Ein Flugzeug mit 90 Menschen an Bord ist vor der libanesischen Küste abgestürzt.

Ein libanesischer Soldat sammelt an der Küste Wrackteile der abgestürzten Maschine ein.
Ein libanesischer Soldat sammelt an der Küste Wrackteile der abgestürzten Maschine ein.

Ein libanesischer Soldat sammelt an der Küste Wrackteile der abgestürzten Maschine ein.

Reuters

Ein libanesischer Soldat sammelt an der Küste Wrackteile der abgestürzten Maschine ein.

Beirut. Eine Armada von Schiffen, Flugzeugen und Hubschraubern hat gestern nach Überlebenden des Flugzeugabsturzes vor der Küste Libanons gesucht. Die Maschine der Ethiopian Airlines war kurz nach dem Start mit 90 Menschen an Bord abgestürzt, wahrscheinlich wegen schlechten Wetters. Die Bundesmarine, die Teil der UN-Mission Unifil in der Region ist, koordinierte die Suchaktion. Bis jetzt wurden jedoch nur Tote geborgen.

Nach Angaben der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines befanden sich 82 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder an Bord. Ein Flughafensprecher sprach von einem Blitz, der ins Flugzeug eingeschlagen sei. Es kommt allerdings selten vor, dass Blitze ein Flugzeug zum Absturz bringen (siehe Kasten).

Das deutsche Marineschiff "Mosel" führt die Rettungsaktion an

An Bord der Unglücksmaschine waren nach Angaben der Fluggesellschaft 51 Libanesen, 31 Äthiopier, zwei Briten sowie je ein Fluggast aus der Türkei, Frankreich, Russland, Kanada, Syrien und dem Irak. Deutsche waren nicht darunter. Unter den Toten ist auch Marla Sanchez Pietton, die Frau des französischen Botschafters in Beirut. Ihre sterblichen Überreste wurden nach der Bergung ins Militärkrankenhaus von Beirut gebracht.

Am Beiruter Flughafen spielten sich herzzerreißende Szenen ab: Weinende Väter, schluchzende Mütter und Ehefrauen trauerten um ihre Angehörigen. "Mein Sohn und meine Neffen waren an Bord", klagte Um Ali Dschaber, die aus der Kleinstadt Nabatijeh im Süden des Libanon angereist war.

Die Leitung der Rettungsmaßnahmen hat das deutsche Marineschiff "Mosel" übernommen. Auch das Kieler Marineboot "Laboe" sei an der Aktion beteiligt, sagte ein Sprecher der Bundeswehr. Die Bundesmarine hält sich als Teil der UN-Mission Unifil ohnehin in der Region auf. Beide Boote hätten Wrackteile gefunden.

Für moderne Flugzeuge sind Blitzeinschläge kaum eine Gefahr. Wie bei einem Auto wirkt der metallische Rumpf als sogenannter "Faradayscher Käfig": Die Elektrizität fließt über Rumpf und Tragflächen und dringt nicht ins Innere.

Bei Maschinen aus Kohlefaser werden Gitternetze aus Metall zum Schutz vor Blitzen eingebaut. Die Entladung wird um den Innenraum herumgeleitet und geht weiter Richtung Boden. Damit elektronische Bauteile wie Halbleiter in den Schaltungen nicht durch hohe Spannungen durchschmoren, sind die Schaltungen speziell geschützt.

Die "Laboe" habe drei Leichen geborgen. Die Erforschung der Unglücksursache lief direkt nach der Katastrophe an. Die Rettungskräfte suchten auch nach dem Flugschreiber der Maschine. Erschwert wurde dies durch das weiter schlechte Wetter. Das Wrack soll nach Aussagen von Rettern auf dem Meeresgrund in 500 Metern Tiefe liegen.

Tatsache ist, dass der Funkkontakt zur Maschine schon kurz nach dem Start abriss. Augenzeugen des Absturzes sahen so etwas wie eine Explosion. Ein Tankwart, der zum Zeitpunkt des Absturzes an einer Tankstelle beim Flughafen Dienst tat, sagte: "Es herrschten heftiger Regen und Wind, und plötzlich sah ich den Himmel von einem orangenen Feuerball erleuchtet."

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