Bei käuflicher Liebe gehört die Ausbeutung der Frauen oft dazu. Aus NRW gibt es Vorschläge, das zu ändern.

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Eine Prostituierte an der Neuen Ritterstraße in Krefeld. Zahlreiche Anwohner beschweren sich dort über den Straßenstrich. Archiv

Eine Prostituierte an der Neuen Ritterstraße in Krefeld. Zahlreiche Anwohner beschweren sich dort über den Straßenstrich. Archiv

Dirk Jochmann

Eine Prostituierte an der Neuen Ritterstraße in Krefeld. Zahlreiche Anwohner beschweren sich dort über den Straßenstrich. Archiv

Düsseldorf. Prostituierte in Deutschland sollen in ihren Rechten gestärkt und besser vor Ausbeutung geschützt werden. Das fordert der Runde Tisch Prostitution in NRW nach vierjähriger Arbeit in seinem Abschlussbericht.

Nötig sei eine Regulierung von Bordellen und bordellähnlichen Betrieben, um Mindeststandards bei Hygiene und Arbeitsbedingungen sicherzustellen, sagte die Leiterin des Gremiums, Claudia Zimmermann-Schwartz, am Mittwoch in Düsseldorf. Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) betonte, Prostitution sei kein Beruf wie jeder andere. Sie müsse aber unter Rahmenbedingungen stattfinden, die es den Frauen erlaube, so selbstbestimmt wie möglich zu arbeiten.

In Berlin erarbeitet die große Koalition derzeit eine Reform des umstrittenen Prostitutionsgesetzes von 2002. Im Mittelpunkt der geplanten Neuregelung stehen der Schutz der Prostituierten vor Gewalt, Ausbeutung durch Zuhälter und Menschenhandel und der Erhalt ihrer Gesundheit. Der Runde Tisch will Impulse für die Neufassung der gesetzlichen Grundlagen geben.

Steffens sagte, wichtig seien eine Erlaubnispflicht für Bordellbetreiber, aber auch Sanktionen bis hin zu einem Gewerbeverbot, wenn Betreiber ihre Pflichten nicht erfüllten. Insgesamt setze NRW allerdings weniger auf Restriktionen, sondern auf eine Stärkung der Prostituierten, die häufig unter prekären und ausbeuterischen Bedingungen tätig seien. Die gesundheitliche Lage vieler Frauen nannte sie besorgniserregend, so Steffens.

Runder Tisch: Menschenhandel hat nicht zugenommen

Der Runde Tisch habe keine Hinweise dafür, dass – wie häufig berichtet – der Menschenhandel mit dem rot-grünen Gesetz von 2002 zugenommen habe, erläuterte Zimmermann-Schwartz. Allerdings sei der Markt „ohne soziale Grenzen“ und unreguliert freigegeben worden.

Das habe auch zu unhaltbaren und unwürdigen Zuständen geführt – etwa zu Großbordellen, in denen Busladungen von Freiern auf nur wenige Prostituierte träfen und sich Betreiber eine „goldene Nase“ verdienten. Auswüchse wie Flatrate-Bordelle dürfe es nicht geben.

Die Zahl der Prostituierten lasse sich schwer ermitteln und liege im bevölkerungsreichsten Bundesland Schätzungen zufolge zwischen 25 000 und 45 000. Deutschlandweit wird die Zahl der Prostituierten auf rund 400 000 geschätzt, es gibt aber auch weitaus höhere und niedrigere Annahmen.

Der Straßenstrich mache etwa zehn Prozent des Gewerbes in NRW aus. Zu mehr als 50 Prozent finde Prostitution in privaten Wohnungen statt. Das Internet spiele bei Werbung, Anbahnung, Vermittlung und Angebot eine wachsende Rolle. lnw

Sollte Prostitution schärfer kontrolliert werden?

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