Immer mehr Fundamentalisten wollen sich aus der radikalen Szene verabschieden.

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Bernd Wagner ist Gründer der Initiative „Exit Deutschland“.

Bernd Wagner ist Gründer der Initiative „Exit Deutschland“.

dpa

Bernd Wagner ist Gründer der Initiative „Exit Deutschland“.

Düsseldorf. Sie haben ihren Anführern ewige Treue geschworen. Und doch gibt es einige, die islamistischen Gruppen den Rücken kehren wollen. Während sich die Initiative "Exit Deutschland" seit Jahren um ausstiegswillige Neonazis kümmert, suchte man ein vergleichbares Angebot für die islamistische Szene bislang vergeblich. "In den letzten drei Jahren mehren sich die Anfragen zu Ausstiegsmöglichkeiten aus der gewaltbereiten islamistischen Szene," sagt der Gründer von "Exit Deutschland", Bernd Wagner. Inzwischen kümmert sich "Exit" daher auch um Islamisten.

Aussteiger aus der Islamistenszene gefährden ihre Familien

Nach Wagners Erfahrungen ist es allerdings weitaus schwieriger, Islamisten aus ihrem radikalen Umfeld zu lösen als Rechtsextremisten. Das beginne schon damit, dass sich die Fundamentalisten nicht selbst meldeten, sondern Familienangehörige, die ihre Söhne oder Brüder aus dem militanten Sog herausziehen wollen. Wie auch in Neonazi-Kreisen binden die Gruppen ihre Mitglieder durch "innere Kontrolle und die Ideologie", sagt Wagner.

Außerdem spiele der Ehrenkodex bei Islamisten eine noch größere Rolle als bei den Nazi-Gruppen. Und: "Es werden härtere Bandagen gebunden." Die Sanktionsmechanismen seien schwerwiegend: "Wenn sich ein Einzelner davonmacht, steigt die Gefahr für Angehörige."

So wurden im Umfeld des Islamistenführers Metin Kaplan, der auch als "Kalif von Köln" bekannt ist, schon vor Jahren Abtrünnige ermordet. Nach Angaben des NRW-Verfassungsschutzes gibt es bundesweit derzeit etwa 34 500 Islamisten. 1500 Islamisten stuft der Verfassungsschutz bundesweit als gewaltbereit ein.

Auch im Bundesinnenministerium und beim Verfassungsschutz wird seit längerem darüber nachgedacht, wie Ausstiegswillige begleitet werden könnten. Weil die Personen in ihrem Glauben extrem stark verwurzelt sind, überlegt der Verfassungsschutz, die Aussteigerprogramme etwa bei muslimischen Organisationen anzusiedeln.

Der Terrorismus-Prozess gegen die "Sauerland"-Gruppe vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht hat den militanten Islamismus auch in Deutschland stärker ins Blickfeld gerückt. So streben die Unions- Innenminister von Bund und Ländern ein Aussteigerprogramm für radikale Muslime an. Auf einer Minister-Tagung in Chemnitz verabschiedeten sie am vergangenen Freitag eine gemeinsame Erklärung, wonach die Rückkehr aus der Islamisten-Szene aktiv unterstützt werden solle, um eine Radikalisierung schon frühzeitig zu verhindern.

Die von Bernd Wagner gegründete Initiative "Exit Deutschland" betreut in erster Linie ausstiegswillige Neonazis und seit kurzem auch Islamisten, die sich aus der Szene herauslösen wollen.

"Wir führen Gespräche mit muslimischen Verbänden oder Imamen, weil diese als Autorität akzeptiert werden", sagt der stellvertretende Leiter des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Burkhard Freier. Vorbild kann nach Ansicht Freiers Großbritannien sein. Dort werde über "Mittler" versucht, eine Verbindung zu der extremistischen Szene aufzubauen.

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