Auf den Bürgermeister von Altena im Sauerland, Andreas Hollstein (CDU) ist am Montagabend ein Attentat verübt worden. Am Dienstag äußert er sich zu dem Messerangriff.

Verleihung des Nationalen Integrationspreises
Andreas Hollstein, Bürgermeister des sauerländisches Ortes Altena.

Andreas Hollstein, Bürgermeister des sauerländisches Ortes Altena.

Michael Kappeler

Andreas Hollstein, Bürgermeister des sauerländisches Ortes Altena.

Altena. Am Dienstagvormittag hat in Altena die Pressekonferenz von Bürgermeister Andreas Hollstein stattgefunden. Der CDU-Politiker hatte zunächst alle Journalisten im Ratsaal begrüßt und gleich angefügt, dass er gern hätte auf die Publicity nach der Messerattacke hatte verzichten können. "Ich bin zum Glück nur leicht verletzt worden. Ohne das Eingreifen der Menschen im Imbiss würde ich heute nicht vor Ihnen sitze. Ich bin diesen Altenaer Bürgern, die auch einen Migrationshintergrund haben, sehr dankbar." Die Angestellten und der Besitzer waren Hollstein zur Hilfe gesprungen. 

Hollstein war der Mann, der ihn später angegriffen hatte, im Imbiss gleich aufgefallen, weil er ihn angestarrt hatte. Mit den Worten "Mich lassen Sie hier verdursten und holen 200.000 Menschen hierhin", hat er ihn dann angesprochen und ihn mit dem Messer angegriffen.

Hollstein hat eine 15 Zentimeter Wunde am Hals davon getragen: "Sie war aber nicht so tief und musste nur geklebt werden." Er wollte zum Tathergag mit Hinweis auf die Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Hagen nicht viel sagen. Das Krankenhaus hatte er bereits in der Nacht wieder verlassen können.

Der Attentäter ist ihm nicht bekannt, sagte der Bürgermeister auf Nachfrage eines Journalisten. Betrunken sei er nicht gewesen. Drei Männer waren nötig, ihn nach der Tat zu fixieren. "Im Punkt Kraftausübung ist er nicht beeinträchtigt gewesen", sagt Hollstein. 

"Ich glaube, dass das Messer, das er in der Tasche hatte, für mich war", so Hollstein weiter, der Angst um sein Leben gehabt hatte. 

Die Stadt Altena mit ihrem Leitbild "Vom Flüchtling zum Altenaer Mitbürger" ist im Mai 2017 mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet worden.

In Altena hatte im Oktober 2015 ein Feuerwehrmann einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim verübt. Der Mann wurde sechs Jahren Haft verurteilt.

Auch am Dienstag hat er Mails bekommen, in denen die Tat für richtig gehalten wird. "Aber genau deshalb werde ich weitermachen und mich für die Menschen einsetzen, die neu hier herkommen, die bereits hier sind, die sozial Schwachen", verspricht Hollstein. 

Nach der Tat wird sich der CDU-Politiker Hilfe suchen. "Ich will hier gar nicht den starken Mann markieren. Ich habe mich gestern gefühlt wie an meinem dritten Geburstag: Ich war vor einigen Jahren krebskrank und habe ein zweites Leben geschenkt bekommen, gestern ein drittes." Auf Polizeischutz wolle er aber verzichten. "So kann ich meinen Job nicht machen." 

"Wenn ich mir davon nicht erhoffen würde, dass das bei einigen Menschen vielleicht etwas ändern kann, würde ich diese Aussagen heute hier nicht machen", antwortete Hollstein auf die Frage, ob er glaube, dass die Pressekonferenz etwas ändern könnte. Der Mensch, der ihn angegriffen hat, sei für ihn nicht der Täter. Der vergiftete Brunnen, von dem er getrunken hat, sei der Täter. Damit spricht er Pauschalverurteilungen von Geflüchteten an. Die Tat habe aber gezeigt, dass es auch unter in Deutschland geborenen Menschen schwarze Schafe gebe. So wie es auch unter den Menschen, die nach Deutschland flüchten, nicht nur gute Menschen gebe. 

Auf den Bürgermeister von Altena im Sauerland, Andreas Hollstein (CDU) ist am Montagabend ein Attentat verübt worden. Der 57-Jährige ist mit einem Messer angegriffen worden. Das sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hagen. «Er soll nicht schwer verletzt worden sein.» Über weitere Ermittlungsergebnisse wollen Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag um 13.00 Uhr bei einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium Hagen berichten. Zuerst berichtete die WAZ in ihrer Onlineausgabe von dem Attentat. Hollstein konnte das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

Der 57-jährige Politiker wurde gegen 20 Uhr in einem Döner-Imbiss von dem offenbar alkoholisiertem 56-jährigen Angreifer mit einem Messer attackiert. Der Angreifer kritisierte demnach die Politik des Bürgermeisters. Altena nimmt mehr Flüchtlinge auf, als es nach dem NRW-Verteilerschlüssel müsste. Nach Informationen aus dem Umfeld der Landesregierung soll es sich bei dem Täter um einen Deutschen handeln. Die Tat wird von der Landesregierung als schwere politische Straftat eingestuft.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat bei der Verleihung des NRW-Staatspreises am Montagabend von dem Attentat erfahren. „Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es einen politischen Hintergrund bei diesem Anschlag gibt“, sagte er. Der mutmaßliche Täter, der laut Laschet dingfest gemacht wurde, habe Bemerkungen über die Flüchtlingspolitik gemacht, die diesen Rückschluss zuließen.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte den Angriff. „Schreckliche Nachricht aus Altena“, schrieb er am Dienstagmorgen auf Twitter und wünschte Hollstein gute Besserung. „Dürfen niemals akzeptieren, dass Menschen attackiert werden, nur weil sie anderen helfen. In unserem Land darf kein Platz sein für Hass und Gewalt“, ergänzte der Minister. Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP) schrieb bei Twitter: „Alle guten Wünsche an Andreas Hollstein, dem großartigen Bürgermeister Altenas.“

Zur Attacke auf den Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, erklären Mona Neubaur und Sven Lehmann, Vorsitzende der GRÜNEN NRW:

„Der Angriff auf Bürgermeister Hollstein hat uns erschüttert, wir verurteilen ihn aufs Schärfste. Wir wünschen Andreas Hollstein eine schnelle und vollständige Genesung. Die Attacke war nach Angaben der Ermittler ein heimtückischer Angriff auf die von Humanität getragene Politik des Bürgermeisters. Andreas Hollstein steht für eine von humane Flüchtlingspolitik und eine Willkommenskultur im besten Sinne für die Zukunft seiner Stadt. Der Angriff war auch eine Attacke auf all jene, die sich für die Demokratie und eine weltoffene Gesellschaft einsetzen."

 

„Diese Gewalt in unserem Land gegenüber ehrenamtlich Tätigen, gegen Bürgermeister, die sich um das Wohl ihrer Stadt kümmern, ist verabscheuungswürdig“, sagte Ministerpräsident Laschet. „Klar ist: in Nordrhein-Westfalen ist kein Platz für Hass und Gewalt. Die Vielfalt ist Kennzeichen unseres Landes.“

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) war im Oktober 2015 einen Tag vor ihrer Wahl von einem Rechtsextremisten mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden. Schäuble wurde auf einer Wahlkampfveranstaltung 1990 Opfer eines Attentats - und ist seither querschnittsgelähmt.

In der vergangenen Woche wollte ursprünglich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch in NRW auch nach Altena kommen - und sich dort mit Flüchtlingsfamilien treffen. Diese Reise musste er wegen der geplatzten Jamaika-Verhandlungen absagen.

 

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