Der Weltraum, unendliche Weiten - wer bei diesem Satz sofort an eine Fernsehsendung denkt und sich zudem gerne in Online-Rollenspielen tummelt, wird den Februar herbeigesehnt haben. Mit Star Trek Online, kurz STO, ist diese Woche ein lang erwarteter Konkurrent zu World of Warcraft (WoW) an den Start gegangen. Wir haben bereits einen ersten Ausflug in die virtuelle Welt gemacht. Und sind mit gemischten Gefühlen zurückgekehrt.

STO: Im All unendliche Weiten erkunden. (Screenshot: Cryptic)
STO: Im All unendliche Weiten erkunden. (Screenshot: Cryptic)

STO: Im All unendliche Weiten erkunden. (Screenshot: Cryptic)

STO: Im All unendliche Weiten erkunden. (Screenshot: Cryptic)

Düsseldorf. Ork oder Elfe? Wer am Computer in virtuelle Welten abtauchen will, kämpft beinahe zwangsläufig Seite an Seite mit Fantasyfiguren. Online-Rollenspiele sind inzwischen ein Milliardengeschäft, mehr als zehn Millionen Menschen zahlen alleine beim Marktführer World of Warcraft (WoW) monatliche Gebühren, um im Internet mit ihrem Avatar durch 3D-Landschaften zu streifen. Doch Science-Fiction-Freunde, die mit den Fantasy-Welten von WoW, Herr der Ringe oder Warhammer nichts anfangen können, schauen weitgehend in die Röhre.

Sci-Fi-MMO-Spiele (MMO=Massively Multiplayer Online=Onlinespiel mit sehr vielen Teilnehmern) gab und gibt es durchaus. Aber Star Wars Galaxies hat seine besten Zeiten längst hinter sich. Das Weltraumspiel Eve Online ist nie über ein Nischendasein hinausgekommen. Und das Ende 2007 erschienene Tabula Rasa wurde schon im März 2009 wieder eingestellt. Also Orks und Elfen überall?

Der Februar 2010 könnte für Sci-Fi-Fans im Allgemeinen und Trekkies im Speziellen eine Wende einleiten. Denn mit Star Trek Online (STO) ist diese Woche das erste von zwei sehnlich erwarteten Online-Spielen erschienen, die bekannte Weltraum-Welten erlebbar machen wollen. Zwei, weil auch der potenzielle Jedi-Hit "Star Wars - The Old Republic" von Bioware angekündigt ist. Erscheinen soll der Titel aber erst 2011. STO könnte damit den Fans von Krieg der Sterne zumindest die Wartezeit verkürzen. Wir haben uns STO im offenen Beta-Test und kurz nach dem Start angesehen. Der erste Eindruck: STO ist (noch) kein Meilenstein - hat aber Potenzial.

Das Spiel ist im Jahr 2409 angesiedelt - also rund 200 Jahre nach den Abenteuern des Raumschiff Enterprise. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Sternenflottenoffiziers und wird schon nach wenigen Spielminuten Kapitän seines eigenen Schiffs. Mit diesem fliegt er durchs Weltall und erledigt allein oder im Team mit anderen Spielern Aufträge. Wer diese Quests löst, wird mit Erfahrungspunkten und Ausrüstungsgegenständen belohnt. Damit lassen sich das Schiff und die eigenen Fähigkeiten verbessern. So gewappnet kann sich der Kapitän an die nächsten, immer schwierigeren Missionen heranwagen.

Die Besonderheit: Der Spieler muss sich im All und am Boden beweisen. Die (friedlich verlaufende) Eskorte eines defekten Raumschiffs durch ein Asteroidenfeld und der Luftkampf gegen (computergesteuerte) Romulaner gehören genauso zum Alltag wie Erkundungen von unbekannten Planeten - die natürlich selten ohne Überraschungen enden. Unterstützung gibt es in beiden Fällen von den computergesteuerten Brückenoffizieren, die an der Seite ihres Captains kämpfen und Spezialfähigkeiten mitbringen.

Star Trek Online, für PC, ab 12 Jahren, nur mit Internetverbindung spielbar

ab 49 Euro (inkl. 30 Tagen Spielzeit), monatliche Abogebühr 13 Euro.

Cryptic

Namco Bandai

Beide Auftragstypen spielen sich komplett verschieden. Während die eher simplen Bodenmissionen an klassische Online-Rollenspiele erinnern, bewegt der Kapitän sein Schiff in allen drei Dimensionen und muss im Raumkampf stets den richtigen Mix aus Angriff, Verteidigung und Beweglichkeit finden. Dazu weist er Waffen, Schilden und Antrieb unterschiedlich viel Energie zu.

Gelungen ist die Charaktererstellung. Der eigene Avatar kann zum Beispiel Mensch, Vulkanier oder Andorianer sein - oder er gehört einer völlig neuen Alienrasse an, die der Spieler selbst erstellen kann. Der Phantasie sind hier fast keine Grenzen gesetzt (einige Aliens finden Sie in unserer Online-Galerie). Auch das eigene Raumschiff lässt sich in vielen Details anpassen.

Liebevoll inszeniert ist STO also durchaus. Spielerisch will der Funke aber nicht so recht überspringen. Die Brückenoffiziere machen ihre Arbeit so gut, dass Hilfe von Mitspielern nur selten nötig ist. Darunter leidet das typische Online-Rollenspiel-Flair. Störend sind auch die zahlreichen Ladepausen beim Wechsel der einzelnen Spielzonen. Und da der eigene Tod bzw. die Zerstörung des Raumschiffs in keiner Weise bestraft wird, sind die Kämpfe nicht sonderlich spannend. Wer Schlachten gegen andere Spieler schlagen will, wird ebenfalls enttäuscht. Das so genannte PvP (Player versus Player) wird stiefmütterlich behandelt.

Dass sich STO dennoch zur WoW-Alternative mausern könnte, liegt in der Natur der Online-Rollenspiele: Ein Spiel ist nie wirklich fertig, die monatlichen Gebühren ermöglichen es den Entwicklern, ständig neue Inhalte zu programmieren. Und der Grundstein dafür scheint gelegt. Schon kurz nach dem Start vermeldete der Publisher Namco Bandai, dass sich eine Million Spieler angemeldet haben. Das heißt zwar nicht, dass alle zu zahlenden Abonnenten werden. Trekkies sollten dem Spiel aber eine Chance geben.

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