Würgen, Anketten, Schlagen, Verbrühen: Die Liste der Misshandlungen, die das Duo anderen Frauen zugefügt haben sollen, ist lang. Stundenlang schildert die Angeklagte ihre eigene brutale Rolle im „Horror-Haus“ von Höxter - doch es ist erst der Anfang.

Die Angeklagte Angelika W. verbirgt im Landgericht in Paderborn ihr Gesicht. Foto: Bernd Thissen/Archiv
Die Angeklagte Angelika W. verbirgt im Landgericht in Paderborn ihr Gesicht. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Die Angeklagte Angelika W. verbirgt im Landgericht in Paderborn ihr Gesicht. Foto: Bernd Thissen/Archiv

dpa

Die Angeklagte Angelika W. verbirgt im Landgericht in Paderborn ihr Gesicht. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Paderborn. Im Mordprozess um brutale Misshandlungen in Höxter hat die Angeklagte Gräueltaten gegenüber mehreren Frauen im sogenannten „Horror-Haus“ geschildert Sie räumte dabei ein, insgesamt fünf Frauen gegenüber selbst gewalttätig gewesen zu sein. Dem Gericht legte sie eine Liste mit mehr als 70 Arten von Misshandlungsarten vor, die sie oder ihr mitangeklagter Ex-Mann Wilfried W. den Frauen zugefügt hätten. Die Strafen reichten demnach von Schlägen und Beleidigungen über Verbrühungen bis zu stundenlangem Anketten im Schweinestall und Würgen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, über Jahre hinweg Frauen nach Ostwestfalen gelockt und brutal misshandelt zu haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien, weitere Frauen entkamen.

Am dritten Prozesstag verbarg Angelika W. ihr Gesicht beim Betreten des Gerichtssaals erstmals nicht hinter einer Aktenmappe, sondern zeigte sich den Kameras, wie ihr Ex-Mann Wilfried W. auch. Vor dem Landgericht Paderborn beschrieb Angelika W. ein striktes Bestrafungssystem, dem sich die Frauen beugen mussten. Bei kleinstem vermeintlichem Fehlverhalten - ein falsches Wort, ein Haar auf dem Küchentisch - sei er ausgerastet, weil er sich missachtet gefühlt habe. Die Frauen hätten schriftlich versichern müssen, sich zu ändern. Als sie dennoch weiter Fehler machten, sei auch Angelika übergriffig geworden.

Am Nachmittag befragte das Gericht sie zunächst detaillierter zu der Zeit, als eine Frau aus Magdeburg Ende 2011 für mehrere Monate eingezogen war. Dreiviertel der Gewalttätigkeiten seien damals von Wilfried W. ausgegangen, sagte Angelika. Unter anderem habe er sie mit einer Schaufel geschlagen oder ihr drohend ein Messer an die Kehle gesetzt. Sie selbst habe die Frau unter anderem geschlagen, gewürgt oder im kalten Schweinestall angekettet. Bevor die Frau nach einigen Monaten nach Magdeburg zurückkehren durfte, habe sie ein Schriftstück unterschreiben müssen, in dem sie versicherte, dass es nie zu Gewalttätigkeiten gekommen sei.

Was die späteren Opfer mutmaßlich erleiden mussten, dazu soll Angelika W. an den weiteren Prozesstagen Stellung nehmen. Wilfried W. schweigt bislang zu den Vorwürfen. Sein Anwalt hatte Medien gegenüber immer wieder betont, sein Mandant sei nicht die Triebfeder. dpa

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer