Hauptstadt: Marlene Dietrich bekommt am Donnerstag den ersten Stern. Das Vorbild in Hollywood wird zugleich 50 Jahre alt.

Sterne, roter Asphalt und Scheinwerfer: So soll der Boulevard der Stars aussehen.
Sterne, roter Asphalt und Scheinwerfer: So soll der Boulevard der Stars aussehen.

Sterne, roter Asphalt und Scheinwerfer: So soll der Boulevard der Stars aussehen.

dpa

Sterne, roter Asphalt und Scheinwerfer: So soll der Boulevard der Stars aussehen.

Berlin. Was Hollywood kann, kann Berlin erst recht, dachte sich wohl der Berliner Filmhistoriker Gero Gandert (80), seit mehr als vierzig Jahren Mitarbeiter der Deutschen Kinemathek. Und so bekommt die Hauptstadt in diesem Jahr einen "Walk of Fame". Gründe dafür gibt es genug, ist Projektleiterin Georgia Tornow überzeugt. Die Journalistin war lange im Beirat der Berliner Filmfestspiele aktiv.

"Bis in die 30er Jahre waren Berlin und Hollywood gleichwertig große Filmzentren." Daran wolle man anknüpfen. Am Donnerstag wird der Grundstein gelegt - der erste der 50 Zentimeter großen Messing-Sterne wird Marlene Dietrich gewidmet. Im September soll der "Boulevard der Stars" eingeweiht werden: Dann dürften auch Heinz Erhardt, Rainer Werner Fassbinder, Veronica Ferres und Joachim Fuchsberger ihren Stern bekommen.

Zwei Berliner Büros entwarfen einen roten Teppich aus Asphaltguss

Angefangen habe es mit der Idee Ganderts, eine Andenken-Meile vor dem Museum für Film und Fernsehen zu schaffen, erinnert sich Tornow. Doch die Idee zog schnell Kreise: In einem Wettbewerb 2004 gewann der Entwurf von Star-Architektin Zaha Hadid. Dieser sei aber technisch nicht umsetzbar gewesen, sagt Tornow. Gewinner des zweiten Wettbewerbs im Februar 2009 sind die Berliner Architekturbüros Graft und Art+Com, mit ersterem arbeitete auch Hollywood-Star Brad Pitt schon zusammen.

Das Resultat: Ein langer roter Teppich, unverwüstbar aus Asphaltguss, Sterne für die Stars, die von Scheinwerfern angestrahlt werden, all das prominent am Potsdamer Platz gelegen. "Man wird den Boulevard als roten Strich sogar auf Google Earth sehen können", ist Tornow überzeugt.

Das Besondere an der Berliner Promi-Meile aber sei, dass sie anders als das Vorbild in Hollywood interaktiv ist. Blickt der Besucher durch eine Spezial-Kamera, die wie eine Parkuhr am Rande des Boulevards aufgestellt ist, scheint der Star über dem Stern zu schweben. "Durch diese Kamera können Fotos geschossen werden, auf denen man gemeinsam mit seinem Star zu sehen ist", sagt Tornow (siehe Skizze rechts). Das Ganze werde eine Anziehungskraft auf Touristen haben.

Pro Jahr sollen sieben bis zehn Sterne in der Potsdamer Straße dazukommen.

Die Stadt finanziert den ersten Bauabschnitt mit etwa einer Million Euro. Die weiteren Sterne sollen Sponsoren zahlen.

Diese Idee hatte man in Hollywood schon vor 50 Jahren. Der Künstler Oliver Weismuller entwarf 2500 "leere" Sterne, von denen innerhalb der ersten 16 Jahre bereits 1600 vergeben wurden. Im Februar 1960 prangte der erste beschriftete Stern am "Walk of Fame", vergeben an die US-Schauspielerin Joanne Woodward (heute 80), Frau des 2008 verstorbenen Paul Newman. Den 2401.Stern bekam gerade Ex-Beatle Ringo Starr.

Doch der bekannteste Bürgersteig der Welt ist in die Jahre gekommen. Die fünfzackigen Marmor-Plaketten bröckeln. Nicht Stars, sondern Disney-Figuren drücken einem Werbeblättchen in die Hand, mit den vermeintlich besten Bars der Stadt. Der Glamour des "Walk of Fame" ist hinter seinem Mythos nur noch zu erahnen.

In Berlin bestimmt eine Jury, wer einen Stern bekommt

Zahlreiche Anekdoten umranken den Gehsteig: Gregory Pecks Stern wurde geklaut und wieder ersetzt. Muhammad Alis Andenken ist in der Fassade eingelassen: Er wollte nicht, dass man auf seinem Namen "herumtrampelt". Nach Michael Jacksons Tod versammelten sich trauernde Fans versehentlich am Stern des gleichnamigen Radio-Moderators, weil der richtige Stern wegen einer Filmpremiere durch einen roten Teppich verdeckt war.

Der Berliner Boulevard der Stars wird sein eigenes Gesicht entwickeln müssen. Die Herausforderungen seien ganz andere, sagt Tornow. So müsse etwa die Nazizeit aufgearbeitet werden, in der viele Stars ins Ausland flüchteten. Außerdem: "Bei uns bestimmt allein eine Jury, in der unter anderem Senta Berger und Berlinale-Chef Dieter Kosslick sitzen, wer den Stern bekommt. In Hollywood kann man sich ihn einfach kaufen: für 25000 Dollar." Zumindest ist die Bewerbungsgebühr so hoch, danach muss eine Jury gnädig nicken.

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