Die katholische Kirche will mit neuen Regeln das Vertrauen der Gläubigen zurückgewinnen.

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Der Trierer Bischof Ackermann ist seit Februar Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche.

Der Trierer Bischof Ackermann ist seit Februar Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche.

dpa

Der Trierer Bischof Ackermann ist seit Februar Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche.

Trier. Die katholische Kirche kämpft. Anfang des Jahres erschütterte ein beispielloser Missbrauchsskandal die Gläubigen quer durch die Republik. Geschockt, entsetzt und fassungslos zeigten sich die Kirchenoberen - und wollen nun, dass sich so etwas nie mehr wiederholt.

Es müsse alles getan werden, "damit Kinder und Jugendliche künftig einen größtmöglichen Schutz vor potenziellen Tätern genießen", sagte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, am Dienstag in Trier.

Die Frage bleibt, wie viele Opfer eine Strafverfolgung überhaupt wollen

Die neuen Leitlinien, die die 27 Diözesanbischöfe in den vergangenen Monaten erarbeitet haben, sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin. Denn sie enthalten, was manche als großen Wurf bezeichnen: Eine generelle Anzeigenpflicht, wenn es bei einem Geistlichen oder einem Kirchenmitarbeiter einen Verdacht auf sexuellen Missbrauch gibt. Mit einer Ausnahme: Das Opfer will nicht. Dann geht nichts an die Staatsanwaltschaft weiter.

Dabei hier liegt das Manko der Formel, sagen andere. Denn die Frage bleibt, wie viele Opfer eine Strafverfolgung überhaupt wollen. "Es gibt verschiedene Opfertypen", sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann.

Einige suchten ein Gespräch, "um sich das Geschehen von der Seele zu reden", andere wollten eine innerkirchliche Konfrontation mit dem Täter. Wie viele mit strafrechtlichen Ermittlungen einverstanden sein werden, wird sich noch zeigen.

Im Februar wurde der Posten des Missbrauchsbeauftragten der Bischofskonferenz geschaffen. Der Trierer Bischof Ackermann ist seitdem fast täglich mit der Aufklärung und Aufarbeitung des Missbrauchs beschäftigt.

Mehr als 500 Briefe hat er bislang direkt oder über sein Büro in Bonn bekommen. "Von Opfern, die uns ihre traumatischen Erlebnisse anvertrauten, von Gläubigen, die von der katholischen Kirche enttäuscht sind, aber auch von Experten, die uns ihre Hilfe angeboten haben", sagte er. Für den 47-Jährigen ist klar: Eine Vertuschung und Verschleierung von sexuellem Missbrauch darf es nicht mehr geben.

Unter Ackermanns Ägide fiel der Startschuss für die Telefon-Hotline der katholische Kirche für Missbrauchsopfer. Der Bedarf war da: Es gab bereits mehr als 3.000 Gespräche und 200 Online-Beratungen.

Dennoch - die Regeln gehen deutlich über bisherige hinaus, sind entschlossener und umfassender. Sie erleichtern den Opfern eine Kontaktaufnahme und machen Tätern das Leben schwerer. Wer künftig in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt ist, muss ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. "Null Toleranz gegenüber Missbrauch", sagte Ackermann.

Der Katalog ist eine Antwort, aber kein Befreiungsschlag

Der Regel-Katalog könnte auch dazu beitragen, über die vergangenen Monate verloren gegangenes Vertrauen der Kirche zurückzugewinnen. Er ist eine Antwort, kein Befreiungsschlag. Schwer getroffen von der Flut von Missbrauchsfällen und angeschlagen von einer massiven Kirchenaustrittswelle wollen die Bischöfe mit den Leitlinien zeigen, dass es ihnen mit dem Kampf gegen sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen ernst ist.

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