Die Unglücksnacht der „Costa Concordia“ hat das Leben von Herbert Greszuk verändert.

Rettungsmannschaften fahren im Januar 2012 zum gekenterten Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“.
Rettungsmannschaften fahren im Januar 2012 zum gekenterten Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“.

Rettungsmannschaften fahren im Januar 2012 zum gekenterten Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“.

dpa

Rettungsmannschaften fahren im Januar 2012 zum gekenterten Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“.

Recklinghausen. An diesen einen Ruck kann sich Herbert Greszuk (63) aus Recklinghausen noch genau erinnern. Es war der Ruck, der sein Leben veränderte. Am 13. Januar 2012 war der Florist zusammen mit seinem Partner Jörg Schulten (40) an Bord der „Costa Concordia“. Der Überlebende kann noch immer nicht fassen, dass 32 Menschen bei dem Unglück in Italien ums Leben kamen. Manchmal, erzählt er, wache er nachts schweißgebadet auf. „Ich hatte Todesangst“, sagt er.

Greszuk fordert von der italienischen Justiz die komplette Aufklärung des Unglücks. Seine Vorwürfe richtet er gegen den Kapitän Francesco Schettino, die Reederei und die Justiz. Greszuk klagt mit Hilfe eines Anwalts in Marl gegen den Kapitän und verantwortliche Offiziere. „Es geht um den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung, der Aussetzung, Gefährdung des Schiffsverkehrs und um unterlassene Hilfeleistung“, sagt Greszuks Anwalt Hans Reinhardt. Er vertritt insgesamt 19 Passagiere.

Das Angebot der Reederei und deren Versicherung, mit einer Pauschale von 11 000 Euro sämtliche Forderungen abzugleichen, hat Greszuk nicht angenommen. 50 000 Euro, so haben sie ausgerechnet, wären wohl eher angemessen. Allein für seinen verloren gegangenen Zahnersatz müsse er mehrere Tausend Euro bezahlen, sagt der Mann aus dem Ruhrgebiet. Für die seelischen Schäden könne es keine Wiedergutmachung geben.

„Ich bin einfach nur noch traurig. Mir ist nicht nach einem Lächeln zumute“, sagt der Florist. Seit dem Unglück fehle ihm die für seinen Beruf nötige Kreativität. „Das Unbeschwerte fehlt mir.“ Manchmal fange er unvermittelt an zu weinen. Selbst vor Kunden in seinem Blumengeschäft kullerten ihm dann dicke Tränen über die Wangen.

Nach dem Zusammenstoß begann ein Rennen um Leben und Tod

Als sich der Crash anbahnte, saß Greszuk zusammen mit seinem Freund an der Bar. Es war der letzte Abend einer bis dahin wunderschönen Kreuzfahrt. Und es war schon die sechste Schiffsreise der beiden Herren. Doch dann spürten die beiden einen heftigen Schlag. „Das war, als wenn ein Auto gegen die Wand fährt“, sagt Greszuk. Dann begann ein Rennen um Leben und Tod. „Ich hab den Jörg an die Hand genommen, und wir sind um unser Leben gelaufen.“

Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ kenterte mit 4200 Passagieren und Crewmitgliedern am 13. Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio, nachdem es der Kapitän zu nahe an die Küste gesteuert und einen Felsen gerammt hatte. 32 Menschen kamen ums Leben, darunter zwölf Deutsche.

 

Gegen zwölf Personen, unter ihnen Kapitän Francesco Schettino und das obere Costa-Crocerie-Management, wird wegen des Unglücks ermittelt. Es wird erwartet, dass die Strafverfolger etwa Ende Januar oder im Februar Anklage erheben werden. Eine Gerichtsverhandlung könnte nach dem Sommer beginnen.

Es habe lange gedauert, bis die beiden Männer einen Platz in einem Rettungsboot gefunden hätten. „Als die Winden arbeiteten, aber nichts passierte, hab’ ich Panik bekommen“, erzählt Greszuk. Dann sei das Rettungsboot durchgesackt. „Wir haben nur Wasser und Dunkelheit gesehen. Erst als wir um das Schiff herumgefahren sind, haben wir gemerkt, dass das Land so nah war.“

Seit der Horror-Kreuzfahrt überlegt Greszuk, wie sicher die Schiffe überhaupt sind. Die „Costa Concordia“ habe einen Tiefgang von sieben Metern bei einer Höhe über Wasser von etwa 60 Metern. Das könne unter schwierigen Bedingungen nicht gutgehen. „Das ist so, als wenn man im Kanu Samba tanzt. Das Schiff wurde aufgeschlitzt wie eine Heringsdose“, meint der 63-jährige Blumenfreund.

Seit dem Unglück hat er jeden Tag an die Katastrophe denken müssen. Greszuk kann ohne Medikamente nicht mehr einschlafen. Und die Nächte sind immer noch schlimm. „Nachts, da kann ich ja nichts kontrollieren. Dann kommen die Tränen. Ich fühle mich unwohl.“

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