Ingenieurkammer-Präsident über die Gefahr von Hochwasser für den U-Bahn-Bau. Aktien von Baukonzern Bilfinger Berger fallen.

Die Baustelle der U-Bahn-Station Heumarkt: Bei einem Hochwasser-Pegel von mehr als vier Metern droht dort möglicherweise Einsturzgefahr.
Die Baustelle der U-Bahn-Station Heumarkt: Bei einem Hochwasser-Pegel von mehr als vier Metern droht dort möglicherweise Einsturzgefahr.

Die Baustelle der U-Bahn-Station Heumarkt: Bei einem Hochwasser-Pegel von mehr als vier Metern droht dort möglicherweise Einsturzgefahr.

dpa

Die Baustelle der U-Bahn-Station Heumarkt: Bei einem Hochwasser-Pegel von mehr als vier Metern droht dort möglicherweise Einsturzgefahr.

Köln. Hochwasser kann für die verpfuschte U-Bahn-Baustelle in der Kölner Innenstadt nach Ansicht eines Experten zur ernsthaften Gefahr werden. Durch die fehlenden Eisenbügel sei die nötige Stabilität bei steigendem Grundwasser von einem gewissen Punkt an nicht mehr gewährleistet.

"Wenn die Grube nicht rechtzeitig stabilisiert werden kann, bleibt eine Flutung die einzige Möglichkeit", sagte der Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW, Heinrich Bökamp. "Bei den ursprünglichen Berechnungen für die Stabilität war sicherlich das Hochwasser als Extrembelastung zugrunde gelegt worden. Nun hat man aber festgestellt, dass die Baugrubenkonstruktion nicht so ist, wie sie sein sollte. Damit treffen die Berechnungen nicht mehr zu."

"Wenn der Rhein hochkommt, steigt das Grundwasser in gleichem Maße."

In der vergangenen Woche hatte sich herausgestellt, dass in der Baugrube am Heumarkt nur 17 Prozent der vorgesehenen Eisenbügel, die zur Stabilisierung dienen, eingesetzt wurden.

Bökamp erläuterte, dass das erwartete Tauwetter und das damit einsetzende Rhein-Hochwasser unmittelbare Auswirkungen auf die Höhe des Grundwasserspiegels haben werden. "Beim Kölner Baugrund handelt es sich um durchlässigen Kiesbaugrund. Das heißt, wenn der Rhein hochkommt, steigt das Grundwasser in gleichem Maße." Zwar nehme dieses Phänomen mit zunehmender Entfernung vom Rhein ab - "aber ein Kilometer ist da nichts". Die Entfernung vom Rhein zum Heumarkt beträgt nur etwa 300 Meter.

Als Folge könnte das Grundwasser die Wände der Baugrube eindrücken, so dass schlimmstenfalls auch den angrenzenden Gebäuden der Boden weggezogen würde. "Wenn es nicht rechtzeitig gelingt, die Wände der Baugrube abzustützen, dann muss man deshalb die Grube fluten", sagte Bökamp. So werde erreicht, dass der Druck von innen und außen gleich ist. "Das Fluten geht recht schnell und birgt vergleichsweise geringe Risiken für umliegende Häuser", betonte der Diplom-Ingenieur.

Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger ging 1975 aus der Fusion von drei Baugesellschaften hervor. Deren historische Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1880. Der in Mannheim ansässige börsennotierte Konzern gilt als zweitgrößtes deutsches Bauunternehmen nach der Hochtief AG.

Weltweit arbeiten rund 61.000 Menschen in rund 50 Ländern für Bilfinger Berger, davon 24.000 in Deutschland.

Nach den Mitte Februar vorgelegten Zahlen setzte der Konzern 2009 etwa 10,4 Milliarden Euro um, rund die Hälfte davon wurden mit Dienstleistungen erwirtschaftet. Dort reicht das Leistungsspektrum von der Beratung über die Entwicklung und Planung bis zur Finanzierung eines Projekts. Der Gewinn des Konzerns sank von 200 Millionen Euro auf 140 Millionen Euro.

Mit sinkendem Grundwasserstand könne das Wasser in der Grube wieder abgepumpt werden. Allerdings handele es sich beim Fluten um eine Notlösung: "Eine Baugrube voll mit Wasser ist sicherlich kein gewünschter Zustand, sondern kommt quasi einem Rückbau gleich."

Die Schwierigkeiten beim Bau der Kölner U-Bahn lasten inzwischen auch auf dem Aktienkurs des Baukonzerns Bilfinger Berger, der federführend ist in dem Bau-Konsortium, zu dem auch die niederländische Royal BAM Groep und die Tochtergesellschaft Züblin der österreichischen Strabag gehören. Der Kurs der Bilfinger-Berger-Aktien gab Dienstag um bis zu 4,4 Prozent nach auf einen Wert um 49,80 Euro. "Die Anleger fürchten, dass es Schadenersatzforderungen geben könnte", sagte ein Börsenhändler.

Bilfinger-Chef Bodner hatte am vergangenen Donnerstag erklärt, für den Bau in Köln seien keine Rückstellungen gebildet worden, da Bilfinger Berger dies nicht für erforderlich halte. Der Konzern sei "versicherungstechnisch sicher". Doch darauf scheinen sich viele Anleger nicht verlassen zu wollen.

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