Facebook hat die AfD offenbar intensiv dabei beraten, wie man die Daten der Facebook-Nutzer gegen Bezahlung dazu verwenden kann, potentielle Sympathisanten zu erreichen.

Facebook-Gewinn steigt um 79 Prozent
Facebook hat die AfD offenbar intensiv dabei beraten, wie man die Daten der Facebook-Nutzer gegen Bezahlung dazu verwenden kann, möglichst viele potentielle Sympathisanten zu erreichen. Archivbild.

Facebook hat die AfD offenbar intensiv dabei beraten, wie man die Daten der Facebook-Nutzer gegen Bezahlung dazu verwenden kann, möglichst viele potentielle Sympathisanten zu erreichen. Archivbild.

Noah Berger

Facebook hat die AfD offenbar intensiv dabei beraten, wie man die Daten der Facebook-Nutzer gegen Bezahlung dazu verwenden kann, möglichst viele potentielle Sympathisanten zu erreichen. Archivbild.

Neuland. In den USA wird es für Twitter, Google und Facebook gerade etwas ungemütlich: Facebook muss einräumen, 126 Millionen Nutzer mit russisch-gesteuerter Wahlwerbung überschüttet zu haben, nachdem man zunächst angeblich so gar keine Hinweise hatte. Twitter weiß plötzlich doch, dass es über russische Nutzerkonten 1,4 Millionen mal „Fake-News“ verbreitet hat. Und Google hat mehrere zehntausend Dollar für russisch-gesteuerte Anzeigen in der Kasse gefunden (siehe goo.gl/gz2Dqp). Und das ist nur, was die drei kleinlaut vor US-Ausschüssen zugegeben hätten, während sie sich um die entscheidende Frage „drückten sie sich wie ein Kleinkind vor der Zahnbürste“ (so die NZZ, goo.gl/zB2osK): Haben die russischen Inserate den US-Wahlausgang beeinflusst?

Das wüsste man von der AfD-gesteuerten Werbung auf Facebook vor der Bundestagswahl auch gern. Immerhin hat Facebook die AfD offenbar intensiv dabei beraten, wie man die Daten der Facebook-Nutzer gegen Bezahlung dazu verwenden kann, möglichst viele potentielle Sympathisanten zu erreichen. Bereits im August berichtete der „Tagesspiegel“, dass die AfD die gleiche US-Agentur beauftragt habe, um deren Millionen-Aufträge Facebook und Google im US-Wahlkampf buhlten: Harris Media (siehe goo.gl/YSz8Wr).

Der Wirtschaftsdienst Bloomberg ließ sich von Joshua Canter, dem Vize-Präsidenten für Inhalte-Produktion bei Harris Media, genau erklären, was die Agentur für die AfD bei Facebook in deren Deutschland-Büro am Potsdamer Platz in Berlin einkaufte (auf englisch hier: goo.gl/H5DFNo): Am Tag vor der Bundestagswahl habe Canter in einem Café in der Nähe des Berliner Zoos beim Espresso erläutert, wie er die 300.000 Facebook-Likes der AfD auf Millionen von anderen Deutschen ausgerichtet habe, die für die AfD empfänglich sein könnten.

„Wir nahmen die 300.000, und Facebook erstellte ein Modell von ihnen und benutzte ihr ähnliches Publikum, um die nächsten ein Prozent der Deutschen zu finden, die zu diesem Publikum passten“, wird Canter von Bloomberg zitiert. So sei eine Gruppe von 310.000 Menschen gebildet worden, die den AfD-Fans am ähnlichsten war. Insgesamt hat Harris Media laut Bloomberg bei Facebook sieben Zielgruppen mit mehr als zehn Millionen AfD-Zielen gekauft. Und: „Das ist alles legal und etwas, was Facebook für fast jeden Werbetreibenden tun wird, der dafür bezahlt.“

Update, 3. November:

Die Facebook Germany GmbH hat noch am Freitagabend auf unsere Berichterstattung reagiert. „Facebook ist eine politisch neutrale Plattform. Vor der Bundestagswahl standen wir mit allen größeren Parteien in Kontakt. In allen Gesprächen haben wir dieselben Informationen zur Nutzung von Facebook zur Verfügung gestellt”, teilte eine Facebook-Sprecherin mit.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer