Treffen der Tech-Größen: Microsoft-Chef Satya Nadella betritt bei der DLD-Konferenz die Bühne. In München diskutieren hochkarätige Gäste über Entwicklungen rund um die Digitalisierung. Foto: Tobias Hase
Treffen der Tech-Größen: Microsoft-Chef Satya Nadella betritt bei der DLD-Konferenz die Bühne. In München diskutieren hochkarätige Gäste über Entwicklungen rund um die Digitalisierung. Foto: Tobias Hase

Treffen der Tech-Größen: Microsoft-Chef Satya Nadella betritt bei der DLD-Konferenz die Bühne. In München diskutieren hochkarätige Gäste über Entwicklungen rund um die Digitalisierung. Foto: Tobias Hase

dpa

Treffen der Tech-Größen: Microsoft-Chef Satya Nadella betritt bei der DLD-Konferenz die Bühne. In München diskutieren hochkarätige Gäste über Entwicklungen rund um die Digitalisierung. Foto: Tobias Hase

München (dpa) - Der Schock über den Wahlsieg von Donald Trump sitzt den sonst so selbstsicheren US-Tech-Giganten noch in den Knochen. Doch die Verarbeitung läuft: Einig sind sie sich, dass die Unzufriedenen in wirtschaftlich benachteiligten Regionen der USA die Wahl entschieden haben.

Sie warnen vor einer neuen Masse von Verlierern der Digitalisierung, die von Maschinen aus ihren Jobs gedrängt werden. Und sie versprechen, sich zu kümmern.

Und das ist auch dringend nötig, warnen Experten auf der Internetkonferenz DLD in München. «Ich fürchte mich zu Tode», bekannte Silicon-Valley-Veteran Joe Schoendorf von der DLD-Bühne. «Wir reden über die Zukunft der Arbeit als ob es wirklich um die Zukunft ginge» - aber der Umbruch sei bereits voll im Gange. Schon jetzt drängten Maschinen Menschen aus den Jobs, egal, ob bei Fast-Food-Ketten oder in Anwaltskanzleien.

Die Beratungsfirma McKinsey erklärte in einem neuen Bericht, dass in der Hälfte der Jobs weltweit Menschen durch Technik ersetzt werden könnten. In Handel und Transportgewerbe liege der Anteil bei 42 Prozent, im Gastgewerbe sogar bei 75 Prozent, in Finanzbranche und Versicherungen immerhin noch bei 37 Prozent.

Es ist eine Langzeitprognose, die Fristen sind unklar - aber absehbar ist, dass viele Arbeitnehmer in allen Bereichen ihre Stellen an Maschinen abtreten werden. Wie wird ihr Leben danach aussehen? «Wenn Menschen keine Hoffnung haben, passieren irrationale Dinge», warnte Schoendorf. Und die oft genannte Bildung sei keine Lösung für die heutigen Probleme: «Bildung ist unser 20-Jahres-Plan.»

Die Manager von Microsoft, Amazon oder Google sprechen in München viel von der Demokratisierung von Produkten - von der Krebstherapie bis zur individuellen Mobilität. Die Digitalisierung berge vor allem Chancen, auch für die, die zunächst die Verlierer neue Technologien seien. Die Konzerne müssten mehr tun, damit alle von den Segnungen moderner Technik profitieren können, beschworen führende Vertreter aus Wissenschaft und Industrie wie Oxford-Professor Ian Golding.

Der sieht die Welt an einem Scheideweg. Eigentlich seien die Voraussetzung so gut wie vielleicht nie zuvor. In der Lebenszeit der meisten Menschen auf der Erde könnten Armut, Hunger und viele Krankheiten besiegt werden, auch dank der digitalen Revolution. Zugleich entfessele der Wandel in der Arbeitswelt Kräfte, die am Ende alles zerstören könnten. Donald Trumps Wahl dürfte für viele ein Wendepunkt sein, auch weil am Ende eine Überraschung war. Dennoch: Im Umgang mit Präsident Trump dürfte auch im Silicon Valley der Pragmatismus im Umgang die Oberhand behalten.

Vor wenigen Wochen saßen Spitzen von Apple, Amazon, Google, Microsoft oder Facebook mit Trump zusammen - sie hatten mehr oder weniger offen Hillary Clinton unterstützt. Bilder von ratlos dreinblickenden Managern neben dem künftigen Präsidenten füllten danach die sozialen Netzwerke. Über Inhalte war kaum etwas zu erfahren.

Nun umriss Microsofts Chefjustiziar Brad Smith, der bei dem denkwürdigen Treffen im Trump Tower mit am Tisch saß, eines der Themen in München so: «Was können wir als Industrie tun, um die Vorzüge der Technologie zu den Menschen zu bringen, die davon bisher nicht profitierten.» Die Branche müsse stärker zum wirtschaftlichen Wachstum beitragen. Für viele sei das jetzt ein Moment der Angst, räumte Smith ein. «Aber wir sollten uns Fragen, wofür stehen wir? Wir haben uns ja nicht verändert wegen einer Wahl.»

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