Mannschaft um Günter Netzer zum Mythos. Ein Komplettumbau scheiterte Ende der 1990er Jahre an den Anwohnern. Die Borussia baute vor den Toren der Stadt ein neues Stadion.

Leserkommentare (2)


() Registrierte Nutzer