Priestermangel und immer weniger Gläubige – das Erzbistum Köln ist zu einem drastischen Strukturwandel gezwungen.

Immer auf dem Sprung: Für Pfarrer Benedikt Bünnagel ist der Gottesdienst in verschiedenen Kirchen längst Alltag.
Immer auf dem Sprung: Für Pfarrer Benedikt Bünnagel ist der Gottesdienst in verschiedenen Kirchen längst Alltag.

Immer auf dem Sprung: Für Pfarrer Benedikt Bünnagel ist der Gottesdienst in verschiedenen Kirchen längst Alltag.

Venn, Bahrmann

Immer auf dem Sprung: Für Pfarrer Benedikt Bünnagel ist der Gottesdienst in verschiedenen Kirchen längst Alltag.

Ratingen/Neuss. Dass die Zahl der Gemeindemitglieder sinkt und immer weniger junge Menschen Priester werden wollen, ist für viele in der katholischen Kirche eine Entwicklung, die sich nicht stoppen lässt. "Wir müssen damit einfach fertig werden", sagt Benedikt Bünnagel, Pfarrer in Ratingen. Es geht nur noch darum, wie man auf den Trend reagiert.

Das Erzbistum Köln, zu dem etwa zwei Millionen Katholiken gehören, hat sich für drastische Sparmaßnahmen und Zusammenlegungen von Gemeinden entschlossen. Um 90 Millionen Euro ist der Jahresetat gekürzt worden, und aus 700 selbstständigen Gemeinden sollen 180 werden. Ein geordneter Rückzug - "denn wir konnten nicht einfach so weiter machen wie bisher", sagt ein Sprecher des Erzbistums.

Vor Ort bei Benedikt Bünnagel macht sich das folgendermaßen bemerkbar: In den 1990er Jahren gab es in Ratingen noch zehn katholische Pfarreien, heute sind es drei Großgemeinden. Von elf Pfarrern sind vier übrig geblieben.

"Für einen Seelsorger ist das kein überschaubarer Rahmen mehr", sagt Bünnagel dazu - und eine gewisse Nähe sei sicherlich verloren gegangen. "Als Pfarrer ist man jetzt oft auf Achse", sagt er. Von St. Suitbertus nach St. Peter und Paul, von Herz Jesu nach St.Jacobus - von Gottesdienst zu Gottesdienst. Aber das sei eben der Lauf der Zeit.

Dass jetzt Gemeinden fusionieren oder sich zu Pfarreiengemeinschaften zusammenschließen, sehen viele Pfarrer nicht als weiteren Schritt in Richtung Kürzung, sondern sogar als Erleichterung. An den Gottesdiensten ändere sich nichts, wird beteuert, es gehe nur um eine "Strukturfrage". Wenn es weniger Gremien gibt, gibt es auch weniger Sitzungen: "Und man kann sich stärker auf die Seelsorge konzentrieren", sagt Guido Assmann, Kreisdechant in Neuss. "Dass ein Pfarrer nur für eine Gemeinde zuständig ist, das ist ohnehin seit Jahren vorbei", sagt er.

Gemeinden, die zusammen arbeiten, lernen voneinander

Wenn Gemeinden fusionieren, gibt es nur noch eine Pfarrei mit einem Kirchenvorstand.

Bei einer Pfarreien-Gemeinschaft bleiben die einzelnen Kirchenvorstände bestehen. Diese sind dann für die Verwaltung von Liegenschaften, Stiftungen und Friedhöfen zuständig. Alle anderen Aufgaben werden selbstständig durch einen Kirchengemeindeverband ausgeübt.

Assmann, Pfarrer in Neuss-Mitte und zuständig für vier Gemeinden, sieht in der neuen Gliederung vor allem Chancen. "Die Gemeinden, die zusammen arbeiten, können voneinander lernen", sagt er. Als zum ersten Mal die Firmvorbereitung gemeinsam organisiert wurde, habe es beispielsweise einen guten Austausch der verschiedenen Konzepte gegeben. "Aber natürlich gibt es auch Ängste, dass die Identität der ursprünglichen Gemeinden untergeht."

Diese Ängste will das Erzbistum in den nächsten Monaten entkräften. "Wandel gestalten - Glauben entfalten" und "Zukunft heute" sind die Spar- und Fusionsprogramme genannt worden.

Und diese Maßnahmen hätten die katholische Kirche bisher nicht in Depressionen stürzen lassen, sagte Kardinal Joachim Meisner in einer ersten Bilanz: "Vielmehr haben wir erfahren dürfen, dass eine lebendige Kirche nicht in erster Linie von ihren materiellen Möglichkeiten abhängt, sondern von unserer Begeisterung und Offenheit."

Umso gefährlicher kann es für die katholische Kirche werden, wenn die umstrittenen Entscheidungen des Vatikans in Sachen Pius-Bruderschaft sich auch auf das Engagement der Gläubigen auswirken.

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