München. Mehr als 13 Jahre wartet das Opfer eines brutalen Überfalls in der Münchener U-Bahn schon auf einen Richterspruch. Nun kommt weitere Wartezeit hinzu. Die Jugendstrafkammer des Landgerichts München I eröffnete den Prozess gegen zwei angeklagte Vettern am Donnerstag - und vertagte ihn sofort auf kommende Woche.

Der Anwalt des jüngeren Angeklagten hatte um mehr Zeit für die Vorbereitung der Verteidigung gebeten. Sein 31 Jahre alter Mandat war erst vor wenigen Tagen aus Italien ausgeliefert worden.

Die beiden Beschuldigten sollen am 19. Juli 1996 zusammen mit einem bereits früher verurteilten Freund einen jungen Schreiner niedergeschlagen und mit einem Klappmesser lebensgefährlich verletzt haben. Die Vettern werden des versuchten Mordes beschuldigt. Sie waren nach der Tat untergetaucht. Der Ältere, inzwischen 32 Jahre alt, wurde Ende 2008 in der Schweiz gefasst. Der Jüngere ging den Fahndern kürzlich in Italien ins Netz.

Das zur Tatzeit 23 Jahre alte Opfer hatte die Angreifer am Bahnsteig eines U-Bahnhofs auf das Rauchverbot hingewiesen. Dies war laut Anklage das Motiv für die Attacke: Die Burschen schlugen den Mann nieder, der heute 31-Jährige stach mit dem Klappmesser zehnmal auf den Passanten ein. Dabei wurden dem Angegriffenen der Dünndarm durchtrennt und die Lunge perforiert. Ein Stich gegen das Herz blieb im Geldbeutel in der Brusttasche des Opfers stecken.

Die Angeklagten sollen dann auf den bereits lebensgefährlich verletzten Mann auch noch so heftig eingetreten haben, dass er in das Gleisbett fiel. Anschließend rannten sie weg. Nur eine Notoperation hielt den Schreiner am Leben. Der Blutverlust fügte ihm aber bleibende Schäden zu. Der Verletzte musste fünf weitere Operationen über sich ergehen lassen. Er wurde bis September 1996 im künstlichen Koma gehalten und war noch bis Januar 1997 in Behandlung.

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