Wenn Apple neue Produkte präsentiert, schlägt das hohe Wellen. Während aber die Wellen des Flaggschiffs "iPhone", gemessen an den Verkaufszahlen im Vergleich zu den Smartphone-Konkurrenten aus China und Korea, zunehmend flacher werden, erreicht die Brandung immer mehr die Schweizer Uhrenhersteller. Grund dafür sind die vergleichsweise hohen Verkaufszahlen der Apple Watch: Im Jahr 2015 soll Apple eigenen Angaben zufolge zum zweitgrößten Uhrenhersteller der Welt aufgestiegen sein. Nur Rolex macht in diesem Markt noch mehr Umsatz. Sind die kultisch verehrte Computerfirma und der längst zu einem modernen Mythos avancierte Uhrenhersteller inzwischen Konkurrenten?

Game of "Watch-Thrones": Wer ist denn nun der Uhrenkönig?
Eines ist nicht von der Hand zu weisen: Die Schweizer Uhrenindustrie musste im Juli einen Umsatzrückgang von 14,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen. Mit Blick auf die Verkaufszahlen von Apples Smartwatch prophezeit ein US-Technikmagazin der Schweizer Uhrenbranche gar ihren baldigen Untergang. Die Gründe dafür sind vielfältig, vor allem der schwächelnde chinesische Markt sorgte zuletzt für Exporteinbrüche. Auch der Fernreisetourismus in die Schweiz brachte aufgrund von Terrorgefahr weniger gutbetuchte Gäste in das Alpenland. Nicht zuletzt setzen Smartwatches dem unteren Preissegment traditioneller Uhren zu – Betonung auf "unteres Preissegment". In dieser Preisklasse verlieren klassische Uhren am deutlichsten gegenüber ihren smarten Konkurrenten.

Dass Apple zunehmend dieses Segment in den Fokus nimmt, kristallisiert sich immer mehr heraus: Mit Verkünden der Verkaufszahlen der Apple Watch wurde still und heimlich das goldene Luxusmodell der Smartwatch eingestampft. Weitere Auflagen dieser 10.000 bis 20.000 Euro teuren Uhr wird es nicht mehr geben. In einem Artikel der ARD heißt es, dass die "Edel-Smartwatch kommentarlos und über Nacht" von der Internetseite verschwand. Mit diesem Schritt zieht sich Apple überraschend aus eben jenem Marktsegment zurück, in dem Rolex sich über Jahrzehnte als Platzhirsch behaupten konnte. Hier liegt der Grund, warum Apple mit Smartwatches niemals in Konkurrenz zu luxuriösen mechanischen Uhren treten kann – und offenbar auch nicht will: Eine goldene Uhr für so viel Geld muss auch in zwei Jahren noch aktuell sein.

Neue Daytona: Legendäres Uhrenmodell zementiert Rolex-Kult
Genau mit dieser Stärke brüsten sich hingegen Uhrenmarken wie Rolex: Die luxuriösen Zeitmesser ticken auch in Jahrzehnten noch, werden an kommende Generationen vererbt oder als Wertanlage im Tresor eingeschlossen. So zum Beispiel die Rolex Daytona, die wohl meistbegehrte Luxusuhr. Bei der Frage nach Reputation und Berühmtheit stellt sie selbst vergleichbare Kult-Rennfahreruhren wie die Omega Speedmaster oder die TAG Heuer Carrera in den Schatten – auch dieser Vergleich aller drei Modelle bezeichnet sie als den wohl "berühmtesten" der drei Chronographen. Eine Wertsteigerung ist im Grunde garantiert – nicht zuletzt dank Paul Newman, der dem Modell seinerzeit als prominentester Träger zu ihrem jetzigen Weltruhm verhalf. Dass eine Daytona auch nach Jahrzehnten noch begehrt ist, zeigen die Rekordsummen, die bei Auktionen für den begehrten Uhren-Mythos gezahlt werden, und die ungebrochene Nachfrage für die längst vergriffene 2016er Neuauflage.

Zwei Sieger in zwei Marktsegmenten
Von "Konkurrenz" kann in Anbetracht dieses Vergleichs nur bedingt gesprochen werden: Es scheint vielmehr, als erobere Apple mit seiner Smartwatch das Preissegment bis 1.000 Euro, wohingegen traditionelle Uhrenmanufakturen sich weiterhin auf ihr Kerngeschäft der mittleren und oberen Luxusklasse konzentrieren. Dass diese in Smartwatches vielleicht doch eine Zukunft wittern, beweisen neue Luxus-Smartwatches – allen voran die TAG Heuer Connected.

Ebenso ironisch wie geschickt ist der Schachzug, dass diese möglichst analog aussehen soll und TAG Heuer Käufern einer Connected später den Umstieg auf eine mechanische Uhr ermöglicht.



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