Opfer hatten unter Bäumen Schutz gesucht. Hohe Schäden nach Gewittern am Niederrhein.

Ingo Martell, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Archäologischen Parks Xanten, zeigt auf das Einschlagsloch des Blitzes. Mit Rettungshubschraubern wurden die Schwerverletzten in Spezialkliniken geflogen (oben rechts). Kurz vor dem Unwetter waren tausende Menschen auf dem Gelände des Parks (u.r.).  (Fotos (3): dpa)
Ingo Martell, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Archäologischen Parks Xanten, zeigt auf das Einschlagsloch des Blitzes. Mit Rettungshubschraubern wurden die Schwerverletzten in Spezialkliniken geflogen (oben rechts). Kurz vor dem Unwetter waren tausende Menschen auf dem Gelände des Parks (u.r.). (Fotos (3): dpa)

Ingo Martell, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Archäologischen Parks Xanten, zeigt auf das Einschlagsloch des Blitzes. Mit Rettungshubschraubern wurden die Schwerverletzten in Spezialkliniken geflogen (oben rechts). Kurz vor dem Unwetter waren tausende Menschen auf dem Gelände des Parks (u.r.). (Fotos (3): dpa)

Ingo Martell, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Archäologischen Parks Xanten, zeigt auf das Einschlagsloch des Blitzes. Mit Rettungshubschraubern wurden die Schwerverletzten in Spezialkliniken geflogen (oben rechts). Kurz vor dem Unwetter waren tausende Menschen auf dem Gelände des Parks (u.r.). (Fotos (3): dpa)

Xanten. Die erste Warnung kam 15 Minuten, bevor das Gewitter mit aller Gewalt über Xanten hereinbrach. Fünfmal wurden die Besucher des beliebten Römerfestes am Niederrhein über Lautsprecher aufgefordert, Schutz unter festen Unterständen zu suchen. Doch viele im Archäologischen Park taten genau das, was man bei einem Gewitter auf keinen Fall tun sollte: Sie flüchteten sich unter Bäume. Dann schlug der Blitz ein -zwar in den Boden, aber die elektrische Spannung, die sich entlud, war gewaltig. 13 Menschen wurden am Samstagnachmittag verletzt. Vier von ihnen erlitten schwere Verbrennungen.

Binnen weniger Minuten waren mehr als 300 Rettungskräfte im Archäologischen Park. Ein 13-jähriges Mädchen konnte durch Rettungskräfte noch am Unglücksort wieder belebt werden. Die anderen Opfer hätten Schocks erlitten, sagte ein Polizeisprecher. Rettungswagen und drei Rettungshubschrauber brachten die Verletzten in Krankenhäuser nach Bochum und Duisburg.

Über den Gesundheitszustand der Schwerverletzten wurde am Sonntag zunächst nichts bekannt. Bei den Opfern handelte es sich laut Polizei um Erwachsene und Kinder aus dem gesamten Bundesgebiet und aus den Niederlanden. Notfallseelsorger kümmerten sich nach dem Unglück um Angehörige und Besucher.

Programmleiter: Besucher wurden mehrmals rechtzeitig gewarnt

Der Blitz schlug zwischen Linden und einer Schwarzkiefer in den Boden ein, sagte der Pressesprecher und Programmleiter des Parks, Ingo Martell. Das Loch war 62 Zentimeter tief, hatte aber nur wenige Zentimeter Durchmesser.

Der Deutsche Wetterdiensthatte von mittags bis zum Nachmittag immer wieder aktualisierte Unwetter- und Gewitterwarnungen für Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Programmleiter Martell wies Vorwürfe zurück, die Besucher zu spät gewarnt zu haben. Es sei nach dem Notfallplan gehandelt worden. Die Warnung sei viermal wiederholt worden. Ausdrücklich seien die Besucher aufgefordert worden, Schutz unter festen Unterständen wie dem rekonstruierten Amphitheater, dem Tempel und der römischen Herberge zu suchen. All diese Gebäude seien innerhalb einer Minute im Park zu erreichen.

Auf Freiflächen in die Hocke gehen und die Füße so eng wie möglich zusammenstellen. Nicht flach auf den Boden legen, weil dies die Angriffsfläche zur Stromaufnahme vergrößert. Die Nähe großer Bäume oder Sendemasten meiden, stattdessen eine Senke oder tiefer gelegene Stelle aufsuchen.

Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte das Gefährt abstellen und davon Abstand suchen. Keinesfalls einen Schirm aufspannen. Mobiltelefone und andere elektrische Teile ausschalten, direkten Kontakt mit Metall auf jeden Fall vermeiden.

Schwere Unwetter mit starkem Regen, Blitz und Donner haben auch an anderen Stellen am Niederrhein große Schäden angerichtet. Mehrere Wohnhäuser und Dachgeschosse gerieten durch Blitzeinschläge in Brand. In Bedburg-Hau konnten Bewohner ihren nach einem Blitzeinschlag brennenden Dachstuhl selbst löschen. Der Hausbesitzer erlitt eine Rauchvergiftung. In Xanten schlug zeitgleich zu dem Unglück im Archäologischen Park ein Blitz in ein Doppelhaus ein und zerstörte das Obergeschoss. Im Ratinger Stadtteil Breitscheid schlug ein Blitz in den Giebel eines Einfamilienhauses ein. Zwei Hausbewohner wurden in die Uniklinik Essen gebracht.

Vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen hielten hielten Polizei und Feuerwehr entlang des Rheins im Dauereinsatz. Allein in Viersen gingen binnen eineinhalb Stunden 170 Notrufe bei der Einsatzleitstelle ein. Dort waren Straßenzüge überflutet und Bäume auf die Fahrbahnen gestürzt. In der Viersener Festhalle lief der Keller voll; im Technikraum stand das Wasser einen halben Meter hoch. "Land unter" auch im benachbarten Mönchengladbach, wo die Regenmassen Gullydeckel hochdrückten und den Verkehr lahmlegten. Die Feuerwehr rückte zu 403 Einsätzen aus. Auch die A61 war betroffen: Die Anschlussstelle Mönchengladbach-Nordpark musste bis in die Nacht hinein gesperrt werden.

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