Spatenstich zu dem Bauwerk, das Sizilien mit dem Festland verbindet. Mit 6,3 Milliarden Euro ist sie die teuerste Brücke aller Zeiten.

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Die mit 3,7 Kilometern zweitlängste Hängebrücke der Welt – hier eine Montage – soll bis zum Jahr 2016 Sizilien mit dem Festland verbinden.

Die mit 3,7 Kilometern zweitlängste Hängebrücke der Welt – hier eine Montage – soll bis zum Jahr 2016 Sizilien mit dem Festland verbinden.

dpa

Die mit 3,7 Kilometern zweitlängste Hängebrücke der Welt – hier eine Montage – soll bis zum Jahr 2016 Sizilien mit dem Festland verbinden.

Messina/ Reggio. Es ist ein Bauprojekt, für das der Superlativ "gigantisch" passend ist: 3,7 Kilometer lang wird die Brücke sein, die, über die Straße von Messina gebaut, das italienische Festland mit Sizilien verbinden wird. Sie wird - nach der Akashi-Kaikyo in Japan - die längste Hängebrücke der Welt.

6,3 Milliarden Euro soll die Brücke kosten, die damit die teuerste der Welt sein wird. Zudem soll sie Windgeschwindigkeiten bis zu 216 Kilometer pro Stunde genauso aushalten können wie Erdbeben bis zu einer Stärke von 7,1.

Zum Jahreswechsel ist - ganz ohne den Medienrummel, den der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi so liebt - der Spatenstich erfolgt. Zwar noch nicht an den Pfeilern der Brücke selber. Aber zumindest ist schon damit begonnen worden, eine Bahntrasse umzulegen. Geschenkt, sagt sich wohl die italienische Regierung und verkauft den Buddelbeginn als Spatenstich zum Jahrhundertbauwerk.

An dem würden in den nächsten Jahren bis zu 40.000 Menschen beschäftigt, teilt die Regierung in Rom mit. Die Brücke, auf der Autos, Lastwagen und Züge verkehren, soll bis 2016 realisiert sein. So ist zumindest die Planung. Im März hatte die Regierung - angetrieben von Berlusconi - den Plan genehmigt.

Silvio Berlusconi will sich mit der Giga-Brücke ein Denkmal setzen

Die Idee, Italien mit dem Festland zu verbinden, ist alt. Erstmals offiziell als Projekt vorgestellt wurde der Brückenplan im Jahr 1971. Auch damals wurde das Projekt als das "kolossalste Bauwerk des Jahrhunderts" bezeichnet. Typisch Süditalien: Es passierte aber fast 40 Jahre lang gar nichts.

Beim Bau der Brücke müssen geologische Probleme beachtet werden. So führt die Kontinentalverschiebung zwischen der Insel Sizilien und dem Festland zu ständigen leichten Erdbeben in der Meerenge. Daher wird die Brücke ohne Stützpfeiler auf dem Meeresgrund gebaut.

Damit weiterhin Ozeanriesen die Straße von Messina befahren können, soll die Brücke an ihrem höchsten Punkt 65 Meter über dem Meer liegen.

Bis Silvio Berlusconi kam: Die Brücke ist sein Lieblingsprojekt, das er mit aller Macht und gegen jede Kritik vorantreibt. So wie sich Frankreichs ehemaliger Präsident François Mitterrand mit dem Glaspyramiden-Eingang im Louvre ein Denkmal setzte, will jetzt Italiens Regierungschef zum Bauherr werden und sich ein Denkmal verpassen, das ihm an Größe, Bedeutung und Imposanz genehm ist.

Wahrscheinlich wäre Berlusconi gerne beim Spatenstich in der Stadt Reggio dabei gewesen. Seine Ärzte haben ihm jedoch empfohlen, auf einen Auftritt zu verzichten, der von großem Medienrummel begleitet worden wäre. Grund ist der Angriff auf den Regierungschef, bei dem ihn ein Mann Mitte Dezember in Mailand mit einer Miniaturausgabe des Mailänder Doms im Gesicht schwer verletzt hatte.

Sorge: Die Mafia-Clans aus Kalabrien und Sizilien könnten sich vereinen

In den vergangenen Tagen meldeten sich mehr und mehr die Gegner des gewaltigen Projektes zu Wort. Sie kritisieren die hohen Kosten für den völlig überschuldeten Staat, der, wenn Investoren abspringen, auf den Kosten sitzen bleiben könnte.

Laut Regierungsangaben sollen die Investoren 3,8 der 6,3 Milliarden Euro tragen. Naturschützer und Geologen haben wiederholt auf die überdurchschnittlich hohe Erdbebengefahr in der Meeresenge von Messina hingewiesen. Schweren Erdstößen könne das Bauwerk vielleicht nicht standhalten.

Ein anderes Problem treiben Polizei und Staatsanwaltschaft um. Sie befürchten, dass die Brücke nicht nur Italien verbindet, sondern auch die kalabresische und die sizilianische Mafia. Organisatorisch gestärkt könnte sie bei dem Projekt kräftig kassieren.

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