Trauer, Trotz, Wehmut: Fans der Traditionsfirma lassen ihren Gefühlen freien Lauf.

Eine Szene wie aus den 1960er Jahren: Picknick mit Opel-Oldtimer. Der Opel Kapitän P 2,6 (gebaut 1959 - 1963) war der letzte Opel, der in der Zulassungsstatistik in der Sechszylinder-Klasse vor Daimler Benz lag.  (Foto aus www.rettetopel.de)
Eine Szene wie aus den 1960er Jahren: Picknick mit Opel-Oldtimer. Der Opel Kapitän P 2,6 (gebaut 1959 - 1963) war der letzte Opel, der in der Zulassungsstatistik in der Sechszylinder-Klasse vor Daimler Benz lag. (Foto aus www.rettetopel.de)

Eine Szene wie aus den 1960er Jahren: Picknick mit Opel-Oldtimer. Der Opel Kapitän P 2,6 (gebaut 1959 - 1963) war der letzte Opel, der in der Zulassungsstatistik in der Sechszylinder-Klasse vor Daimler Benz lag. (Foto aus www.rettetopel.de)

Eine Szene wie aus den 1960er Jahren: Picknick mit Opel-Oldtimer. Der Opel Kapitän P 2,6 (gebaut 1959 - 1963) war der letzte Opel, der in der Zulassungsstatistik in der Sechszylinder-Klasse vor Daimler Benz lag. (Foto aus www.rettetopel.de)

Düsseldorf. Opel-Fahrer haben auch schon mal bessere Zeiten erlebt. Ihre Freundschaft zu dem Unternehmen muss derzeit angesichts der Existenzsorgen des Autobauers harte Prüfungen bestehen. Von Spott bis Mitleid reichen die Reaktionen der Fahrer anderer Marken. Und mancher bislang trotzige Freund des Hauses wird schon wankelmütig: "Selbst ich als Opel-Fan würde aktuell keinen neuen Opel kaufen. Was ist mit Garantie und Ersatzteilversorgung, wenn Opel wirklich pleite geht?" lautet die bange Frage, die ein Fahrer aus Hemer im Internet-Diskussionskreis Opel-Problemforum stellt.

Redeten sie sich einst mit Lust die Köpfe über ihre Autos heiß, müssen sich die Opel-Freunde heute an Stammtischen und im Internet mit komplizierten Fragen der Betriebs- und Volkswirtschaft auseinandersetzen: Wie viel Geld ist nötig, um Opel von der ungeliebten Mutter General Motors loszukaufen, wie steht es um die Rechtsfähigkeit einer deutschen GmbH in ausländischem Besitz, wäre Gazprom ein möglicher Investor, oder darf Opel überhaupt mit dem Geld der Steuerzahler gerettet werden?

Bei all den Diskussionen ist eine tiefe Verbundenheit mit der Traditionsmarke zu spüren. "Ich mag Opel einfach. Ich mag die Geschichte von Opel. Und Opel ist und bleibt Kult", schreibt Astra-Fahrer "Angeleyes" aus Geldern im Forum. "Einmal Opel - immer Opel", assistiert Uwe Wilhelm, und Marcus Ihlenfeld beteuert auf seinem Hochzeitsfoto vor einem Nachkriegskapitän: "Opel gehört schon unser Leben lang zur Familie."

Ihlenfeld ist einer von mehreren hundert Fans, die mittlerweile über 1000 Bilder von ihren Opel-Schätzen mit und ohne Kommentar für das Internet-Portal "rettetopel.de" zur Verfügung gestellt haben. Natürlich wissen die Rüsselsheimer "rettet-opel"-Initiatoren Fritz Schmidt und Stefan Götz, dass Opel nicht mit einem Internet-Auftritt zu retten ist, aber sie bieten den Fans eine Möglichkeit, Gefühle und Erinnerungen zum Ausdruck zu bringen.

Gefühle, die die Initiatoren selbst natürlich ebenfalls hegen. "Ich fahre einen Astra Caravan Baujahr 1992, und den werde ich fahren, solange es irgendwie geht", sagt Stefan Götz (44), freiberuflicher EDV-Trainer. "Aber ich hoffe natürlich, dass Opel erhalten bleibt."

"Das Unternehmen muss weiter existieren, darf nicht sterben!"

Michael Meyer, überzeugter Opel-Fan aus Krefeld.

Auch der Krefelder Opel-Fan Michael Meyer (30) fährt seit fünf Jahren einen Astra-Caravan - "aus vollster Überzeugung, denn nicht nur vom Preis-Leistungsverhältnis her baut Opel einfach die besten Autos." Meyer verfolgt die Diskussion über die Zukunft des Unternehmens mit großem Interesse und ist - natürlich - für einen Erhalt: "Durch die neue, sehr vernünftige Modellpolitik ist Opel doch ganz klar wieder auf dem aufsteigenden Ast. Das Unternehmen muss weiter existieren, darf nicht sterben."

Entstanden sind solche emotionalen Bindungen über Jahrzehnte durch Autos, über die auch die Kundschaft anderer Marken redete: etwa mit dem Rekord mit dem Beinamen der Zuverlässige, dem Kapitän, den auch mal ein Verkehrsminister als Dienstwagen fuhr, dem GT, dessen Fahrgefühl angeblich nur vom Fliegen übertroffen wurde, dem Ascona, der Opel zur Rallye-Weltmeisterschaft trug oder auch dem Manta, der es mit seinem kultigen Prolo-Image sogar zum Filmstar brachte.

Nachdem sich Opel Anfang der 1990er Jahre noch einmal als Speerspitze bei der Katalysatoreinführung hervorgetan hatte, ging es mit der Originalität aber bald zu Ende. Qualitätsprobleme häuften sich, unter anderem ausgelöst durch die rigiden Sparmaßnahmen des früheren Opel-Managers José Ignacio López.

In der Folge stürzte der einst bei knapp 20 Prozent angesiedelte Marktanteil auf zunächst 14 und nunmehr auf etwa sieben Prozent ab - und liegt damit noch unter dem Anteil des Erzrivalen Ford, was die Fans besonders wurmt.

Dabei hat Opel durchaus Pfunde, mit denen der Autobauer wuchern könnte: Die Autos mit dem Blitz zählen laut Greenpeace seit 2002 zu den sparsamsten. Doch wie schon bei der Katalysator-Einführung ist der Umweltschutz kein zugkräftiges Kaufargument. Noch immer schwärmen viele professionelle Autotester lieber von Straßenlage, Beschleunigung und Qualitätsanmutung. Doch auch hier hat Opel aufgeholt und etwa im Qualitätsreport einer Autozeitschrift 2008 den Spitzenplatz belegt. Keine schlechte Ausgangslage für einen Neuanfang, wie die Opel-Autowerker und die Marken-Fans nun hoffen.

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