Sich beruflich in einer Nichtregierungsorganisation zu engagieren, zieht besonders Idealisten an. Doch Herzblut allein reicht nicht.

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Ein Greenpeace-Aktivist kniet als Eisbär verkleidet am Strand von Kuta während der letzten Stunden der UN-Klimakonferenz auf Bali (Indonesien) im Dezember 2007.

Ein Greenpeace-Aktivist kniet als Eisbär verkleidet am Strand von Kuta während der letzten Stunden der UN-Klimakonferenz auf Bali (Indonesien) im Dezember 2007.

Reuters

Ein Greenpeace-Aktivist kniet als Eisbär verkleidet am Strand von Kuta während der letzten Stunden der UN-Klimakonferenz auf Bali (Indonesien) im Dezember 2007.

Düsseldorf. Nichtregierungsorganisationen, kurz NRO oder englisch NGO genannt, kennt fast jeder aus den Medien. Greenpeace, Brot für die Welt oder Human Rights Watch machen bei verschiedenen Aktionen teils spektakulär auf sich aufmerksam. Auf Themenfeldern wie Entwicklungspolitik, Menschenrechte, humanitäre Hilfe oder Natur und Umwelt sind sie aktiv.

„Interesse für das Thema und Engagement reichen nicht mehr aus.“

Katrin Voss, Beraterin

Das Klischee der zusammengewürfelten, basisdemokratischen Aktionsgruppen ist durch die zunehmende Professionalisierung der meisten NGOs mittlerweile überholt. „Zwar findet man Quereinsteiger, aber in vielen Arbeitsbereichen erwarten NGOs wie andere Arbeitgeber eine entsprechende Ausbildung“, sagt Kathrin Voss aus Hamburg. Die Beraterin hat sich auf den NGO-Bereich spezialisiert. „Interesse für das Thema und Engagement reichen nicht mehr aus.“

Wer einen Job bei NGO anstrebt, sollte neben Fachkompetenz und praktischen Erfahrungen vor allem Flexibilität und Kommunikationsstärke mitbringen. Außerdem müsse er sich in höherem Maße mit den Zielen des Arbeitgebers identifizieren, als das zum Beispiel bei Unternehmen der Fall ist, erklärt Voss.

Für Anike Peters (30), die bei Greenpeace in Hamburg Kampagnen für Klima und Energie plant, ist das der entscheidende Antrieb: „Für mich zeichnet sich die Arbeit bei Greenpeace vor allem dadurch aus, dass meine persönlichen Ziele mit denen meines Arbeitgebers übereinstimmen.“ Das Ziel der Kampagnen, die sie mitentwickelt, ist der deutsche Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohlekraft bis spätestens 2040.

Zunächst war Peters ehrenamtlich in einer Greenpeace-Gruppe aktiv. „Schon damals habe ich mich besonders für die Themen Klimaschutz und Energiewende interessiert“, erzählt sie. Nach ersten Jobs und Praktika in der Industrie während des Studiums habe sie schnell gemerkt, dass Umweltschutz für Unternehmen häufig nur eine untergeordnete Rolle spielt. Nach dem Diplom hat sie deshalb zunächst ein Praktikum im Energiebereich von Greenpeace absolviert und bekam anschließend eine Festanstellung angeboten. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt sie.

Ein Praktikum erhöht die Chancen des Bewerbers

Beim Gehalt müssen NGO-Angestellte im Durchschnitt zurückstecken – gerade bei kleineren Organisationen. „Die Entlohnung ist verglichen mit der freien Wirtschaft oder staatlichen Jobs eher gering“, erzählt Torben Klages, Büroleiter der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Ohne Überstunden kommt er in seinem Job nicht aus: „50 bis 60 Wochenstunden bei einer Bezahlung von 40 Wochenstunden sind bei mir keine Seltenheit“, sagt er.

Dennoch kommt keine Unzufriedenheit auf. „Bei anderen Jobs in meinen Leben habe ich mehr Geld verdient, die waren aber viel weniger sinnerfüllt für mich“, sagt er.

/Peters’ Weg ist beispielhaft für viele NGO-Arbeiter: Häufig gelingt der Karriereeinstieg zunächst über ein Ehrenamt oder Praktikum. Das hat den Vorteil, dass Einsteiger zunächst sehr genaue Einblicke gewinnen können.

Eine typische Stelle für Einsteiger sei die Projektassistenz, erklärt Kirsten Prestin vom Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro). Auch Volontariate oder Trainee-Stellen sind geeignet. Bewerber erhöhen ihre Chancen, wenn sie zunächst ein Praktikum machen.

Grundsätzlich sind bei NGOs Menschen mit vielen beruflichen Qualifikationen gefragt – vom kaufmännischen Angestellten über den Lehrer bis hin zum Arzt oder Ingenieur. Sehr begehrt sind auch Verkaufs- und Vertriebskräfte für den Bereich Mittelbeschaffung, das Fundament der NGO-Arbeit.

Auch die Aufstiegsmöglichkeiten sind eher gering. Sie wachsen jedoch mit dem Erfolg der NGO, erläutert Klages. Dann steigt der Personalbedarf meist an. Darüber hinaus können sich Möglichkeiten ergeben, in die Politik zu wechseln. Doch die meisten entscheiden sich für den Beruf, weil sie ihn als sinnstiftend empfinden. „Für mich ist die Frage, ob mein tägliches Handeln einen Sinn ergibt, von zentraler Bedeutung. Eine Beschäftigung, die einzig auf Gelderwerb ausgerichtet ist, kann ich mir nicht mehr vorstellen“, so Klages.

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