Eismacher Dario Fontanella zeigt in Düsseldorf das Geheimnis seines größten Coups.

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1969 kaufte Dario Fontanella eine Spätzlereibe. Was daraus wurde, zeigte er am Freitag.

1969 kaufte Dario Fontanella eine Spätzlereibe. Was daraus wurde, zeigte er am Freitag.

Judith Michaelis

1969 kaufte Dario Fontanella eine Spätzlereibe. Was daraus wurde, zeigte er am Freitag.

Düsseldorf. Als Dario Fontanella 1969 den ersten Kindern in der Eisdiele seines Vaters Spaghetti-Eis servierte, fingen sie an zu weinen. „Sie hatten ja Eis gewollt und keine Nudeln.“ Vielleicht auch deshalb hat sich Fontanella seine Erfindung nie patentieren lassen. „Ich wusste ja nicht, dass es der meistverkaufte Eisbecher in Deutschland, Österreich und Holland werden würde.“

Im Supermarkt Zurheide in Düsseldorf zeigte der Erfinder des Spaghetti-Eis’ am Freitag exklusiv, wie die eiskalte Spezialität originalgetreu zubereitet wird: Zuerst ein faustgroßes Sahnebett, dann wird Vanille-Eis durch eine Spätzlepresse genudelt und fast zärtlich darüber drapiert. Anschließend ergießt sich frisches Erdbeerpüree über den blassgelben Berg. Zum Schluss raspelt Fontanella weiße Schokolade wie Parmesan über sein Werk. Fertig. Lecker.

Ursprünglich quetschte Fontanella die Trikolore durch die Spätzlepresse

Wie oft er das inzwischen getan hat, kann der heute 60 Jahre alte Wahl-Mannheimer nicht mehr sagen. Aber er wird sich immer an seinen ersten Versuch erinnern: Er quetschte Zitronen-, Pistazien- und Erdbeereis durch die Spätzlepresse – die Farben der italienischen Trikolore. „Ich wollte kein Spaghetti-Eis – ich wollte Eis in einer anderen Form“, bekennt Fontanella im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Reaktion seines Vaters und Chefs: Bunte Nudeln gebe es doch nicht. Also probierten Senior und Junior mit Vanille-Eis und legten Himbeeren als Bolognese obenauf. „Doch die kullerten runter.“ Schließlich wurde daraus Erdbeersoße – und ganz wichtig: weiße Schokolade. „Heute nehmen viele Kokosraspeln, weil die billiger sind“, sagt Dario Fontanella. Aber billig ist nicht seine Sache.

Jetzt hat der Sohnemann seine eigene Eismanufaktur in Mannheim, zudem mehrere Eisdielen und er verkauft sein original „Gelato italiano“ mit nichts als natürlichen Zutaten in ganz Deutschland. Es liegt ihm im Blut – sein Großvater Michelangelo hat die erste Gelateria der Familie 1906 bei Venedig eröffnet.

Eine Tochter möchte jetzt Konditorin werden

In Funk und Fernsehen schafft Fontanella es aber immer noch vor allem mit seinem Geistesblitz von 1969. Für ihn geht das in Ordnung: „Ich identifiziere mich noch immer damit.“ Und der Eismacher hat außerdem Freude an der Freude der Menschen. „Manche machen oben ein Loch ins Spaghetti-Eis, andere graben von der Seite“, beobachtet er oft. „Wieder andere sparen die Erdbeersoße bis zum Schluss auf.“ Es ist nicht nur Eis, es ist eine Studie der Genuss-Gewohnheiten. Und für viele Kindheitserinnerung pur.

1931 eröffnete Dario Fontanellas Vater eine Eisdiele bei Hannover, zog dann nach Mannheim. Dario übernahm den Betrieb 1985.

Ob die Tradition Fontanella weiterbestehen wird, ist indes noch unklar. Die Töchter des Eis-Meisters sind eigentlich Designerinnen geworden. Aber eine von ihnen hat mit der Modewelt gerade gebrochen und eine Lehre zur Konditorin begonnen. Es gibt einen Funken Hoffnung. „Man weiß nie, was kommt“, sagt Dario Fontanella.

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