Stuttgart. Der Auto Club Europa (ACE) hat die Politik vor Schnellschüssen bei neuen Auflagen für die Lkw-Winterausrüstung gewarnt. Die Versäumnisse der vergangenen Monate dürften nicht über überhasteten Aktionen wettgemacht werden, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner am Samstag in Stuttgart mit Blick auf die Forderung nach Schneeketten für Lastwagen.

Wer so etwa durchsetzen wolle, „muss zuvor die Methoden der Räum- und Streudienste radikal verändern“. Hillgärtner bedauerte, dass die Politik bislang den Rat von Verkehrsexperten meist ignoriert habe. Diese hätten unter anderem ein Mindestprofil bei Winterreifen von 4 Millimeter gefordert, die Politik habe dann 1,6 Millimeter als ausreichend erachtet. Auch die Zulassung von Ganzjahresreifen als Winterreifen habe sich bei Lastwagen als Fehler erwiesen.

Dies sei jetzt auch den Verantwortlichen klar geworden. „Erst schlagen Bund und Länder unsere Warnungen in den Wind und jetzt kommen die selben Leute als Besserwisser daher“, sagte Hillgärtner. Schneeketten seien jedoch keine Lösung, wenn die Straßen geräumt werden. „Dann machen die Ketten den Asphalt kaputt, und der Asphalt macht die Ketten kaputt.“ Sinnvoller ist in den Augen des ACE eine vorsorgende Verkehrssicherungspflicht der Behörden.

„Es bringt ja nichts, erst dann Streckenabschnitte für den Verkehr zu sperren, wenn dort schon alles blockiert ist.“ Außerdem sollten die Auflagen und Einschränkungen für Lastwagen schärfer kontrolliert werden. „Wir haben hier kein Regelungsdefizit, sondern ein Vollzugsdefizit.“ Speditionsunternehmen müssten bei Missachtung der Vorschriften streng zur Rechenschaft gezogen werden.

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