Weil die Polizei erst die Lage sichern wollte, verzögerten sich die Löscharbeiten.

Verzweifelte Angehörige fordern mehr Auskünfte über die Opfer des Brandes.
Verzweifelte Angehörige fordern mehr Auskünfte über die Opfer des Brandes.

Verzweifelte Angehörige fordern mehr Auskünfte über die Opfer des Brandes.

dpa

Verzweifelte Angehörige fordern mehr Auskünfte über die Opfer des Brandes.

Santiago de Chile. Ein Großfeuer in einem chilenischen Gefängnis hat am Mittwoch mindestens 83 Häftlinge das Leben gekostet. Gesundheitsminister Jaime Mañalich sprach vom vielleicht schwersten Unglück in der Geschichte der chilenischen Strafjustiz.

Weitere 19 Häftlinge seien verletzt worden. 14 von ihnen hätten sich die Atemwege lebensgefährlich verbrannt, sagte Mañalich.

Das Feuer war nach Angaben von Polizeichef Luis Masferrer am frühen Morgen bei einem Streit zwischen Gefangenen ausgebrochen. Das Unglück sei Ausdruck der prekären Verhältnisse im chilenischen Strafvollzug, fügte er hinzu.

Angehörige bewerfen Polizeichef mit Steinen

Vor dem Gefängnis San Miguel im Süden der Hauptstadt Santiago de Chile, das mit insgesamt 1900 Insassen völlig überbelegt war, versammelten sich hunderte Angehörige. Viele schrien ihre Verzweiflung und Ohnmacht Journalisten und Polizisten ins Gesicht. Es kam zu mehreren Zusammenstößen mit der Polizei.

Als Polizeichef Luis Masferrer per Megafon begann, die Namen von Überlebenden zu verlesen, reagierten Angehörige mit einem Steinhagel. Polizisten und Journalisten brachten sich hinter Fahrzeugen und Bäumen in Sicherheit. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter ein Kameramann. "Wir wollen wissen, wer gestorben ist, nicht, wer lebt", schimpfte ein Mann.

November 2010 In einem Gefängnis in El Salvador sterben bei einem Feuer 16 Häftlinge. Ursache ist vermutlich ein Kurzschluss.

November 2007
Bei einer Gefängnismeuterei in Argentinien sterben 32 Häftlinge. Einige hatten Matratzen in Brand gesetzt.

Oktober 2005
Eine Zigarettenkippe löst einen Brand in einem Gefängnis am Amsterdamer Flughafen Schiphol aus. Elf Häftlinge sterben.

März 2005
In einem Gefängnis in der Dominikanischen Republik brennt es. 133 Häftlinge sterben in den Flammen. Insassen hatten laut Gefängnisleitung Kissen angesteckt.

Mai 2004
Bei einem Brand in einer Haftanstalt in Honduras kommen 103 Gefangene ums Leben. Als Ursache gilt ein Kurzschluss.

November 2003
94 Menschen sterben bei einem Feuer in einem saudischen Gefängnis. Ausgelöst wurde der Brand durch einen Kurzschluss.

November 2002
In Marokko kommen 50 Häftlinge ums Leben. Auch hier gilt ein Kurzschluss als Ursache.

"Ich will meinen Sohn sehen", verlangte eine ältere Frau unter Tränen, die hinter den Absperrgittern eingeklemmt war. Die Angehörigen warteten seit Stunden auf Nachricht über das Schicksal ihrer Männer und Söhne.

Das Fernsehen zeigte Bilder eines Flügels des Gefängnisses, aus dessen Zellenfenstern und aus dem Dach große Flammen schlugen. Die Feuerwehr sei erst zwei Stunden nach dem Ausbruch des Feuers angerückt, berichtete das Fernsehen. Die Polizei habe zunächst die Lage in dem Gefängnis sichern wollen, hieß es.

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