Ausnahmsweise stellt hier nicht Maybrit Illner die Fragen, sondern sie gibt Antworten – und am Ende des Gesprächs kommt noch Anne Will dazu.

Maybrit Illner wurde vor wenigen Wochen mit der Goldenen Kamera in der Kategorie "Beste Information" ausgezeichnet.
Maybrit Illner wurde vor wenigen Wochen mit der Goldenen Kamera in der Kategorie "Beste Information" ausgezeichnet.

Maybrit Illner wurde vor wenigen Wochen mit der Goldenen Kamera in der Kategorie "Beste Information" ausgezeichnet.

dpa

Maybrit Illner wurde vor wenigen Wochen mit der Goldenen Kamera in der Kategorie "Beste Information" ausgezeichnet.

Berlin. Wir treffen Maybrit Illner im Berliner Café Einstein. Ihr Mineralwasser mag die Moderatorin spritzig - mit einem Schuss Zitronensaft. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt sie, was es heißt, ein "Politik-Junkie" zu sein.

WZ: Frau Illner, zu Beginn ihrer Talkshow-Karriere hieß es: Eine Frau aus dem Osten macht Sabine Christiansen Konkurrenz. Das war vor zehn Jahren. Mittlerweile sind Sie Deutschlands dienstälteste Talkmeisterin.

Maybrit Illner: Stimmt. Und es tut auch noch nicht weh.

Dabei haben Sie doch selbst einmal von der "kommerziellen Verdummungsmaschine Fernsehen" gesprochen. Stimmt der Befund noch?

Illner: Es gibt, glaube ich, grundsätzlich intelligentere Medien, das Buch zum Beispiel. Aber das nichtkommerzielle Fernsehen macht die Dummen nicht unbedingt dümmer und die Klugen sogar ein bisschen klüger.

Können Sie verstehen, wenn Menschen sagen: Ich kann das Palaver nicht mehr hören?

Illner: Wenn damit langweilige und sinnlose Debatten gemeint sind, dann kann ich das sehr gut verstehen. Aber die über zehn Millionen Zuschauer, die wir - zusammen mit den geschätzten Kollegen der ARD - Woche für Woche erreichen, finden bei uns offenbar genug Interessantes und Unterhaltendes. Die politische Talkshow wird seit fünfzehn Jahren totgesagt, aber irgendwie tun die Zuschauer den Unken nicht den Gefallen, sie nicht mehr sehen zu wollen.

Sie haben sich als "Politik-Junkie" bezeichnet. Wie wird man süchtig nach Politik?

Seit 1999 moderiert Maybrit Illner ihre wöchentliche politische Runde im ZDF. Mittlerweile heißt die Sendung "Maybrit Illner". Die Journalistin begann ihre TV-Karriere in der Sportredaktion des DDR-Fernsehens. Als die Mauer fiel, war Maybrit Illner 24 Jahre alt. Kürzlich wurde sie für ihre Sendung mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet - in der Kategorie "Beste Information".

Illner: Ich sauge alles Politische wie mit einem großen Staubsauger auf.

Der junge FDP-Hoffnungsträger Philipp Rösler sagt, er wolle mit 45 Jahren aufhören. Die Politik mache misstrauisch und verändere den Menschen.

Illner: Ich kann das nachvollziehen. Der Politiker muss ständig Kompromisse machen, wird ständig kritisiert. Er bekommt 30 Mal am Tag gesagt, wie ungeschickt eigentlich war, was er gerade erzählt hat und was er alles anders machen soll. Schon deshalb ist der normale Reflex, dass er sich vor allem mit Menschen umgibt, die ihn streicheln und schonen. Auch das ist nicht gesund.

"Ich verspreche: Wenn es die erste langweilige Sendung gibt, höre ich sofort auf."

Wie lange wollen Sie Ihre Talkshow machen?

Illner: Wie wäre es mit noch einer Zehner-Karte?! (lacht) Aber ich verspreche: Wenn es die erste langweilige Sendung gibt, höre ich sofort auf.

Muss Politik unterhaltsam sein?

Illner: Aber klar. Sich mit politischen Sachverhalten zu befassen, schreit nicht zwangsläufig nach Professoren-Kollegium oder tiefer deutscher Melancholie. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Wir machen kein Kabarett, aber auch kein Betroffenheitsfernsehen. Krisendramolette nutzen niemandem - echte Debatten und echte Lösungen sind interessant.

Fehlt ein deutscher Obama?

Illner: Natürlich würde man sich wünschen, dass der eine oder andere Politiker in Deutschland ein wenig obamisiert. Aber stellen Sie sich vor, der Gatte von Kanzlerin Merkel, Professor Sauer, würde irgendwo im Ruhrpott versuchen, ein Festzelt zu rocken. Oder die Anhänger von Steinmeier oder Merkel würden in Berlin vor der Siegessäule "Ja, wir schaffen es" skandieren. Das wäre für deutsche Verhältnisse einfach unpassend. Was wir von Obama unter anderem lernen können, ist die neue Rolle des Internets. Wir sind übrigens die erste Talkshow, die das Internet durch eine Zusammenarbeit mit You Tube zu einem festen Bestandteil ihrer Sendung macht.

Würden Sie sich selbst zur politischen Klasse zählen?

Illner: Natürlich nicht. Ich bin eine muntere Staatsbürgerin - und Journalistin. Und Politiker zu sein, ist ganz bestimmt der härtere Job.

Nervt es Sie, wenn Sie im Zusammenhang mit Ihrem Job auf Ihren Lebenspartner, Telekom-Chef René Obermann, angesprochen werden?

Illner: Das hatte sich sehr schnell erledigt, denn wir können beide Berufliches und Privates sehr gut voneinander trennen.

Schauen Sie sich eigentlich die Sendungen der Konkurrenz an?

Illner: Klar gucken wir regelmäßig, was Anne Will und Frank Plasberg machen. Das ist doch normal. Übrigens bin ich gerade jetzt mit Anne auf einen Kaffee verabredet. (Anne Will betritt das Café Einstein.) Huhu, hier sind wir!

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