Urteil: Das Landgericht Wuppertal spricht den 15-jährigen Schüler des versuchten Mordes schuldig. Die Tat lief noch brutaler ab als bisher bekannt.

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In diesem Kanalschacht war Kassandra mehr als fünf Stunden eingesperrt. (Archiv

In diesem Kanalschacht war Kassandra mehr als fünf Stunden eingesperrt. (Archiv

dpa

In diesem Kanalschacht war Kassandra mehr als fünf Stunden eingesperrt. (Archiv

Wuppertal/Velbert. Das Urteil war gerade gefallen, da prasselte auf dem Gerichtsflur ein Blitzlichtgewitter auf den Vater von Kassandra nieder. Was er zum Urteil sage, wie er sich fühle - die Fragen rissen nicht ab. Doch viel sagte der schmächtige Mann nicht, der scheu in die Kameras blickte. Ja, er sei zufrieden mit dem Urteil. Jetzt müssten er und seine Familie das Geschehen erst einmal sacken lassen, zur Ruhe kommen. Und dann, als sich die Journalisten abwenden, huschte in einem kurzen Moment so etwas wie ein Lächeln über sein Gesicht.

"Die Frage nach dem ,Warum’ wird wohl noch lange Zeit bleiben."

Holger Boden, Vertreter der Nebenklage

Kassandras Eltern sind erleichtert. Achteinhalb Jahre Jugendstrafe, so lautet das Urteil des Landgerichts. Eine lange Zeit, für die der gerade mal 15 Jahre alte mutmaßliche Peiniger von Kassandra ins Gefängnis muss. Dass das Urteil nicht noch höher ausgefallen ist, dürfte der Förderschüler vor allem seinem Geständnis am ersten Prozesstag zu verdanken haben.

Wie gestern erstmals bekannt wurde, hat sich die Tat noch brutaler abgespielt als in der Anklage beschrieben. Demnach soll der damals 14-Jährige dem neunjährigem Mädchen aus Velbert-Neviges mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Dann soll er laut Geständnis mit einen Betonstein auf Kassandras Kopf geschlagen haben. Das bewusstlose Mädchen schleifte er zum Kanalschacht und stieß es in die Tiefe.

Täter ließ bis zu 19 Kilo schwere Steine auf Opfer fallen

Aus einer Höhe von 1,50 Metern ließ er bis zu 19 Kilo schwere Steine auf ihren Kopf fallen, um sicher zu gehen, sein Opfer getötet zu haben. Er zog den Deckel über den Schacht und tarnte das Versteck mit Ästen aus Angst vor einer Strafe.

Das Motiv: Angeblich war der Förderschüler sauer darüber, dass Kassandra ihn "verpetzt" habe und er deswegen nicht mehr mit ihrem Bruder spielen durfte. Trotz des absurden Motivs attestierte das Gericht dem Jugendlichen volle Schuldfähigkeit. Mehr wurde zur Persönlichkeit des früh als verhaltensauffällig bezeichneten Jungen nicht bekannt. Die Frage nach dem "Warum", so Nebenklage-Anwalt Holger Boden, werde wohl noch lange bleiben.

Das Landgericht hat den 15-Jährigen wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Einheitsjugendstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und zehn Monate, die Verteidigung fünf Jahre gefordert. Das Gericht hatte im Urteil vor allem die hohe Brutalität der Tat berücksichtigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Öffentlichkeit war von dem Prozess vollständig ausgeschlossen. Wegen des Geständnisses des Jungen konnte der Prozess nach drei Wochen und sechs Verhandlungstagen abgeschlossen werden. Kassandra blieb die Aussage vor Gericht erspart.

Das Urteil habe der Angeklagte "regungslos" aufgenommen, sagte Staatsanwalt Rüdiger Ihl nach Prozessende. Verteidigerin Astrid Denecke nannte den Zustand ihres Mandanten "gefasst". Das Urteil sei hart, sagte sie, sie denke darüber nach, in Revision zu gehen. Der 15-Jährige befindet sich weiter in U-Haft. Kassandra selbst gehe es körperlich gut, sagte Holger Boden. Die traumatischen Erlebnisse müsse sie jetzt mit Hilfe einer Therapie verarbeiten.

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