Für das dringende Bedürfnis kassiert Sanifair in einigen Toiletten schon jetzt 70 Cent.

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Wer eine Sanifair-Toilette an einer Autobahn-Raststätte nutzt, muss zunächst einmal einen Wertbon ziehen. Erst dann gibt das Drehkreuz den Weg frei.

Wer eine Sanifair-Toilette an einer Autobahn-Raststätte nutzt, muss zunächst einmal einen Wertbon ziehen. Erst dann gibt das Drehkreuz den Weg frei.

dpa

Wer eine Sanifair-Toilette an einer Autobahn-Raststätte nutzt, muss zunächst einmal einen Wertbon ziehen. Erst dann gibt das Drehkreuz den Weg frei.

Solingen/ Ratingen. Viele Skiurlauber haben es bemerkt und sich geärgert: Klo-Monopolist Sanifair, eine Tochtergesellschaft des Bonner Autobahnraststätten-Konzerns Tank & Rast, hat die Preise an zwölf Autobahnraststätten drastisch von 50 auf 70 Cent und damit um 40 Prozent erhöht.

Die "Versuchsphase" lief in neun Sanifair-Anlagen an bayerischen und NRW-Autobahnraststätten - darunter auch Ohligser Heide und Hösel. In den nächsten Tagen soll entschieden werden, die Preiserhöhung an sämtlichen 370 Sanifair-Toilettenanlagen in Deutschland durchzudrücken.

"Willkommen bei Sanifair!" - die musikalisch untermalte Lautsprecherstimme auf den Autobahntoiletten soll die Besucher darüber hinwegtrösten, dass sie am Drehkreuz vor der Toilettenanlage erst einmal 50 Cent einwerfen mussten, bevor sie Einlass erhalten. Bisher wurde die Gebühr jedoch laut ADAC-Sprecher Maximilian Maurer weitgehend akzeptiert, weil die Sanifair-Anlagen durch Sauberkeit und Hygiene überzeugten.

"Toiletten-Oasen" werden automatisch gereinigt

Tank & Rast nennt die mit hellgrünen und blauen Kacheln ausgestatteten Anlagen auch "Toiletten-Oasen". Hier funktionieren nicht nur Wasserhähne und Papiertuchspender ohne Berührung. Auch die Klobrillen werden nach jeder Benutzung automatisch gereinigt. Außerdem kann die 50-Cent-Wertmarke beim Einkauf im Restaurant oder am Kiosk der Raststätte - beziehungsweise bei allen, an denen Sanifair vertreten ist - verrechnet werden.

Die Wertmarke ist ein Jahr lang gültig. Doch auch dieses "Cross-Selling" (Quer-Verkauf) ist für Tank&Rast ein sehr gutes Geschäft angesichts der Preise für Speisen, Getränke und Snacks, die weit über dem üblichen Niveau liegen. Ein entscheidender Grund für den profitablen Service: Jede der 370 Sanifair-Anlagen hat nach Angaben von Tank&Rast ("Pi mal Daumen") monatlich 30.000 Nutzer. So kommen jährlich mehr als 66 Millionen Euro zusammen. Die Gesamtinvestitionen in die Anlagen seit 2003 beziffert der Bonner Sanifair-Sprecher Andreas Rehm mit 60 Millionen Euro.

Nun soll das Klo-Geschäft noch besser laufen. Doch damit riskiert Sanifair einen Bruch des bisher weitgehend akzeptierten Systems. Denn für die fälligen 70 Cent für den Toilettenbesuch bekommt der Nutzer am Automaten nur einen wieder einlösbaren Bon über 50 Cent. Die 20 Cent Aufschlag werden beim Einkauf nicht zurückerstattet. Begründung von Sanifair: Das sei für zusätzliche Investitionen in kindergerechtere Anlagen wie Wickelräume und Kindertoiletten sowie für die Bezahlung des Personals.

Der ADAC geht von Preiserhöhung auf breiter Front aus

"Es ist zu befürchten, dass die 20 Cent erst der Anfang sind", sagt ADAC-Sprecher Maurer. "Das geht möglicherweise in einem oder zwei Jahren noch weiter. Sanifair ist ein Monopolist." Tatsächlich sind in den alten Bundesländern fast alle Toiletten der Autobahnraststätten in den Händen von Sanifair.

Über die Preiserhöhung sind vor allem die Berufskraftfahrer verärgert. Die schlagen sich nach Beobachtungen von Raststätten-Betreibern jetzt lieber in die Büsche. Die Hinterlassenschaften müssen dann die Pächter auf eigene Kosten beseitigen.

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