Muttertag: Ehrentag für Mütter oder nur eine Kommerz-Idee? Kinder aus unserer Region und eine zehnfache Mutter sagen ihre Meinung.

Wuppertal. Es gibt Mütter, die spielen die Bedeutung des Muttertags herunter. Viel schöner sei es doch, wenn die Kinder im restlichen Jahr ihre Liebe zur Mutter mit kleinen Gesten kundtun, sagen sie dann achselzuckend. Katja Schmidt (40) aus Wuppertal zählt ganz gewiss nicht zu den Verweigerern dieses blumigen Sonntags im Mai. Sie hat sich schon mehrmals über "rührende Erlebnisse" an diesem Feiertag freuen dürfen.

Zehnköpfiger Kinderchor singt ein Lied von Rolf Zuckowski

Ihre familiären Umstände bieten auch beste Voraussetzungen für ein idyllisches Fest. Wenn Katja Schmidt am Sonntagmorgen verschlafen ins Wohnzimmer tapst, sitzen zehn Kinder plus Ehemann am gedeckten Frühstückstisch. Kinder, die allesamt ihre eigenen sind und, das behauptet sie zumindest, ein entspanntes Verhältnis zu ihrer Erzeugerin haben.

Felino, der jüngste, ist sieben Monate alt, Dennis, der älteste, 22 Jahre. "Einmal hat mir jedes Kind eine Rose geschenkt, ein anderes Mal haben sie mir zusammen ein Ständchen von Rolf Zuckowski gesungen", erzählt sie.

Der Muttertag, der hierzulande erstmals 1922/23 durch Plakatkampagnen des Verbands Deutscher Blumengeschäftsinhaber die Öffentlichkeit eroberte, weckt Sehnsüchte nach Harmonie - bei den Kindern, bei den Müttern. Bei der Familie Schmidt sind diese Sehnsüchte offensichtlich authentisch, oftmals werden sie aber auch von der Werbeindustrie lanciert: Die Werber versuchen, weichgezeichnete Vorstellungen mit üppigen Blumensträußen und glitzerndernden Pralinenschachteln ins Bewusstsein zu rücken. Schließlich ist der Muttertag auch ein gewinnbringendes Geschäft für Branchen wie den Einzelhandel - auch und besonders in Krisenzeiten.

Blumenhändler rechnen mit einem Umsatz von 130 Millionen Euro

Deutschlands Blumenhändler rechnen 2009 mit einem Umsatz zwischen 120 und 130 Millionen Euro in der Muttertagswoche. Von Gewinneinbrüchen angesichts der Wirtschaftsmisere könne keine Rede sein, sagt eine Sprecherin des Fachverbandes deutscher Floristen. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) geht davon aus, dass jeder Deutsche im Schnitt 25Euro jährlich ausgibt für Muttertagsgeschenke.

1914 führte Präsident Woodrow Wilson den Muttertag in den USA als nationalen Feiertag ein. Er gründete auf einer Idee der Lehrerin Anna Marie Jarvis aus Virginia, die dabei feministische Motive verfolgte.

In den 20er Jahren hat sich der Tag in Deutschland etabliert - auf Betreiben des Blumenhandels und danach des Verbands "Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung". Die Nazis vereinnahmten das Fest später für ihren völkischen Mutterkult.

Die Soziologin Elba Frank sagt denn auch: "Der Muttertag ist in erster Linie ein kommerzielles Fest." In ihrer Studie "Die Institution Muttertag" entdeckt sie ein Schenkritual, dem auch im Zeitalter der Patchwork-Familien und Single-Haushalte ungebrochen gehuldigt wird. Die Präsente sind allgegenwärtig: "In den Werbeunterbrechungen laufen Spots für Süßigkeiten rauf und runter, an Schulen und Kindergärten wird fleißig gebastelt."

Für die Wuppertaler Mutter Katja Schmidt dürfte der Anblick ihrer zehn glücklichen Kinder am Frühstückstisch schon Geschenk genug sein.

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