Eltern werden kreativer bei der Namenswahl für ihre Kinder. Und die Standesämter nicken immer mehr ab.

Vornamen

Montage Budinger

Düsseldorf. Hedi-Rocky, Flonne oder Ultraviolett für Mädchen. Corleone, Skywalker oder Maradona für Jungen.

Auch wenn Klassiker wie Maximilian und Marie bei der Auswahl der Vornamen zu den Favoriten gehören, heißt das Ziel bei anderen angehenden Eltern: „Das Kind soll auf keinen Fall so heißen wie die anderen später in seiner Klasse“, sagt Gabriele Rodríguez, Namensforscherin an der Universität Leipzig.

Und die Kreativität der Eltern hat gute Chancen auf Verwirklichung, denn die Standesbeamten nicken immer mehr ab – zu oft haben Eltern in den vergangenen Jahren erfolgreich gegen Verbote geklagt.

Beurkundet wurden vom Standesamt Hamburg-Nord zuletzt Sexmus Ronny, Don Armani Karl-Heinz und Camino Santiago Freigeist. Der Staat soll heute lediglich darauf achten, dass das Wohl des Kindes durch den Namen nicht gefährdet wird. Ob Sexmus Ronny dem zustimmen wird, wenn er mal 13 ist?

Auch die Regel, dass Vornamen geschlechtsspezifisch sein müssen, wackele, so Gabriele Rodríguez. Pepper könne in Deutschland Männlein und Weiblein verliehen werden. Es gebe auch keinen Widerstand mehr gegen Pumuckl, Tarzan, Winnetou oder Schneewittchen. Sunil und Lenor seien erlaubt – obwohl Markennamen.

Gelegentlich wird es unübersichtlich, sagt Rodriguez, Kirsche geht nicht, Apple und Peaches aber schon. Köln nicht, Colonia doch. Porsche werde nicht beurkundet, Mercedes aber schon, weil ein traditioneller spanischer Vorname. Keine Chance hätten Eltern mit Waldmeister, Joghurt, Crazy Horse oder Borussia. Aber Schokominza geht anstandslos durch.

Doch die Trendwende steht bevor. „Alle 100 Jahre kommen Namen wieder“, sagt Rodríguez. Da müssten die ersten Wilhelms und Clothildes ja bald beurkundet werden. Und bis zu den Dieters und Renates ist es auch nicht mehr lange hin.

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