Nach 1.500 Jahren fahren römische Kampfwagen wieder um Ruhm und Ehre. Doch die Produktion hat Schwächen.

Oberhausen. Der Vorhang öffnet sich, und fünf Römerwagen - gezogen von mächtigen Hengsten - preschen in die Arena. So die Theorie. Doch bei der Abendpreview von "Ben Hur Live" am Dienstag in Oberhausen fiel das Wagenrennen aus.

"Die Pferde waren nach der Show am Nachmittag einfach zu belastet. Darum haben wir sie geschont", erklärt Nicki Pfeifer, einer der erfahrensten Gespanntrainer der Welt. Pfeifer ist verantwortlich für die Ausbildung und Choreographie der Gespanne im Wagenrennen, dem Höhepunkt der Megaproduktion.

"Wir liegen im Zeitplan, obwohl die Arbeit eine große Herausforderung war", so Pfeifer. Immerhin sollen erstmals seit 1.500 Jahren wieder römische Kampfwagen um Ruhm und Ehre fahren. Der Münchner Produzent Franz Abraham sammelte erfahrene Profis um sich, um dem Stoff gerecht zu werden.

Riesige Bühnenbilder und eine fulminante Lichtanlage machen die Liveshow sehenswert. Galeeren werden durch einen Bühnensand gezogen, der durch künstlichen Nebel und Licht in Wasser verwandelt wird. Piraten greifen an, an Bord entbrennen erbitterte Zweikämpfe.

Vor allem die Massenszenen begeistern das Publikum. "Tolle Bilder" schwärmt Anna (21) aus Duisburg. Die beiden Hauptdarsteller hingegen wirken auf dem Pferd zu bemüht und im Fechtkampf hölzern.

"Ben Hur Live", 27. und 28. November in der Gelsenkirchener Veltins-Arena, Karten von 35 bis 128 Euro, Tel. 0211/ 7344-255

Die Hauptschwäche der Produktion: Sämtliche Schauspieler sprechen ausschließlich - und das fast zwei Stunden lang - Latein und Aramäisch. Das ist in den ersten Minuten reizvoll, danach nur noch nervig, zumal die ungewohnte Sprache Sebastian Thrun (Jehuda ben Hur) und Michael Knese (Messala) fast gänzlich ihrer Ausdrucksmittel beraubt.

Während der Aufführung erzählt Stewart Copeland (Ex-Police-Schlagzeuger), der auch die Musik zu "Ben Hur" komponierte, die Geschichte und übersetzt die Dialoge der Darsteller simultan - an diesem Abend in der Arena ins Englische, da die Produktion am 17.September in London Weltpremiere hat. Der deutsche Sprecher, Schauspieler Ben Becker, steigt erst später ein.

Weniger Pathos und mehr Action würden der Show gut tun. Einen berühmten Fehler des Monumentalfilms möchte man indes nicht wiederholen. Am Bühneneingang hängen große Schilder: "No watches". Römer mit Armbanduhren wird es bei Ben Hur also nicht geben.

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