Der 26-jährige Nino Haase nimmt nach fünfstündigem TV-Duell drei Millionen Euro mit nach Hause.

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Nino Haases Strategie für das Duell mit Stefan Raab: „Wer denkt, hat schon verloren.“

Nino Haases Strategie für das Duell mit Stefan Raab: „Wer denkt, hat schon verloren.“

ProSieben

Nino Haases Strategie für das Duell mit Stefan Raab: „Wer denkt, hat schon verloren.“

Köln. Sicher, Nino Haase wirkt in der Vorauswahl der Kandidaten clever und kräftig. Deshalb gewinnt er auch die Telefonabstimmung gegen den kräftigen Tischler Sven, den Unternehmensberater Thilo, die Regisseurin Hanna und den Fluglotsen Daniel.

Zugleich aber ist der Chemiestudent im Auftreten wenig unterhaltsam, sondern naturwissenschaftlich einsilbig. Und so einer soll Stefan Raab schlagen, woran immerhin die fünf Kandidaten vor ihm gescheitert sind? Dieser blasse 26-Jährige soll die drei Millionen Euro Gewinn mit nach Hause nehmen - die höchste Gewinnsumme, die man je im deutschen Fernsehen aus eigener Kraft gewinnen konnte?

Dem Herausforderer verrutschen im Wasser die Kontaktlinsen

Da mag Skepsis über die 80 Prozent der Befragten gekommen sein, die laut einer Umfrage vom Samstag Moderator Raab eine Niederlage gönnen. Der 42-Jährige hat in seiner Show "Schlag den Raab" bisher immer das manisch ehrgeizige Kampfschwein gegeben. Auch zu Beginn dieser Sendung schlägt er erst mal ein paar Pflöcke ein. Beim ersten Wettrennen zeigt er an der Ziellinie einen misslungenen Becker-Hecht - das bringt zwar nicht den Punktgewinn, sondern nur blaue Knie, soll den Herausforderer aber einschüchtern. Das scheint zunächst auch zu klappen. Raab profitiert beim Wasserball allerdings davon, dass Nino Haase die Kontaktlinsen verrutschen.

Doch der kämpft sich vor allem über die Kopf-Aufgaben immer wieder an den Champion heran. Und der zeigt am Samstag erstaunliche Schwächen, lässt Koordination und Konzentration vermissen. Mal verwechselt Raab Theodor Heuss mit Kurt Georg Kiesinger, mal verheddert er sich bei den Primzahlen.

Es ist ein langes Ringen, erst um 1.29 Uhr versenkt Nino Haase die entscheidende Billardkugel - und dann bricht das Gefühl doch noch aus ihm heraus: Mit einem Urschrei sinkt er auf die Knie. Vor dem Billardstoß habe er "absolut gar nichts gedacht", sagt er. "Frei nach Gerd Müller: Wer denkt, hat schon verloren. Ich wusste einfach, dass ich die Kugel reinmache."

Nino Haase (26) wohnt in Mainz und steht kurz vor seinem Diplom in Chemie. Er lebt zusammen mit seiner Freundin Julia (23) und dem gemeinsamen Sohn Ben (18 Monate). Zu seinen Hobbys zählt Rugby.

3,86 Millionen Zuschauer im Schnitt (Marktanteil: 20,9 Prozent) sahen bis 1.29 Uhr zu, wie Herausforderer Haase bei ProSieben um den Sieg kämpfte. Beim Publikum zwischen 14 und 49 Jahren lag der Marktanteil sogar bei 34,9 Prozent.

Bis zum Sieg fiebern seine Freundin Julia (23) sowie seine Geschwister Robert (13) und Sarina (19). "Meine Familie war aufgeregter als ich", sagt Haase später. "Ich habe zwischendurch immer rübergeschaut, und die waren fix und fertig. Ich war unfassbar unaufgeregt."

Der Sieger jubelt: "Es ist so unglaublich. Ich freue mich vor allem für meinen kleinen Sohn. Ich werde für ihn ein Konto anlegen, damit er sich in seinem Leben keine Sorgen mehr ums Geld machen muss." Und er kichert: "Mein Dispo liegt momentan bei knapp sechs Euro. Die Damen und Herren bei der Bank werden mich jetzt endlich wieder grüßen."

Natürlich hat er schon einige Ideen, was er mit dem Gewinn anstellen will: "Meinen Eltern greife ich bei der Abzahlung der Schulden aus dem Hausbau unter die Arme. Mit dem Rest spendiere ich meinen Kumpels eine ordentliche Party auf Ibiza und fahre mit meiner Freundin Julia in Urlaub."

Sein Leben umkrempeln will Haase aber nicht. Er kehrt zurück auf seine Diplomandenstelle ("Hoffentlich kürzt mir der Chef jetzt nicht mein Gehalt") und will sein "Leben so weiterleben wie bisher". Und am Sonntag ist ein Wunsch für Nino Haase in Erfüllung gegangen, für den er nicht einmal bezahlen musste: Der FSV Mainz 05 ist in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen.

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