Sprengmeister
Job erledigt: Nach der geglückten Entschärfung stehen die Sprengmeister neben der 1,8 Tonnen schweren Bombe. Foto: Stefan Puchner

Job erledigt: Nach der geglückten Entschärfung stehen die Sprengmeister neben der 1,8 Tonnen schweren Bombe. Foto: Stefan Puchner

Menschenleer bis auf Einsatzwagen sind die Straßen in der Innenstadt von Augsburg. Foto: Stefan Puchner

Die Messe dient als Unterkunft für Anwohner. Foto: Tobias Hase

In einem Altenheim warten in Augsburg Bewohner auf ihre Evakuierung. Foto: Stefan Puchner

dpa, Bild 1 von 4

Job erledigt: Nach der geglückten Entschärfung stehen die Sprengmeister neben der 1,8 Tonnen schweren Bombe. Foto: Stefan Puchner

Augsburg (dpa) - In einem fast vierstündigen Einsatz haben Spezialisten am ersten Weihnachtsfeiertag in Augsburg eine riesige britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft.

Noch am Abend kehrten viele der rund 54 000 Bürger zurück, die ihre Wohnungen bei der größten Evakuierungsaktion in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg verlassen mussten. Ein Großteil hatte bei Freunden oder Verwandten ausgeharrt oder war verreist, nur knapp Tausend kamen in die eingerichteten Notunterkünfte. Der 1,8 Tonnen schwere Blindgänger in der Innenstadt stellt nun keine Gefahr mehr dar und soll im Laufe der Woche abtransportiert werden.

Die erlösende Nachricht war gegen 19 Uhr gekommen: «Gute Nachricht: Die Bombe ist entschärft», teilte der Krisenstab der Stadt via Twitter mit. Tausende aus ganz Bayern angereiste Helfer von Bayerischem Roten Kreuz, Feuerwehren und Bereitschaftspolizei organisierten die Rückkehr der Menschen in ihre Wohnungen. Viele der Helfer waren in den frühen Morgenstunden aus ihren Heimatorten losgefahren - für sie wurde es letztlich ein 24-Stunden-Einsatz. Einige Bürger brachten zum Dank Plätzchen oder Kuchen vorbei.

Die Evakuierungsaktion war 5 Uhr morgens angelaufen: Mehr als 100 Busse und Straßenbahnen wurden losgeschickt, um die Bewohner aus der Sicherheitszone von eineinhalb Kilometern um die Bombe herum zu bringen. In den Mittagsstunden kontrollierten 900 Polizisten mit Unterstützung zahlreicher Feuerwehrleute die Räumung: Sie klingelten an den Häusern und fuhren mit Lautsprecherwagen durch die Straßen. Wer noch unterwegs war, wurde aus dem Gefahrenbereich gebracht - vereinzelt gab es Menschen, die sich zunächst weigerten.

Weil sich viele gehbehinderte Menschen erst kurzfristig bei den Behörden gemeldet und um Transport gebeten hatten, kam es zu Verzögerungen. Erst gegen 15 Uhr - etwa eine Stunde später als geplant - konnten sich die Bombenspezialisten an die Arbeit machen. Sie mussten mehrere Zünder aus der mehr als 70 Jahre alten Bombe entfernen. Der Blindgänger enthielt mit eineinhalb Tonnen das Mehrfache an Sprengstoff einer normalen Fliegerbombe.

Die Entschärfung war von der Stadt gezielt auf den Feiertag gelegt worden. An einem Werktag wäre eine Räumung eines so großen Gebietes nicht zu bewerkstelligen gewesen, erklärten die Verantwortlichen. Zahlreiche Fabriken und Büros hätten dann geschlossen werden müssen. Zudem sollte die gefährliche Bombe nicht weitere Tage in der Stadt herumliegen.

In Augsburg werden immer wieder Fliegerbomben entdeckt, noch nie allerdings eine so große. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg mehrfach von den Alliierten bombardiert. Die bislang bundesweit größte Evakuierung wegen einer Fliegerbombe gab es im Jahr 2011 in Koblenz, dort waren 45 000 Einwohner betroffen.

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