Internetzugang gibt Tempo vor
Egal wie schnell der Router theoretisch sein mag: Wer darüber auf das Internet zugreift, muss sich mit dem gebuchten Tempo des Internetzugangs begnügen. Foto: Bodo Marks/dpa-tmn

Egal wie schnell der Router theoretisch sein mag: Wer darüber auf das Internet zugreift, muss sich mit dem gebuchten Tempo des Internetzugangs begnügen. Foto: Bodo Marks/dpa-tmn

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Egal wie schnell der Router theoretisch sein mag: Wer darüber auf das Internet zugreift, muss sich mit dem gebuchten Tempo des Internetzugangs begnügen. Foto: Bodo Marks/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - 400, 600 oder 800 Megabit pro Sekunde (Mbit/s)? Oder gar ein Gigabit und mehr? Glaubt man den Angaben auf den Verpackungen von WLAN-Routern, kann es im Heimnetzwerk eigentlich keinen Stau und kein Stocken beim Videostreaming geben. Doch in der Praxis geht es meist langsamer zu.

Besonders beim WLAN weichen die in der Praxis erreichten Geschwindigkeiten häufig stark von den Angaben im Datenblatt ab. Das hat technische Gründe, wie Ernst Ahlers vom Computermagazin «c't» erklärt. Für alle Geräte im vom Router errichteten Funknetz gibt es bei WLAN nur einen Übertragungskanal - den gewählten Funkkanal. «Diese können bisher nicht gleichzeitig senden und empfangen», sagt er. «Deshalb sieht das WLAN-Übertragungsprotokoll Sendepausen vor, während denen alle lauschen müssen, um sich zu einigen, wer als Nächster senden darf.» In diesen Pausen fließen keine Datenströme. «Dennoch fliegen die einzelnen WLAN-Datenpakete bei guter Funkverbindung tatsächlich auch mal mit der Maximalgeschwindigkeit.»

Manche Router, bei WLAN 2,4 und 5 Gigahertz (Ghz), manchmal auch schon 60 GHz, bedienen mehrere Funkbänder gleichzeitig - eine sogenanntes «simultan dualband». Deren maximal mögliche Datenraten werden dann oft in der Werbung addiert: «Beispielsweise werden aus 300 Mbit/s brutto auf 2,4 GHz und 867 Mbit/s brutto auf 5 GHz dann 1167 oder gerundet 1200 Mbit/s», sagt Ehlers. Ein sehr theoretischer Wert, «weil alle mir bisher bekannten Clients immer nur auf einem Funkband arbeiten.» Generell gilt: Das typische Brutto-Netto-Verhältnis bei WLAN liegt bei ungefähr 50 Prozent. Grundsätzlich falsch sind die Versprechungen auf der Packung also nicht, aber eben auch nicht realistisch.

Und es gibt noch einen Faktor: «Das Heimnetz ist beim Internetzugriff höchstens so schnell wie die langsamste Komponente», sagt Kai Petzke vom Telekommunikationsportal «Teltarif.de». Soll heißen: Ein altes Notebook mit langsamem WLAN wird auch durch einen Router mit modernster Funktechnik nicht beschleunigt.

Techniken wie MIMO (Multiple Input Multiple Output) sollen mehr Tempo ins Funknetz bringen. Dabei kommen mehrere Funkantennen zum Einsatz, die parallele Datenströme senden, heißt es im «CHIP» WLAN-Handbuch 2017. Beispiel: Wird über einen MIMO-Router mit drei Antennen eine große Videodatei gestreamt, übermittelt im Optimalfall jede Sendeeinheit ein Drittel der Daten. Beim verbreiteten WLAN-Standard 802.11n sind das theoretisch 150 Mbit/s pro Datenstrom, beim neueren Standard 802.11ac nominell 433 Mbit/s. Theoretisch.

In der Praxis stören noch viele Faktoren die Funktion und damit am Ende auch die Geschwindigkeit des Datenflusses im WLAN: Funknetze der Nachbarn, Wände und Betondecken oder ein ungünstiger Aufstellungsort des Routers. All das kann das Funknetz weiter verlangsamen. Und längst nicht alle Geräte beherrschen die modernen Übertragungstechniken. «Es nützt beispielsweise wenig, wenn ein Router im 5-GHz-Band bis zu 867 Mbit/s brutto leisten kann, aber alle Clients sich um sein 2,4-GHz-Funkmodul balgen, das maximal 300 Mbit/s brutto schafft», sagt Ernst Ahlers. Viele ältere oder günstigere Geräte funken häufig noch gar nicht auf 5 Gigahertz.

Doch auch wenn viele Highspeed-Router am Ende nicht die beworbene Geschwindigkeit liefern können, mit moderneren Standards und Techniken wie MIMO können sie trotzdem die wachsende Anzahl an vernetzten Geräten in modernen Haushalten besser auffangen.

Und noch eine Sache darf man nicht vergessen: Die angegebenen Maximalgeschwindigkeiten für Router beziehen sich immer nur auf den Datenaustausch innerhalb des Netzwerks. Werden Daten direkt aus dem Internet geladen, spielt die Maximalgeschwindigkeit des WLAN keine Rolle. Dann geht alles nur so schnell, wie es der Internetzugang zulässt. «Beim eigentlichen Internetzugang sind es bei ADSL maximal 16 Mbit/s, bei VDSL üblicherweise 25 bis 50 Mbit/s, bei VDSL Vectoring bis zu 100 Mbit/s und beim Kabelanschluss bis zu 400 Mbit/s», sagt Kai Petzke. Auch das sind wieder theoretische Werte, die in der Praxis nicht immer erreicht werden.

Am einfachsten ist die Sache mit der Übertragungsgeschwindigkeit noch, wenn Computer oder andere Netzwerkgeräte per LAN-Kabel mit dem Router verbunden wird. «Wenn Router wie Laptop Gigabit-Ethernet-Ports aufweisen, sind mit dem Kabel zuverlässig 1000 Mbit/s drin, sonst immerhin 100 Mbit/s», sagt Kai Petzke.

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