Christin Römer wählte für ihr Familien-Café in Bonn einen roten Apfel als Logo. Doch der Elektronik-Konzern Apple stellte sich quer und legte beim Markenamt Widerspruch ein. Seitdem schreiben sich die Anwälte einen Brief nach dem anderen.

Streit
Ob Tasse oder Kissen – in dem kleinen Café im Bonner Südviertel prangt überall das Logo mit dem Kindergesicht im knallroten Apfel.

Ob Tasse oder Kissen – in dem kleinen Café im Bonner Südviertel prangt überall das Logo mit dem Kindergesicht im knallroten Apfel.

Apfelkind

Ob Tasse oder Kissen – in dem kleinen Café im Bonner Südviertel prangt überall das Logo mit dem Kindergesicht im knallroten Apfel.

Bonn (dpa). Es ist ein roter Apfel mit Kindergesicht, um den gestritten wird. Dieses Bild wählte Christin Römer vor zwei Jahren als Logo für ihr Familien-Café in der Bonner Südstadt. Tassen und Lampenschirme sind damit verziert. Doch mit diesem Emblem handelte sich die 34-Jährige Krach mit einem Weltkonzern ein. Der Elektronik- Riese Apple fürchtet «hochgradige Verwechslungsgefahr» und hat seine Anwälte losgeschickt. Nun muss das

Deutsche Patent- und Markenamt in München (DPMA) entscheiden, es sei denn die Parteien finden vorher einen Kompromiss: Noch in diesem Monat soll es nach eineinhalb Jahren Schriftwechsel ein erstes Treffen der beiden Seiten geben.

«In ruhigen Momenten wird mir manchmal ganz mulmig, wenn ich bedenke, mit wem ich mich da angelegt habe. Aber Angst habe ich keine», sagt Römer. «Der Konzern hat sich mit mir die Falsche ausgesucht.» Nachgeben will sie nicht. Es sei denn, der Computer-Gigant startet ein großes Kinderprojekt oder stellt zumindest Geld dafür zur Verfügung. «Der Apple-Anwalt scheint an einer Einigung interessiert zu sein. Ich bin gespannt, was bei dem Gespräch herauskommt.»

Die Geschichte «Apple gegen Apfelkind» begann im Oktober 2011: Römer, die Biologie und Kunst studiert hat, meldete ihr selbstgestaltetes Symbol beim Markenamt in München an. Fünf Tage vor Ablauf der Widerspruchsfrist flatterte dann ein Schreiben ins Haus. Der Absender: Die Anwälte von Apple Inc. aus Cupertino, Kalifornien, USA. Ihre Forderung: Römer sollte auf verschiedene Klassen des Markenrechts verzichten. Das heißt, der Selbstständigen wäre nicht gestattet, Spielzeug mit dem Logo zu vertreiben oder die Lizenz an Dritte weiterzugeben.

«Genau diese Möglichkeit wollte ich mir aber offenlassen», sagt Römer. So begann ein nicht enden wollender Schriftwechsel ihres Anwalts mit der Gegenseite. Die 34-Jährige hat bereits einen Ordner bis zum Bersten mit Papieren gefüllt. Das Café läuft zwar gut, wie Römer sagt, dennoch fühlt sie sich durch den Streit ausgebremst. «Mein Anwalt hat mir geraten, erstmal nichts mehr mit dem Symbol herauszubringen.»

Wann aber das Markenamt in München zu einer Entscheidung kommt, ist laut Sprecherin Bettina Berner noch offen, eine Frist gibt es nicht. Der Berliner Markenrechtler Andreas Lubberger glaubt indessen nicht, dass Apple in dem Widerspruchsverfahren vor dem DPMA eine Chance hat.

Er vertritt immer wieder große Firmen in Sachen Logo-Schutz und sieht in diesem Fall keine Ähnlichkeit. «Der Apfel von Christin Römer hat statt einer Bissspur ein integriertes Kindergesicht. Zudem wird das Symbol nie isoliert, sondern immer nur mit dem Schriftzug "apfelkind" verwendet. Das schafft Distanz zu Apple.»

Beim US-Konzern selbst möchte sich niemand äußern, weder zu dem Widerspruchsverfahren, noch zum allgemeinen Vorgehen des Konzerns in Markenschutz-Angelegenheiten. Für den Fall, dass der Streit mit dem Unternehmen für sie schlecht ausgeht, hat Römer schon einen Plan B ausgeheckt: Aus Apfelkind wird Kirschenkind. Das neue Logo besteht dann aus ihren Äpfeln mit Kinderkopf, die wie ein Pärchen Kirschen von Stielen zusammengehalten werden.

Und was sagt Apple dazu? «Das ist egal. Das Logo ist bereits geschützt, die Widerspruchsfrist verstrichen», freut sich Römer. «In dem ganzen Trubel um Apfelkind ist Apple das offenbar entgangen.»

Leserkommentare (3)


() Registrierte Nutzer