Nachbarn behaupten: Die Täter wollten freien Uferblick für eine exklusive Wohnanlage in Hilden schaffen.

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So sah es noch vor zwei Wochen aus: Die mächtigen Bäume lassen nur ein „Guckloch“ zum See übrig.

So sah es noch vor zwei Wochen aus: Die mächtigen Bäume lassen nur ein „Guckloch“ zum See übrig.

Dirk Thomé

So sah es noch vor zwei Wochen aus: Die mächtigen Bäume lassen nur ein „Guckloch“ zum See übrig.

Hilden. Bäume leben in Hilden gefährlich: Erst Anfang des Monats wurden auf einer Streuobstwiese im Norden der Stadt bei Nacht und Nebel acht Obstbäume mit Axthieben gefällt.

Jetzt traf es rund 40 Kastanien, Weiden, Eichen und Birken im Süden der Stadt. Unbekannte haben die Bäume angesägt und bohrten bis zu 20 Zentimeter tiefe Löcher in die Stämme, in die sie dann Batterie-Säure schütteten.

Der Tatort liegt auf einem idyllischen Fleckchen Erde. Kaum ein Laut stört die Ruhe der Anwohner an zwei renaturierten Baggerseen. Beide grenzen an das Grundstück des "Chateau Seerose", einer exklusiven Residenz mit Eigentumswohnungen. Von dort schweift der Blick gen Süden hinüber zum mit Bäumen umsäumten Ufer des Dörpfeldsees. Und auf genau diese bis zu 50 Jahre alten Bäume hatten es die Täter abgesehen.

Die Bäume stehen auf städtischem Grund und Boden

"Da hat jemand seine ganz ureigensten Interessen verfolgt", vermutet Günter Rouenhoff (69), der im "Chateau Seerose" wohnt. Er hat die Schäden an den Bäumen am Donnerstag entdeckt und unverzüglich das städtische Grünflächenamt benachrichtigt. Die Bäume stehen auf städtischem Grund und Boden.

In der Nachbarschaft wird gemunkelt, dass sich wohl jemand Seeblick verschaffen wollte. Diesem Verdacht möchte sich Elke Halm(34) nicht anschließen. Sie ist Mitarbeiterin des Grünflächenamtes und hat sich nach der Mitteilung durch den Anwohner vor Ort ein Bild von den Schäden gemacht.

Das 1994 entstandene "Chateau Seerose" ist eine repräsentativ angelegte Wohnanlage, die durch ein schmiedeeisernes Tor zugänglich ist. Der Weg zu den Luxuswohnungen führt über einen Hof, vorbei an einem plätschernden Springbrunnen.

Die Anlage liegt am südwestlichen Stadtrand Hildens. In unmittelbarer Nähe liegen mehrere kleinere und größere Seen, die durch Auskiesungen entstanden sind.

Eine Vier-Zimmer-Wohnung (143 Quadratmeter) wird für 425.000 Euro angeboten.

Dabei entdeckte sie auch das Tatwerkzeug: zwei Bügelsägen, einen kleinen Trichter und die Glasflasche mit Säure. Alles lag gut verpackt in einem blauen Müllsack, den die Täter unter Ästen versteckt hatten. Vermutlich hatten sie ihr Werk noch nicht beendet.

Die Wohnungen haben nach dem Baum-Frevel an Wert gewonnen

Außer Frage steht für die städtische Mitarbeiterin allerdings, dass die Täter genau wussten, was sie wollten - und wie sie ihr Ziel erreichen können. Ob sie es auch geschafft haben, ist noch fraglich. "Das werden wir in den kommenden Tagen sehen", sagt Halm. Dann werde sich zeigen, ob die Bäume den Anschlag überstehen oder gefällt werden müssen.

In diesem Fall hätten die Täter vor allem eines erreicht: eine Wertsteigerung der größtenteils von den Eigentümern bewohnten Chateau-Wohnungen. Das bestätigt der Geschäftsführer eines Hildener Immobilien-Büros, das eine leer stehende Wohnung auf der westlichen Seite der Residenz zum Kauf anbietet.

Das gesamte Gelände ist eingezäunt. Allerdings dürfte das etwa ein Meter hohe Tor einer Feuerwehrzufahrt kein großes Hindernis für die Täter gewesen sein. Die Zufahrt ist der wahrscheinlichste Weg der Täter. Sie führt am Chateau vorbei zur rückwärtigen See-Seite.

Dort hat Wohnungsinhaber Rouenhoff schon öfter Besucher gesehen, die von Bewohnern zum See mitgenommen werden. Der 69-Jährige hat aber auch schon Fremde über das Tor klettern sehen. Erst in der vergangenen Woche sei ihm ein 40 bis 50 Jahre alter Mann aufgefallen, den er in dem kleinen Wäldchen am See beobachtet hat.

Den Gesamtsachschaden schätzt die Polizei auf rund 10.000 Euro.

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