Nach dem Tod eines 27-Jährigen diskutieren die Spanier über die Sicherheit der Fiesta.

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Immer wieder kommt es zu Stürzen die meist Verletzungen nach sich ziehen.

Immer wieder kommt es zu Stürzen die meist Verletzungen nach sich ziehen.

Dpa

Immer wieder kommt es zu Stürzen die meist Verletzungen nach sich ziehen.

Pamplona. Ein Toter, 446 Verletzte, acht davon schwer: Angesichts dieser blutigen Bilanz hat die Stierhatz im nordspanischen Pamplona erstmals seit Jahren eine hörbare Debatte über das lebensgefährliche Spektakel ausgelöst.

Im Mittelpunkt steht dabei aber nicht etwa die Forderung, Spaniens international bekanntestes Volksfest oder gar die landesweit beliebte Tradition des Stiertreibens abzuschaffen, so wie es Tierschützer seit langer Zeit verlangen.

Vielmehr geht es um die Sicherheit, denn im Laufe der Jahre sind die am Dienstag zu Ende gegangenen "Sanfermines" zu einer Massenveranstaltung und damit immer gefährlicher geworden.

Vor allem der Tod des 27-jährigen Spaniers Daniel Jimeno, der von einem 515 Kilogramm schweren Bullen am Hals aufgespießt wurde, hat viele Menschen zum Nachdenken gebracht. "Ein solches Unglück müsste die Behörden dazu bringen, die Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern", forderte die Zeitung "El Mundo".

Dazu gebe es keinen Anlass, konterte Pamplonas zuständige Stadträtin Ana Elizalde. "Wenn wilde Kampfstiere durch die Straßen rennen, ist das Risiko ohnehin nicht ganz auszuschließen. Es kann nur verringert werden", pflichtete ihr Sicherheitschef Patxi Fernández bei. Auch die Regierung in Madrid sieht keinen Handlungsbedarf. Die Stadt als Veranstalter verweist darauf, dass bereits viel für die Sicherheit getan worden sei.

Während des Festes zu Ehren des Schutzpatrons San Fermín sind in der 185 000 Einwohner zählenden Stadt Pamplona inzwischen etwa 3000 Polizisten sowie 350 Sanitäter und Helfer des Roten Kreuzes im Einsatz. Die hölzernen Absperrungen entlang der Strecke wurden verstärkt, das glitschige Kopfsteinpflaster in den Gassen der Altstadt wird jeden Morgen mit einem Antirutschmittel besprüht, um Stürze zu vermeiden.

Größere Einschränkungen sind nicht geplant, schließlich beschert die Touristenflut der Stadt während des neuntägigen Festes allein dieses Jahr etwa 74 Millionen Euro. Der wahre Schuldige, meint der Schriftsteller Eduardo Mendicutti, sei ohnehin Ernest Hemingway. Hätte der US-Autor die Hatz mit seinem Roman "Fiesta" (1926) nicht weltberühmt gemacht, "dann wäre sie heutzutage so harmlos wie der Christopher Street Day".

Das nützt nach Ansicht der Kritiker aber wenig, wenn trotz aller Kontrollen verkaterte Touristen auf die Strecke gelangen oder der Andrang in den engen Gassen so groß ist, dass die Teilnehmer übereinander stolpern. Auch gebe es keine geeigneten Fluchtwege.

Für die Traditionalisten sind solche Vorwürfe ein Affront. "Die Stierhatz ist ein heiliger Rausch, sie bedeutet Ekstase und Glücksgefühl und darf nicht angetastet werden", meint der Schriftsteller Fernando Sánchez Dragó. Und die Zeitung "Diario de Navarra" schrieb: "Ein Fest ohne Zwischenfälle wäre nur möglich, wenn die Hatz abgeschafft würde."

Dabei wäre es auch den Profi-Läufern, den echten "Mozos", am liebsten, wenn die Möchtegern-Toreros verbannt würden. Denn sie gefährden mit ihrem Leichtsinn nicht nur sich, sondern auch alle anderen. Dennoch: "Das Risiko ist ein Teil der Fiesta, und diese Tradition müssen wir mit aller Kraft bewahren", sagen einheimische Läufer wie Jokin Zuasti. "Daniel hat die Hatz mit seinem Tod nur noch größer gemacht", ergänzte ein anderer Profi voller Respekt vor dem getöteten Kameraden.

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