Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Längst nicht mehr nur Spiegelreflexkameras bieten den Vorteil austauschbarer Objektive. Fotografen haben inzwischen auch bei anderen Kameratypen die Wahl. Die Frage ist, welches Objektiv wann eingesetzt wird.

Normalobjektive vermitteln einen Bildeindruck, der ungefähr der Wahrnehmung des menschlichen Auges entspricht. Das ist nicht etwa, wie oftmals angenommen wird, auf die Brennweite zurückzuführen, sondern auf den Bildwinkel, erklärt der Photoindustrie-Verband in Frankfurt. Bei einem Normalobjektiv entspricht dieser in etwa der Bilddiagonalen. Daraus lasse sich aber wieder die Brennweite berechnen. Sie beträgt beim Kleinbildfilm rund 50 Millimeter (mm), bei Digitalkameras mit APS-C-Sensor um die 35 mm und beim Mittelformat 80 mm. Normalobjektive seien meist ein Garant für sehr gute optische Eigenschaften.

Teleobjektive sollen Entferntes größer abbilden. Natur- und Sportfotografen kommen ohne ein solches Spezialobjektiv nicht aus. Die besten Abbildungsleistungen bieten sogenannte apochromatische Objektive. In Fotos, die mit einem «Tele» mit großer Brennweite aufgenommen werden, rücken in der Tiefe gestaffelte Bildteile näher zusammen. Leichte Telebrennweiten sind die bevorzugten Porträtobjektive, weil sie die natürliche Gesichtsform betonen. Außerdem lassen sich mit lichtstarken Teleobjektiven Objekte sehr gut gegen einen unscharfen Hintergrund freistellen.

Weitwinkelobjektive heißen Objektive mit Brennweiten unterhalb der Normalbrennweite. Sie bilden einen größeren Bereich ab, als das menschliche Auge wahrnehmen kann. Mit ihnen lassen sich zum Beispiel kleine Räume groß darstellen. Inzwischen gibt es sogar Ultraweitwinkelobjektive mit nur wenigen Millimetern Brennweite. Solche extremen Objektive verzerren allerdings stark und sind für Personenaufnahmen nur eingeschränkt zu gebrauchen.

Fischaugenobjektive bilden nahezu einen Bildwinkel von 180 Grad ab. So werden verblüffende Effekte mit sehr großer Schärfentiefe möglich. Allerdings nicht bei Aufnahmen von Menschen - diese finden sich auf Bildern arg verzerrt wieder.

Makroobjektive eignen sich, um kleine Dinge formatfüllend und in Originalgröße abzubilden. Was zum Beispiel in der Realität drei Zentimeter groß ist, wird auch auf Film oder Chip drei Zentimeter groß abgebildet (Maßstab 1:1). Manche Objektive ermöglichen sogar Vergrößerungen von 4:1. Sie lassen sich dann konstruktionsbedingt aber manchmal nur für Nahaufnahmen einsetzen, weil sie weiter entfernte Objekte nicht mehr scharf abbilden können. Die Mehrzahl der Makroobjektive kann aber durchgängig scharfstellen.

Shiftobjektive sind zum Beispiel für Aufnahmen interessant, bei denen parallel verlaufende Linien auch dann noch parallel abgebildet werden sollen, wenn die Kamera schräg nach oben oder unten gehalten wird. Das ist zum Beispiel beim Fotografieren von Architektur der Fall. Ohne Shiftobjektiv müsste man eine erhöhte Position einnehmen, damit es keine «stürzenden Linien» gibt und ein Gebäude nach hinten «kippt». Mit einem solchen Spezialobjektiv gewinnt der Fotograf quasi an Höhe, ohne auf eine Leiter steigen zu müssen.

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