Der heute 35-Jährige will erreichen, dass der Prozess neu aufgerollt wird.

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Der heute 36-jährige Magnus Gäfgen hatte im September 2002 den Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und ermordet. Er verbüßt im hessischen Schwalmstadt eine lebenslange Haftstrafe.

Der heute 36-jährige Magnus Gäfgen hatte im September 2002 den Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und ermordet. Er verbüßt im hessischen Schwalmstadt eine lebenslange Haftstrafe.

Der heute 36-jährige Magnus Gäfgen hatte im September 2002 den Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und ermordet. Er verbüßt im hessischen Schwalmstadt eine lebenslange Haftstrafe.

Straßburg. Es wird der letzte Richterspruch über die Folterbeschwerde des Kindsmörders Magnus Gäfgen gegen Deutschland sein.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) urteilt am Dienstag in letzter Instanz über die Klage des heute 35-Jährigen, der im September 2002 den Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und ermordet hatte.

Für die Familie Metzler wäre ein Abschluss eine Erleichterung

Gäfgen war bereits im Juni 2008 mit einer Beschwerde in Straßburg gescheitert - und nach der Statistik weichen die Urteile der Großen Kammer nur selten von denjenigen der ersten Kammer ab. Sollten die Richter jetzt dennoch der Beschwerde stattgeben, dann könnte der Prozess gegen Gäfgen in Deutschland neu aufgerollt werden. Dies muss allerdings nicht sein: Der EGMR lässt den Staaten relativ viel Freiraum für die Umsetzung der Urteile.

Wird das erste Urteil hingegen bestätigt, ist eine Wiederaufnahme des Verfahrens ausgeschlossen. Gäfgens Anwalt Michael Heuchemer will nicht spekulieren: "Ich kann nur mit Respekt diese höchstrichterliche Entscheidung der europäischen Richter abwarten", sagt er. Für die Familie des ermordeten Jungen wäre es eine Erleichterung, wenn dieses äußerst schmerzliche Kapitel ein für alle Mal abgeschlossen würde.

Anwalt Heuchemer betrachtet es bereits als "großen Erfolg", dass die Große Kammer des EGMR sich überhaupt des Falles Gäfgen angenommen hat. Dies tun die Richter in der Regel nur dann, wenn die Fälle "grundlegende Aspekte der Menschenrechtskonvention" aufwerfen.

Gäfgens Anwalt spricht von einem Verstoß gegen das Folterverbot

Gäfgen hatte vier Tage nach der Entführung die Polizei zu dem Versteck des Jungen geführt, der zu dem Zeitpunkt aber längst tot war. Zuvor hatte ein Polizist Gäfgen nach dessen Angaben mit nie gekannten Schmerzen gedroht, falls er den Aufenthaltsort des Kindes nicht preisgibt. Der Vorgang hatte in Deutschland eine heftige Debatte ausgelöst, ob die Polizei mit Folter drohen darf oder nicht.

Im Fall Gäfgen geht es um die Erzwingung von Beweismitteln und das absolute Folterverbot. Die Polizei hatte damals Gäfgen mit Folter gedroht, falls er das Versteck des Jungen nicht preisgibt. Die Beamten glaubten, der Junge sei noch am Leben, obwohl er schon längst tot war. Heuchemer argumentierte, dass die entscheidenden Beweise für die Verurteilung Gäfgens durch die Folterdrohungen der Polizei erpresst worden seien. Das sei ein klarer Verstoß gegen das Folterverbot der Europäischen Menschenrechtskonvention.

Bundesregierung: Gäfgen hat vor Gericht gestanden

Dem widersprach die Bundesregierung: Gäfgen habe vor Gericht gestanden. Die unter der Folter-androhung erlangten Erklärungen seien im Prozess nicht verwendet worden. Die Straßburger Richter befanden 2008, dass Deutschland die Androhung von Folter wiedergutgemacht habe, unter anderem mit einem Prozess gegen den früheren Frankfurter Vize-Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner, der die Drohung angeordnet hatte. Daher dürfe sich Gäfgen nicht mehr als Folteropfer darstellen.

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