RTL verteidigt sein Format „Erwachsen auf Probe“ gegen immer massivere Kritik.

„TV Coaching“: Sandy S. (v.l.) mit ihrer Tochter Zoé-Marie, Katrin B. mit ihrem Sohn Lasse, Sandra G. mit ihren Zwillingen Chiara und Alicia, Rafaela S. mit ihrer Tochter Theresa Viktoria und Marga, Großmutter der Zwillinge.
„TV Coaching“: Sandy S. (v.l.) mit ihrer Tochter Zoé-Marie, Katrin B. mit ihrem Sohn Lasse, Sandra G. mit ihren Zwillingen Chiara und Alicia, Rafaela S. mit ihrer Tochter Theresa Viktoria und Marga, Großmutter der Zwillinge.

„TV Coaching“: Sandy S. (v.l.) mit ihrer Tochter Zoé-Marie, Katrin B. mit ihrem Sohn Lasse, Sandra G. mit ihren Zwillingen Chiara und Alicia, Rafaela S. mit ihrer Tochter Theresa Viktoria und Marga, Großmutter der Zwillinge.

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„TV Coaching“: Sandy S. (v.l.) mit ihrer Tochter Zoé-Marie, Katrin B. mit ihrem Sohn Lasse, Sandra G. mit ihren Zwillingen Chiara und Alicia, Rafaela S. mit ihrer Tochter Theresa Viktoria und Marga, Großmutter der Zwillinge.

Köln. Die 14 Monate alte Zoé-Marie muss gewickelt werden. Elvir (17) ist sichtlich überfordert, lässt das Kleinkind sogar auf dem Wickeltisch kurz allein, um irgendetwas zu holen. Die anwesende Erzieherin springt dazu, auch die Eltern, die das Geschehen vom Nachbarhaus aus am Monitor verfolgten, greifen ein. Zoé-Marie ist nichts geschehen und wird erst einmal aus der Obhut von Elvir und dessen Freundin Nadine (18) herausgenommen. Das ist gerade noch mal gut gegangen. Von RTL kann man das nur bedingt behaupten.

Kritiker meinen, Kinder würden wie Puppen ruhiggestellt

Das Coaching-Format "Erwachsen auf Probe" kann sich zwar über öffentliche Aufmerksamkeit bereits vor der Ausstrahlung ab dem 3.Juni nicht beklagen, ist aber auf massive Kritik gestoßen. Am Freitag hatte der Sender zu einer Vorführung eingeladen, an der neben Pressevertretern auch einige der Kritiker teilnahmen.

Und die kamen nach Ansicht der kompletten zweiten Folge des Siebenteilers zu wenig schmeichelhaften Urteilen: Eine Vertreterin des Kinderschutzbundes erkannte die "problematische Botschaft", dass man Kinder wie Puppen ruhigstellen könne, wenn man nur die richtige Gebrauchsanweisung kenne. Dass sie in Bindungszusammenhängen leben würden, werde mit keinem Wort erwähnt. Ein Vertreter des Verbandes der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst sprach gar von einem zynischen und menschenverachtenden Format, auch weil die Verzweiflung von Jugendlichen zum Unterhaltungszweck vorgeführt werde. RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger verteidigte erneut die Sendereihe, die zum Ziel habe, die zunehmende Zahl von Schwangerschaften bei Teenagern zum Thema zu machen. Bei "Erwachsen auf Probe" absolvieren vier Paare im Alter zwischen 16 und 19 Jahren eine Art Eltern-Schnellkurs. Sie leben in eigenen Häusern, müssen zur Arbeit gehen und testen ihre Eignung als Eltern einen Tag lang an einer elektronischen Puppe, einem "Baby-Dummy", bevor ihnen echte Babys übergeben werden. Später sind sie auch als Eltern von Kleinkindern, Schulkindern und fast gleichaltrigen Teenagern gefordert. Die Dreharbeiten mit den Babys dauerten maximal vier Tage, wobei die Kinder zum Teil bei den wirklichen Eltern übernachtet haben. Wie der Produzent der Reihe, Holger Rettler, in der Diskussion einräumte, ist der Zusammenschnitt im Fernsehen darauf aus, die Überforderung der jungen Eltern in den Vordergrund zu stellen. Tatsächlich sieht man in der gezeigten Folge die Paare oft streiten. Aber es gibt auch Lob, etwa für Sebastian (16), der sich beim Wickeln der von ihm betreuten Zwillinge (7Monate) tapfer schlägt. Eine der Mütter betonte, dass sie ihr Kind im Zweifel nicht habe weinen lassen. "Das wird hier etwas dramatischer dargestellt", sagte sie.

Zusätzlich waren nach RTL-Angaben eine Erzieherin, eine Kinderkrankenschwester und eine Psychologin anwesend. RTL kümmert sich ja gerne, schickt Schuldenberater los, gibt seit Jahren mittels "Super Nanny" Katharina Saalfrank Erziehungstipps oder bändigt "Teenager außer Kontrolle". Dieses sogenannte "Coaching TV" hat in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. Das Erfolgsrezept besteht vor allem darin, reale Fälle gefühlsbetont zu erzählen. Niemals jedoch wurden bisher Babys zu Fernsehzwecken "verliehen".

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